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	<title>FAMILIE &amp; GESELLSCHAFT Archives | SOLOMÜTTER</title>
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		<title>RESET? Eine Reise in die Vergangenheit </title>
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		<dc:creator><![CDATA[Gastautor_in]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Mar 2024 12:18:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[FAMILIE & GESELLSCHAFT]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wieder ein Tag als alleinerziehende berufstätige Mutter geschafft, wieder im Job alles gegeben, das Kind pünktlich abgeholt und zum Training gefahren, während des Trainings joggen gegangen, danach schnell noch eine Kollegin zurückgerufen und beraten, in der Umkleidekabine ein paar Zahlen recherchiert und Mails raus geschickt. Wieder vergessene Flaschen eingesammelt, Freunde des Kindes nach Hause gefahren, [&#8230;]</p>
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<p class="p1">Wieder ein Tag als alleinerziehende berufstätige Mutter geschafft, wieder im Job alles gegeben, das Kind pünktlich abgeholt und zum Training gefahren, während des Trainings joggen gegangen, danach schnell noch eine Kollegin zurückgerufen und beraten, in der Umkleidekabine ein paar Zahlen recherchiert und Mails raus geschickt. Wieder vergessene Flaschen eingesammelt, Freunde des Kindes nach Hause gefahren, Wunden versorgt, Abendessen gekocht, Vokabeln gelernt und Sorgen besprochen. Wieder neben dem Kind im Bett gelegen und den Tag Revue passieren lassen, dann noch Wäsche aufgehängt, eine Präsentation fertig gestellt, Rechnungen bezahlt, ein Geschenk für die Ex-Schwiegermutter bestellt. Ein Blick auf die Uhr – es ist kaum zu fassen, ich habe noch etwa eine Stunde Zeit für mich! Ich lege mich aufs Sofa und zappe durch die ZDF-Mediathek (Netflix und Prime habe ich gekündigt, um Kosten zu sparen). Eine neue Serie wird beworben – RESET.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p1"><b>Ich schalte rein und habe mir mit dieser Entscheidung den Abend, die Nacht und die nächsten Nächte verdorben.</b></p>
<p class="p1">Wie hat eine Fernseh-Miniserie das geschafft? Ich gebe zu, ich bin keine Fachfrau, was gute Unterhaltung oder gar gute Schauspiel- und Filmkunst angeht. Ich schaue selten fern, weil mir die Zeit fehlt, und wenn, dann seltener als ich es eigentlich möchte um mich zu informieren und häufiger als ich es zugeben würde um mich einfach berieseln zu lassen. Manchmal aber sehne ich mich doch nach guter, packender Unterhaltung, einem innovativen Konzept, nicht immer „Boy meets Girl“ und die üblichen Lovestorys inklusive Krise und Versöhnung. RESET liefert auf den ersten Blick genau das. Die grobe Story: Eine Frau erhält nach einem traumatischen Erlebnis die Möglichkeit in die Vergangenheit zu reisen und dort Dinge anders zu machen. „Wie weit wirst du gehen?“ ist die Frage, die die Serie – und man selbst sich auch – dabei stellt? Ab wann hat man einen Einfluss auf das Geschehene, was ist unvermeidbar, was sind Konsequenzen davon, anders zu handeln?</p>
<p class="p1">Wer, wenn nicht alleinerziehende Mütter kennen diese Fragen gut. Oder zumindest ich kenne sie gut. Was wäre gewesen, wenn…? Wenn ich mich nicht getrennt hätte? Wenn ich früher an meiner Beziehung gearbeitet hätte? Wenn ich einen anderen Mann geheiratet hätte? Wenn ich einen anderen Job gewählt oder mein Geld anders angelegt hätte, in eine andere Stadt gezogen, nicht auf den egozentrischen Typen reingefallen, hier weniger egoistisch, da mehr auf mich bezogen oder generell ganz anders gewesen wäre? Diese Fragen, so hinfällig sie sind, kreisen doch ab und an in meinem Kopf – umso spannender sich anzuschauen, wie dies filmisch umgesetzt wird.</p>
<p class="p1"><b>Dass das tragische Ereignis der Selbstmord der Tochter ist, hat mich emotional total angefasst.<span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
<p class="p1">Natürlich denke ich auch an mein eigenes Kind und konnte wenig schlafen in der kommenden Nacht. Was, wenn auch ich irgendwann nicht mehr zu meiner Tochter durchdringe? Wenn ich keine gute Mutter bin, wenn ich es nicht schaffe ihr ein gutes Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl zu vermitteln? Wenn sie an die falschen Freunde gerät, wenn sie depressiv wird, wenn… die Gedankenspirale dreht sich. Die Nacht ist für mich gelaufen.</p>
<p class="p1">Am nächsten Abend lasse ich den Haushalt schleifen, weil ich unbedingt wissen will, wie es weiter geht. Und am übernächsten auch. Zu meinen ersten Emotionen – Angst, Sorge, Selbstzweifel – gesellen sich Ärger und Wut. Wie kann ein öffentlich-rechtlicher Sender eine solche Serie einfach so in den Raum stellen? Die Story geht nämlich so weiter: Flo, beruflich erfolgreiche Fernsehmoderatorin, fängt nach dem Selbstmord ihrer Tochter an zu grübeln, was sie als Mutter falsch gemacht hat und wie sie den Tod der eigenen Tochter verhindern kann. Durch die Agentur „Plan B“ erhält sie die Gelegenheit in die Vergangenheit zu reisen – erst wenige Tage, dann viele Jahre. Sie reist zurück in die Zeit, als ihre Tochter mit der Schule beginnt, beschließt, den Job als Moderatorin ihrer eigenen Sendung nicht anzunehmen und sich stattdessen um die Kinder zu kümmern. Sie begleitet die Kinder in den Schlaf und ins Klassenzimmer. Sie fleht ihren Mann an sie nicht zu verlassen und rettet so ihre Ehe. Und siehe da – den Kindern geht es später natürlich super! Die Familie steht zusammen und die Kids sind zu selbstbewussten Teenagern herangewachsen. Am Ende aber bekommt Flo Krebs – das Schicksal hat also sie getroffen und nicht ihre Tochter – und in der letzten Szene hält sie ihr Gesicht dennoch lächelnd in die Sonne.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p1"><b>Was ist die Aussage hinter dieser Serie? Eine Mutter hat sich selbst aufzugeben, eine Mutter hat sich nicht zu trennen.<span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
<p class="p1">Trotz eigener Krankheit und in Angesicht des möglichen Todes lächelt sie, denn sie weiß: Sie hat ihr Kind durch ihre Aufopferung und ihren Verzicht gerettet. Das Bild einer Mutter aus den 50ern – Handelt RESET also auch in diesem Sinne von einer Reise in die Vergangenheit?</p>
<p class="p1">Weit gefehlt. Das Bild – berufstätige alleinerziehende Mutter gleich schlecht für das Kind – ist in unserer Gesellschaft immer noch tief verankert. Eine Mutter, die eigene Ziele verfolgt, Karriere macht, sich vielleicht sogar noch in einen jüngeren Mann verliebt? Rabenmutter! Kein Wunder, wenn es den Kindern schlecht geht! Die liebevolle Ehefrau, die die eigenen Ziele aufgibt, ist der Garant für die gute Entwicklung der Kinder. Ist klar. Von einem Vater, der Karriere macht, sich trennt oder nach der Trennung eine jüngere Partnerin hat, würde im Übrigen niemand schlecht denken. Ganz klar, dass auch in der Serie RESET der Vater keine tragende Rolle in der Entwicklung der Kinder hat. Wenn überhaupt, ist die Mutter auch noch dafür verantwortlich, die Beziehung des Vaters zur Tochter zu gestalten und diese im „Plan B“ zu verbessern.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p1"><b>Ich kann diese Vorurteile nicht mehr hören.<span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
<p class="p1">Rede ich mit Bekannten und Kolleg:innen, die diese Serie auch gesehen haben, treffe ich auf Unverständnis über meine krasse Verärgerung. Denn die meisten leben weiterhin eine Variante des klassischen Familienmodells. Daher sind sie auch nicht mit diesen Vorurteilen konfrontiert, wie ich es bin.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p1">Aus Wut schreibe ich sogar dem ZDF eine Nachricht, erst per Mail – und dann mangels Reaktion auch per Instagram. Die Reaktion „Wir möchten betonen, dass es sich hier um einen rein fiktionalen Inhalt handelt“. Wollt ihr mich veräppeln? Die allermeisten Serien haben einen rein fiktionalen Inhalt, selbst solche, die auf wahren Begebenheiten beruhen – eine Serie, in der Zeitreisen möglich sind, macht da auch keine Ausnahme. Das ist mir klar. Aber auch Fiction hat Botschaften. Und die Botschaft dieser Serie hätte auch eine andere sein können, wenn man das gewollt hätte – ganz ohne die Idee hinter der Serie zu verwässern. Aber man wollte eben diese Botschaft senden. Oder war so ignorant, diese mögliche Interpretation gar nicht so zu sehen, weil es alles als so normal gilt in unserer Gesellschaft. Beides finde ich wirklich höchst kritisch.</p>
<p class="p1">Mir begegnen diese Vorurteile über berufstätige Mütter und alleinerziehende Mütter und über die Kombination aus beiden im Alltag ständig. Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk hätte ich gerne mal etwas gesehen, dass diese Vorurteile hinterfragt statt sie zu reproduzieren und sogar zu verstärken. Stattdessen werden die Menschen, die mir immer wieder vorwerfen, mich zu viel um meinen Job zu kümmern, mich getrennt zu haben, zu sehr auf mich selbst zu blicken oder von meinem Kind auch mal Selbständigkeit einzufordern, in ihrer Meinung bestärkt, dass das mit uns nur den Bach herunter gehen könnte. Dass mein Kind automatisch durch die Trennung und durch meine Berufstätigkeit später psychisch labiler sein wird als andere. Dass all das automatisch schlecht sei für das Kind. Stattdessen wird auch anderen alleinerziehenden, berufstätigen Mütter ein schlechtes Gewissen und schlaflose Nächte bereitet. Meine einzige Hoffnung: die meisten von uns sind abends ohnehin so kaputt, dass sie keine Zeit finden werden, sich diese Serie anzuschauen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
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									<p><strong>Über die Autorin</strong></p>
<p>Laura heißt eigentlich anders, will aber anonym bleiben. Sie ist Anfang 40, arbeitet in einem internationalen Unternehmen, hat eine Tochter im Grundschulalter und ist seit 6 Jahren alleinerziehend.</p>								</div>
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									<p><i>© Headerbild: ZDF und Tina Krohn</i></p>								</div>
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					<p class="elementor-heading-title elementor-size-default">Von Laura Schwan</p>				</div>
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		<title>Brief einer verlassenen Tochter</title>
		<link>https://solomuetter.de/2023/12/13/brief-einer-verlassenen-tochter/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jasmin Dickerson]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Dec 2023 18:54:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[ERFAHRUNGSBERICHTE]]></category>
		<category><![CDATA[FAMILIE & GESELLSCHAFT]]></category>
		<category><![CDATA[MAGAZIN AUFMACHER]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Meine erste seelische Wunde ist die, die immer noch am meisten schmerzt. Die mich immer wieder zurückwirft und die mich nie ganz verlässt. Sie reißt immer wieder auf. Ich bin noch ein Baby, als mein Vater meine Mutter plötzlich und unerwartet verlässt. Mein Leben lang habe ich gehofft, dass er irgendwann für mich da sein [&#8230;]</p>
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					<h1 class="elementor-heading-title elementor-size-default">Brief einer verlassenen Tochter</h1>				</div>
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<p><strong>Meine erste seelische Wunde ist die, die immer noch am meisten schmerzt. Die mich immer wieder zurückwirft und die mich nie ganz verlässt. Sie reißt immer wieder auf. </strong></p>
<p><strong>Ich bin noch ein Baby, als mein Vater meine Mutter plötzlich und unerwartet verlässt. Mein Leben lang habe ich gehofft, dass er irgendwann für mich da sein wird. Ich bin fast 38 und ich warte immer noch. </strong></p>
<p>Die Weihnachtszeit hat begonnen und ich sehe Väter mit ihren Kindern durch Einkaufszentren hetzen. Ich sehe weinende Kinder und tröstende Väter. Ich sehe, wie die Kinder in meinem Bekanntenkreis sich an ihren Papas festhalten. Kinder schminken ihre Väter, frisieren sie, werden gekuschelt und geherzt. Jede einzelne Beobachtung versetzt mir einen Stich. Ich beneide die Kinder, ich beneide meine Stiefgeschwister um ihren Vater, der sie so sehr liebt.</p>
<p>Bis heute muss ich mit den Tränen kämpfen, wenn in einem Film ein Vater fehlt, wenn die rohe, verzweifelte Wut der verlassenen Person aus ihr herausbricht wenn der brennende Monolog, jahrelang für den Vater, der nie da war aufgespart wurde und endlich gesagt werden kann. Wenn Will Smith in der Szene in Prince of Bel Air bitterlich weint und fragt “How come he don’t want me, man?” ist in meinem Gesicht bereits ein Wasserfall ausgebrochen. Und so habe auch ich meinem Vater einen Brief geschrieben. Einen, den er nie lesen wird, der mir aber trotzdem geholfen hat. Ich möchte ihn mit euch teilen:</p>
<blockquote>
<p>Brief einer verlassenen Tochter</p>
<p>Seit ich ein Baby war, hast du mich immer wieder verlassen. Du hattest immer deine Gründe. Meine Mutter hat es dir so schwer gemacht, Umgang mit mir zu haben, du warst müde vom Arbeiten, deine neue Frau mochte mich nicht.</p>
<p>Dass Mama dich anbetteln musste, mich zu besuchen oder wenigstens an meinem Geburtstag anzurufen, verschweigst du. Du warst immer gut im Töne spucken, große Worte, nichts dahinter. Du warst nie laut, hast nie geschimpft, bei unseren seltenen Treffen. Mit Erklärungen hast du mich bombardiert, mit leeren Versprechen. Ich habe dir jedes Mal geglaubt. Wie, dass du zu meinem sechsten Geburtstag kommst. Ich war so voller Vorfreude, weil ich dich Jahre nicht gesehen hatte. Den ganzen Tag habe ich gewartet. Dann den ganzen Abend. Hab mich auf die Treppe gesetzt, damit ich dein Klingeln nicht verpasse. Du bist nie aufgetaucht. Unser Verhältnis ist eine Aneinanderreihung von Enttäuschungen und Zurückweisung. Am schlimmsten war aber, dass du es nie zugeben wolltest. Du hast mir beteuert , wie sehr du mich liebst und dass ich dein kleines Mädchen bin, um im nächsten Moment zu verschwinden. Du bist abgetaucht. Immer wieder. Und immer wieder dachte ich, diesmal bleibt er. Ich glaube, so richtig verstanden, dass ich nie genug sein würde, habe ich erst, als ich gesehen habe, wie liebevoll und zuverlässig du mit meinen Halbschwestern bist. Immer für sie da, nie abgetaucht. Überall Fotos von und mit ihnen. Von mir in deinem Leben keine Spur.</p>
<p>Als du mir letztes Jahr am Telefon gesagt hast, dass du mich nicht alleine besuchen willst, obwohl wir uns mittlerweile seit 11 Jahren nicht mehr gesehen haben, weil du nicht ohne deine Familie verreisen willst, da wusste ich, dass ich für immer auf deine Zuneigung und deine Wärme warten würde. Ich war nie Teil deiner Familie. Dass Mama und du geheiratet habt und ich ein Wunschkind war, ändert nichts . Ich weiß, ich muss Abschied nehmen.</p>
</blockquote>
<p>Für alle verlassenen Töchter: Ihr seid nicht allein. Auch wenn ihr allein gelassen wurdet, als ihr Halt gebraucht habt. An manchen Tagen tut es genauso weh, wie damals, als ihr auf der Treppe gewartet und bis zuletzt gehofft habt. Ihr seid wertvoll und ihr werdet geliebt. Und auch, wenn das wie leere Worthülsen klingt: Er tut nicht nur euch weh, sondern vor allem sich selbst. Und es ist unfair, so verdammt unfair. Aber es ist nicht das Ende eurer Geschichte und euer Schmerz definiert euch nicht. Lasst uns zusammen “because of you” von Kelly Clarkson hören und weinen. Und lasst uns zusammen daran erinnern, dass es Menschen gibt, die ohne wenn und aber für uns da sind.</p>
<p><br />Dieser Text ist für meine Mama, die immer und jederzeit für mich da ist. Auch wenn wir uns die Köpfe einschlagen. Sie hat mich nie verlassen. Und ich weiß, dass sie das nie tun wird. Danke Mama, dass du da bist, wo Papa es nie war.</p>
								</div>
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					<p class="elementor-heading-title elementor-size-default">Von Jasmin Dickerson</p>				</div>
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		<title>Sommerzeit, Urlaubszeit, Einsamkeit</title>
		<link>https://solomuetter.de/2023/06/20/sommerzeit-urlaubszeit-einsamkeit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Gastautor_in]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Jun 2023 21:16:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[FAMILIE & GESELLSCHAFT]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sommerferien. Sechs Wochen Freiheit, Sonnenschein, Schwimmbad mit Freunden, Aufbleiben bis Mitternacht, Übernachtungspartys und Zelten im Garten, jeden Tag Eis. Und natürlich Sommerurlaub mit der Familie. Meine Kindheitserinnerungen an die großen Ferien sind ein einziger Traum in 25 Grad blauem Himmel, den höchsten ein einziger Regentag trübte, an dem ich ausnahmsweise stundenlang fernsehen konnte. In meiner [&#8230;]</p>
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					<h1 class="elementor-heading-title elementor-size-default">Sommerzeit, Urlaubszeit, Einsamkeit</h1>				</div>
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<p class="p1"><span style="color: #000000;">Sommerferien. Sechs Wochen Freiheit, Sonnenschein, Schwimmbad mit Freunden, Aufbleiben bis Mitternacht, Übernachtungspartys und Zelten im Garten, jeden Tag Eis. Und natürlich Sommerurlaub mit der Familie. Meine Kindheitserinnerungen an die großen Ferien sind ein einziger Traum in 25 Grad blauem Himmel, den höchsten ein einziger Regentag trübte, an dem ich ausnahmsweise stundenlang fernsehen konnte. In meiner Erinnerung durften meine Schwester und ich tun und lassen, was wir wollten. Meine Eltern waren nie gestresst, meine Mutter fast immer ebenfalls zuhause, so dass sie uns Berge von Nudel- und Kartoffelsalaten für die Grillabende zubereiten, kiloweise Wassermelone schneiden oder Kirschen entkernen und Eis am Stil oder aber eine Mark für den Eiswagen herausreichen konnte. Getoppt werden meine rosaroten Sommererinnerungen nur von den Erinnerungen an die gemeinsamen Familienurlaube. Meine Eltern fuhren mit uns in Ferienhäuser an die Adria, nach Südfrankreich oder in die Bretagne. Und dort ging das schöne Leben weiter, nur mit Pool in der Anlage, einem Meer, das meist fußläufig erreichbar war, und der Tatsache, dass man ab und zu auch mal etwas anschauen musste, dafür aber noch mehr Eis und auch öfter mal im Restaurant essen durfte.<span class="Apple-converted-space"> </span></span></p>
<p class="p1"><span style="color: #000000;">Meine Traumvorstellung von Familienurlaub ist genau das. Ich möchte mit meinem Mann und meinen beiden Kindern zwei bis drei Wochen in einem Ferienhaus am Pool sitzen, ab und zu ins Meer springen, vielleicht mal eine Wanderung machen oder das ein oder andere hübsche Städtchen besuchen, um eine Kirche, einen Markt oder einfach die netten Geschäfte und Cafés zu bewundern. Ich sah mich immer mit meinem Mann am Strand sitzen, ein Glas Rosé und etwas Baguette neben uns, die Kinder, die einträchtig Sandburgen bauen im Blick. Abends unterhalten wir uns auf der Terrasse der Ferienwohnung, schauen die Sterne an, die hier so viel heller leuchten als zuhause, und es ist uns egal, dass die Kinder nur vorgeben zu schlafen, heimlich aber noch Hörspiele hören oder aber noch gemeinsam in der oberen Etage des Stockbetts liegen und über irgendetwas kichern, und sei es der hübsche französische Junge vom Surfbrettverleih bzw. das sportliche italienische Mädchen beim Beachvolleyball, beide jeweils viel zu alt und out of their league.</span></p>
<p class="p1"><span style="color: #000000;"><b>Kompromisse, Herausforderungen und Enttäuschungen<span class="Apple-converted-space"> </span></b></span></p>
<p class="p1"><span style="color: #000000;">Die harte Realität als alleinerziehende Mutter: Sommerferienzeit gleich Stresszeit und Einsamkeit. Nichts von meinen Träumen findet sich in meinem aktuellen Leben wieder. Los geht der Stress schon bei der Aufteilung der Sommerferien. Wann muss wer arbeiten, wo ist das Kind und wo wird es am sinnvollsten übergeben. Welche Großeltern beschweren sich wie laut, dass auch sie doch bitte Anspruch auf eine Woche Zeit mit dem Kind hätten. Dann kommen die Formalitäten. Wie die meisten Alleinerziehenden betreue ich meine Tochter zwar zu weiten Teilen allein (ja, mittlerweile haben laut Studien etwa 5 Prozent aller getrennt lebender Familien ein Wechselmodell und weitere 5 Prozent einen erweiterten Umgang vereinbart, aber das ist weiterhin die Minderheit), teile mir aber das Sorgerecht mit ihrem Vater. Möchte ich mit meiner Tochter ins Ausland reisen, brauche ich seine Zustimmung. Ist das geklärt, brauche ich einen Kinderreisepass, den ich nach dem sechsten Geburtstag jährlich verlängern muss. Jedes fucking Jahr!! Wer hat sich so einen Mist ausgedacht? Neben all dem Kram, den ich eh schon auf dem Zettel habe (Arbeit, Haushalt, Kind, Arzttermine, Steuererklärung… ganz normaler Alltagswahnsinn eben) und den ganzen Urlaubsvorbereitungen, muss ich jedes Jahr einen Termin beim Bürgeramt machen, jedes Jahr wieder Passfotos machen lassen (und bezahlen), jedes Jahr wieder zum Amt fahren, warten, Gebühren zahlen (die sich übrigens verdoppeln, wenn ich vergessen habe, das Dokument während seiner Gültigkeitsdauer von einem läppischen Jahr zu verlängern). Jedes Jahr im Vorfeld Formulare ausdrucken, hoffen, dass der Vater sie rechtzeitig schickt und an allen Stellen unterschrieben hat. Mit dem Amt diskutieren, dass eine Vollmacht und Kopie seines Personalausweises ausreichen. Denn zumindest bei uns ist eine Kopie eigentlich nicht ausreichen, es muss der Originalausweis sein – wie stellt sich die Behörde das denn bitte vor bei Menschen, die ja meist aus gutem Grund nicht mehr zusammen sind, vielleicht an unterschiedlichen Stellen wohnen oder sich vielleicht überhaupt nicht mehr verstehen)? <i>(Anmerkung der Redaktion: Eigentlich braucht es dieses Einverständnis nicht. Eine Einordnung der Rechtsanwältin <a href="https://www.rechtsanwalt-sorgerecht.de/" target="_blank" rel="noopener">Karola Rosenberg</a> findet ihr am Ende dieses Textes.)</i></span></p>
<p class="p1"><span style="color: #000000;">Ist das geklärt, geht es bei der Auswahl des Reiseziels noch weniger entspannt zu. Denn der Wunsch – zwei bis drei Wochen in einem Ferienhaus irgendwo in Südfrankreich, abseits vom Massentourismus – ist nicht vereinbar mit der Realität. Erstes Problem: Reisezeit: Fahrzeit von 15 Stunden und länger – allein kaum machbar. Zwischenübernachtungen? Schwierig, da die Urlaubszeit begrenzt ist, Ferienwohnungen nur wochenweise vermietet werden und zusätzliche Kosten entstehen. Sich abwechseln und teils auch nachts fahren wie meine Eltern – allein ist es einfach zu gefährlich. Fliegen ist in der Sommerzeit unbezahlbar mit einem Einkommen, von dem aber zwei Flüge bezahlt werden müssen. Zumal dann die Destination eher ein Touri-Ort ist, für meinen Traum in Hinterland bräuchte ich einen Mietwagen – Kosten siehe Flug. Für die Bahnreise gilt übrigens das Gleiche, außer dass sie etwas günstiger ist, aber dafür noch länger dauert.<span class="Apple-converted-space"> </span></span></p>
<p class="p1"><span style="color: #000000;"><b>Das Geld ist knapp, aber immerhin reicht es überhaupt</b></span></p>
<p class="p1"><span style="color: #000000;">Zweites Problem – es ist schon angeklungen: Das liebe Geld. Zunächst einmal möchte ich dazu sagen, dass ich wahnsinnig dankbar dafür bin, dass ich überhaupt in den Urlaub fahren kann. Denn viele andere alleinerziehende Familien können das nicht. Weil sie – wie rund vierzig Prozent von uns – in Armut leben, weil sie über den Sommer arbeiten müssen, weil der Kindsvater eine Reise ins Ausland nicht erlaubt (ja, solche Konfliktfälle gibt es, und klar kann man dann eine gerichtliche Entscheidung herbeiführen – aber wer hat dafür die Energie, das Geld und die Zeit?), etc. Ich habe ein Auto, ich bekomme Urlaubsgeld – alles schick. Doch für wie viel reicht es? Eine Reise mit meinem Grundschulkind kostet fast genau so viel wie eine Reise als Paar. Zimmer oder Ferienwohnung, Frühstück, Fahrtkosten, Essen – Rabatte für Kinder sucht man, wenn nur ein Erwachsener mitbucht, meist vergebens. Seit Jahren frage ich mich, warum es bei so vielen Aktivitäten (Schwimmbad, Museum, Freizeitpark etc.) im In- wie Ausland Familienkarten gibt, die in der Regel dem Preis von zwei Erwachsenen entsprechen oder diesen nur geringfügig übersteigen – aber selten Familienkarten für einen Erwachsenen und ein Kind. Mein Kind muss zusätzlich zahlen – und die ermäßigten Preise haben es meist ebenfalls in sich. Dann kommt die Ausstattung dazu: Badeanzüge und Sandalen vom letzten Jahr sind zu klein und müssen ersetzt werden. Und mein Traum – das einsame Ferienhäuschen mit Pool, das kleine Hotel mit nettem Frühstücksbuffet oder der abendliche Besuch im Strandrestaurant – ist einfach unerschwinglich. Jedes Jahr aufs Neue muss ich einen Kompromiss finden – den ich ganz allein heraussuchen muss aus den zahlreichen Möglichkeiten. Hinzu kommt – das trifft alle Familien – dass sich die Preise in den Sommerferien gegenüber der Nebensaison fast verdoppeln. Außerhalb der Ferien zu fahren, das kann man sich aber nur ohne (schulpflichtige) Kinder erlauben. In diesem Jahr schlägt die Inflation auch noch besonders hart zu.<span class="Apple-converted-space"> </span></span></p>
<p class="p1"><span style="color: #000000;">Drittes Problem: einsames Ferienhaus, einsame Ferien. Es gibt viele Familien, die ihre Ferien gerne in Hotels verbringen, auf Campingplätzen oder in Ferienanlagen mit vielen anderen Familien, vielleicht sogar mit Kinderbetreuung. In meiner idealisierten Vorstellung von Familienurlaub ging es aber darum Zeit als Familie miteinander zu verbringen. Zu viert bzw. auch die Eltern für sich und wir Schwestern zusammen. Ich erinnere mich daran mit meiner Schwester stundenlang Sandburgen zu bauen, kleine Bäche zu stauen oder mit meinen Eltern bis Mitternacht UNO zu spielen. Es war nicht aufregend, aber es war schön. Ich will das auch. Ich möchte kein stressiges Animationsprogramm und überfüllte Frühstücksräume, sondern gemeinsame Zeit. Anders als in meiner Kindheit gibt es aber keine zweite erwachsene Person, die mal einkauft, kocht, die Ferienwohnung durchfegt oder die Kinder am Strand bespaßt, während ich ein Buch lese. Und meine Tochter hat keine Schwester, mit der sie spielen kann. Also muss es doch etwas sein, wo wir potenziell andere Kinder treffen. Es gibt Reiseanbieter, die individuelle Reisen anbieten an ausgewählten Orten mit nur wenigen Familien – leider liegen deren Preise, siehe oben, außerhalb meines Budgets. Einen Kompromiss zu finden, das ist nicht leicht. Und auch wenn meine Tochter den Urlaub jedes Jahr toll findet, bleibt bei mir doch immer eine Enttäuschung darüber, wie viel Geld ich für wie wenig ausgeben musste und wie weit das doch davon abweicht, wie ich mir mal Familienurlaub erträumt habe.</span></p>
<p class="p1"><span style="color: #000000;"><b>Das Bild vom idealisierten Sommer gegen Einsamkeit tauschen</b></span></p>
<p class="p1"><span style="color: #000000;">Diese Auseinandersetzung mit dem, was man eigentlich im Leben wollte, ist in der Sommerzeit noch schlimmer als sonst. Denn der Sommer ist mir so idealisiert in Erinnerung, und auch wenn es wahrscheinlich gar nicht so toll war, haben diese verklärten Erinnerungen doch meine Ziele im Leben geprägt. Das, was meine Tochter mit mir erlebt, und das, was meine Eltern mir und meiner Schwester in unserer Kindheit bieten konnten, liegt leider meilenweit voneinander entfernt. Damit meine ich nicht, dass wir luxuriösere Urlaube gemacht haben, im Gegenteil. Aber es waren Urlaube mit ganz viel Zusammensein, Spaß, sicher auch mal Streit, aber eben einfach Liebe. Im Sommer ist der Schmerz, dass mein Leben so anders läuft als ich es gerne wollte, ganz besonders groß. Sommerzeit ist für mich Einsamkeit. Keine Abende mit einem Partner und besten Freund. Die Freundinnen, die man als alleinerziehende Mutter noch halten konnte (anderes Thema, aber es ist wirklich schwer), sind mit ihrer Familie unterwegs. Im Urlaub sieht man fast nur Paare mit mehr als einem Kind. Noch schlimmer ist es dann aber zurück zuhause, wenn das Kind mit dem Vater unterwegs ist. Ich bin allein in einer Zeit, in der scheinbar alle anderen glücklich sind, raus gehen, mit der oder dem Liebsten zusammen sind, im Urlaub, im Biergarten oder beim Pärchen-Grillabend, zu dem ich nicht eingeladen bin. Es ist Sommer, aber anstelle der unendlichen Freiheit, die ich als Kind spürte, fühle ich nun eine unendliche Einsamkeit.</span></p>
<p class="p1"><span style="color: #000000;"><b>Neid und schlechtes Gewissen im Gepäck</b></span></p>
<p class="p1"><span style="color: #000000;">Und dann steigen mir die Tränen in die Augen, wenn ich Bilder geschickt bekomme von den Urlauben, die meine Tochter mit ihrem Vater und dessen Partnerin verbringt. Wenn ich die Urlaubsorte und die Hotels sehe, in die meine Tochter dann in ihrem zweiten Urlaub fahren darf. Für sie ist es schön, das weiß ich, aber ich trotzdem bin jedes Mal wieder am Boden zerstört. Denn wenn die drei machen den Familienurlaub, den ich hätte haben wollen. Mit zwei Vollzeiteinkommen (ich arbeite wegen meiner Tochter „nur“ 30 Stunden) können es sich die beiden auch in den Sommerferien gut gehen lassen. Eine kleine Finca oder ein schickes Hotel mit Frühstück, Eis und Abendessen im Restaurant direkt am Meer, Eintritt in den Wasserpark oder Klettergarten – kein Problem. Aber es ist nicht nur das finanzielle, vor allem beneide ich meinen Ex-Mann und seine Partnerin darum, in den Ferien so viel Energie zu haben und der Tochter alle Wünsche erfüllen zu können, mit ihr tausend Dinge zu unternehmen, abends bis in die Puppen zusammen zu spielen, Sternbilder zu analysieren und ihr so vieles zu zeigen, das ich ihr gerne gezeigt hätte, wäre ich nicht so wahnsinnig müde und kaputt und urlaubsreif. Ich bin jedes Jahr ganz fertig über die Tatsache, dass das meine ideale Vorstellung von Familienurlaub ist, ich sie aber nicht leben kann und dass meine Tochter sie mit der anderen Familienseite erlebt. Und dann plagt mich gleich das schlechte Gewissen, weil ich es ihr von Herzen gönnen möchte, aber nicht kann.</span></p>
<p class="p1"><span style="color: #000000;"><b>Meistens anders aber dann doch noch gut</b></span></p>
<p class="p1"><span style="color: #000000;">Ein paar Wochen später sitze ich am Pool der kleinen Ferienanlage an der Adria. Für Südfrankreich hat es nicht gereicht, aber immerhin ist es eine Auslandsreise geworden – den Kinderreisepass habe ich einen Tag vor Abfahrt doch noch beantragen dürfen, auch ohne Original-Personalausweis des Vaters. Zum Strand sind es 30 Minuten mit dem Rad, das Mobile Home ist super eng, hat zwei unbequeme 80-cm-Einzelbetten und in der Dusche ist Schimmel. Aber ich lese seit zwei Stunden ein Buch auf einem Liegestuhl im Schatten, neben mir meine Tochter, ebenfalls lesend, nachdem sie sich über eine Stunde im Pool vergnügt hat, teils allein, teils mit ein paar italienischen Kindern. Die Anlage ist einfach, aber wunderschön gelegen inmitten von Orleanderhecken und Kiefern. Das kleine Städtchen in der Nähe hat alte Gassen, nette Läden und Cafés sowie schön angelegte Parks zu bieten. Wir haben seit Tagen nichts getan außer Radfahren, lesen, essen und uns im Pool oder Meer abzukühlen, wir haben keinen Zeitdruck, wir haben keinen Streit, wir kommen zur Ruhe. Meine Tochter fragt nicht nach Sehenswürdigkeiten, Erlebnisparks oder teurem Essen, nicht mal nach eine:r deutschsprachigen Spielkamerad:in. Sie wirkt ausgeglichen und mit sich und der Welt zufrieden. „Essen wir heute wieder Abend Pizza zum Mitnehmen am Strand? Das war sooo schön!“ fragt sie. Und so bin ich doch noch versöhnt mit der Sommerzeit. Es ist alles ganz anders, aber es ist auch gut.</span></p>
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									<p><strong>Rechtsanwältin Karola Rosenberg zum Thema &#8222;Kinderpass beantragen&#8220;:</strong></p>
<p>👉 &#8222;Tatsächlich braucht man für die bloße Beantragung eines Ausweisdokuments, also auch des Reisepasses für das Kind, die Zustimmung des anderen Elternteils nicht, wenn das Kind bei einem lebt und gemeldet ist. Die Beantragung des Reisepasses ist Teil der Alltagssorge, die der betreuende Elternteil ausübt.&#8220;</p>
<p>👉 &#8222;Auch ein Blick in die Verwaltungsvorschriften klärt darüber auf, dass das Einverständnis des anderen Elternteils nicht nachgewiesen werden muss, wenn der betreuende Elternteil den Antrag stellt und keine Anzeichen dafür vorliegen, dass es Streit um den gewöhnlichen Aufenthalt des Kindes beim betreuenden Elternteil gibt (<a href="https://www.verwaltungsvorschriften-im-internet.de/bsvwvbund_16122019_DGI220105713.htm" target="_blank" rel="noopener">Ziff 6.1.3.4 PassVwV</a>)&#8220;</p>
<p><strong>Rosenbergs Rechtstipp:</strong> &#8222;Wenn die Zustimmung trotzdem gefordert wird, sollte man sich das schriftlich bestätigen lassen, damit man möglichst nicht auf den ganzen Kosten des Verfahrens sitzen bleibt.&#8220;</p>
<p><strong>Karola Rosenberg zum Thema &#8222;Zustimmung für eine Urlaubsreise ins Ausland&#8220;:</strong></p>
<p>👉 &#8222;Grundsätzlich ist der Urlaub in Holland, Österreich und Malle unproblematisch. Es gibt zwar eine Informationspflicht, wo die Reise hingeht, aber kein Zustimmungserfordernis oder Vetorecht des anderen Elternteils.&#8220;</p>
<p>👉 &#8222;Etwas anderes gilt bei Reisen in Krisen- und Risikogebiete oder auch Reisen, die mit besonderen Belastungen einher gehen. Da muss der andere Elternteil ausdrücklich zustimmen.&#8220;</p>
<p><strong>Rosenbergs Rechtstipp: &#8222;</strong>Funktioniert die Einigung nicht, kann man einen Antrag nach <a href="https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1628.html" target="_blank" rel="noopener">§1628 BGB</a> stellen und die alleinige Entscheidungsbefugnis für die Reise beantragen.&#8220;</p>
<p>🚩#redflag für das Gericht: Wenn die Urlaubsreise zu einer Vereitelung des gerichtlich geregelten Umgangsrechts führt, ist die Übertragung der Entscheidungsbefugnis auf den Reisenden grundsätzlich ausgeschlossen, da sonst die Sorgerechtsregelung zu einem Rechtsbruch der Umgangsregelung führen würde.</p>								</div>
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									<p><strong>Über die Autorin</strong></p>
<p>Laura heißt eigentlich anders, will aber anonym bleiben. Sie ist Anfang 40, arbeitet in einem internationalen Unternehmen, hat eine Tochter im Grundschulalter und ist seit 6 Jahren alleinerziehend.</p>								</div>
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					<p class="elementor-heading-title elementor-size-default">Von Laura Schwan</p>				</div>
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		<title>Ich muss jetzt Mutter sein, ok?</title>
		<link>https://solomuetter.de/2023/05/31/ich-muss-jetzt-mutter-sein-ok/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Svenja Struck]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 31 May 2023 13:50:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[FAMILIE & GESELLSCHAFT]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mutterschaft als das Schönste und gleichzeitig Härteste zu bezeichnen, ist an Ambivalenz nicht zu überbieten. Sich mit diesem Spannungszustand einverstanden zu erklären aber, kann einen über manche Phase demütigender Überlastung hinweg tragen. Denn die Anerkennung dieser Gegensätzlichkeit erleichtert uns, sich im jeweiligen Moment ihres Gegenteils bewusst zu sein. Und das sage ich, obwohl ich „Schönstes“ [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[		<div data-elementor-type="wp-post" data-elementor-id="4330" class="elementor elementor-4330" data-elementor-post-type="post">
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									<p></p>
<p class="p1">Mutterschaft als <i>das Schönste</i> und gleichzeitig <i>Härteste</i> zu bezeichnen, ist an Ambivalenz nicht zu überbieten. Sich mit diesem Spannungszustand einverstanden zu erklären aber, kann einen über manche Phase demütigender Überlastung hinweg tragen. Denn die Anerkennung dieser Gegensätzlichkeit erleichtert uns, sich im jeweiligen Moment ihres Gegenteils bewusst zu sein. Und das sage ich, obwohl ich <i>„Schönstes“</i> und <i>„Härtestes“</i> für klares Overstatement halte, das auch nur halb so drastisch ausgedrückt, schon richtig genug wäre.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p1">Ich weiß, was schön ist. Schön ist komfortabel, sorgenfrei und behaglich. Ein Vollbad mit Lavendel. Ein Blumenstrauß. Schön stört nicht beim Bügeln. Das ist auch der Grund, warum ich dieser paradoxen Behauptung erstmal sauertöpfisch begegne. Denn Mutterschaft stört beim Bügeln! Sie ist nicht komfortabel, sorgenfrei und behaglich. Hier drückt der Schuh, und das soll wohl auch so sein.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p1">Denn schön soll bitte schön sein und nicht hart, denn wenn es hart ist, ist es nicht schön. Das sage ich hier einfach so. Ich möchte keine Ambivalenz im Schönen. Schön bitte schön. Ich bitte darum. Wenn etwas schön, aber auch hart ist, dann ist es doch eher „ok“ &#8211; oder nicht? Und würden wir hier von einem Job sprechen, würden wir ihn wahrscheinlich bald gerne kündigen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p1">Mutterschaft ist ok und sie ist unkündbar. Und natürlich hat sie ihre schönen Seiten &#8211; so lässt es sich doch sagen. Und wahrscheinlich könnte ich das Schöne in ihr viel mehr zulassen, wenn es nicht immer gleich das Schönste sein müsste. Und wenn ich ihr die Härte zugestehen würde, die ja nicht immer gleich das Härteste sein muss.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p1">Es ist wahrscheinlich eine gute Idee, diese beiden Gefühle aus dem Gewahrsam zu befreien. Und es ist wahrscheinlich eine gute Idee, sich dieser Zwiespältigkeit jeder Zeit bewusst zu sein. Denn dann verschmelzen diese beiden Teile irgendwo dort, wo das Leben eben ganz ok ist. Und ok ist ja immer mal schön und immer mal hart.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p1">Parteilichkeit in einem so diktatorischen Thema an den Tag zu legen, ist zwar gutes Recht, aber immer für jemanden die Unwahrheit, zuletzt sogar für sich selbst. Nur schön und nur hart ist es keinesfalls. Es gibt das eine wie das andere nicht ohne seine jeweilige Opposition. Wer anderes behauptet, sagt nun einfach nur die Hälfte. Sich auf der Hälfte zwischen schön und hart zu treffen, kann also eine Lösung sein. Eine Lösung, die aber vielleicht gar keiner braucht, außer mir.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p1">Schön und hart &#8211; das ist zum Anfreunden und Davonlaufen. Da kann man drüber reden, während im Kinderzimmer Rollenspiele ausgehandelt werden. <i>Schönste</i> und <i>Härteste </i>allerdings ist kompromisslos. Wenn ich gerade davon gesprochen habe, das ohnehin kaum Vereinbare zu „ok“ zu vereinen, dann befinden wir uns nun sprachlich am äußersten Rand des Darstellbaren. Mutterschaft ist hier offenbar der Scheitelpunkt. Der Höchstwert des Schönen und Harten. Gewaltsame Worte. Hinter <i>dem Schönsten</i> ist nämlich genau gar nichts. Es ist der rhetorische Grenzstreifen. Die Erwartungen an eine Mutterschaft können mit dieser Kategorisierung nur floppen. Und <i>das Schönste</i> floppt vor allem dann, wenn wir nur nebenher Mütter sind und uns hauptsächlich damit abmühen, einem kapitalistischen System die Milch warm zu halten. <i>Dem Härtesten</i>, wage ich hier mal vorsichtig auszusprechen, nähern wir uns allerdings in diesem leistungsorientierten System schon jetzt gefährlich. Oder sind längst dort angekommen, trauen uns aber nicht, das alleine so stehen zu lassen und fügen deswegen dem mutigen <i>„Mutterschaft ist das Härteste“</i> in vorauseilendem Gehorsam <i>„und das Schönste“</i> hinzu, weil man sonst ja meinen könnte, wir verfehlten hier ganz klar unseren emotionalen Auftrag: Mit der Mutterschaft einfach glücklich zu sein. Das ist aber nur ein Gedankenspiel und bestimmt reicht es erstmal völlig aus, den Worten die Kompromisslosigkeit zu nehmen und sich auf schön und hart und/ oder ok zu einigen. Der goldenen Mitte wegen.</p>
<p class="p1">Mit etwas mehr sprachlicher Feinfühligkeit und weniger Maßlosigkeit wäre Mutterschaft ausgesprochen hart und schön. Vielleicht tue ich ihr in diesem System damit auch sehr viel Unrecht und stülpe den Wunsch nach Mittelmaß über ein, aus dem Ruder gelaufenes Rollenbild, das irgendwie zu gar nichts mehr passt. Weder zur Glückseligkeit, noch der Verzweiflung. Es ist mein Wunsch nach ein bisschen Normalität, die sich ins Leben einpasst wie ein Fuß in einen Schuh, das wäre was. Irgendwo dort, in dieser süßen Utopie, wäre Mutterschaft dann einfach nur noch Subjektivität. Und spätestens dann bräuchte sie neue Worte, um sich selbst gerecht zu werden, aber bis dahin bleiben wir dabei: Ok.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p></p>								</div>
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									<p>Svenja aka Tante Kante schrieb sich jahrelang die Mutterschaft von der Seele. Sprach in ihrem eigenen und anderen Podcasts darüber, inspirierte, kritisierte. Auch als sich die familiäre Situation änderte schrieb sie darüber. Sie bearbeitete unsere konventionellen Beziehungskonzepte und stellte Lebensentwürfe in Frage. Seit 2021 ist sie vom Vater ihrer Kinder getrennt und nahm sich erstmal Zeit für sich. „Die realistischsten Texte von getrennt Erziehenden sind die, die nicht geschrieben werden“, sagt sie. „Vor Erschöpfung. Vor Fuck.“ </p>								</div>
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					<p class="elementor-heading-title elementor-size-default">von Svenja aka Tante Kante</p>				</div>
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		<title>Alles Gute zum Muttertag – party hard.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Gastautor_in]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 13 May 2023 19:12:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[FAMILIE & GESELLSCHAFT]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Und da sitzt die Mutter an Muttertag. Morgens um sechs auf dem Autoteppich. Ein Sonntag wie jeder andere. Ein Sonntag mit einem zufriedenen und glucksenden Kleinkind und einer vollkommen übermüdeten, alleinerziehenden Mutter. Einer Mutter, die ihren Job verliert, weil sie ständige Ausfälle zu verbuchen hat. Entweder das Kind ist krank oder sie ist krank oder [&#8230;]</p>
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					<h1 class="elementor-heading-title elementor-size-default">Alles Gute zum Muttertag – party hard.</h1>				</div>
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									<p></p>
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<p class="p1">Und da sitzt die Mutter an Muttertag. <br />Morgens um sechs auf dem Autoteppich. <br />Ein Sonntag wie jeder andere. <br />Ein Sonntag mit einem zufriedenen und glucksenden Kleinkind und einer vollkommen übermüdeten, alleinerziehenden Mutter. <br /><br />Einer Mutter, die ihren Job verliert, weil sie ständige Ausfälle zu verbuchen hat. Entweder das Kind ist krank oder sie ist krank oder die Tagesmutter ist krank oder die Kinder der Tagesmutter sind krank. <br /><br />Da sitzt an Muttertag eine Mutter, die nie Existenzangst hatte, seit sie ihre akademische Laufbahn abgeschlossen hat. <br />Eine Mutter, die jetzt auf Kleinanzeigenportalen versucht, alles zu Geld zu machen, was nicht uuuuunbedingt benötigt wird. <br /><br />Eine Mutter, die in Bewerbungen bislang geschrieben hat, möglicher Arbeitsbeginn ab 01.09., da diese Mutter sich den A**** abgefreut hat, dass sie ab dem 01.08 einen Kitaplatz hat, um dann in einem persönlichen Gespräch mit der Kita zu erfahren, dass die Eingewöhnung ihres Kindes aber leider, leider – aufgrund von Personalmangel – erst ab dem 28.08 beginnen kann. <br /><br />Eine Mutter, die gerne jetzt schon wissen würde, in welcher Höhe sie ab Juli Arbeitslosengeld bezieht und ob und in welcher Höhe sich dann die Zuzahlung für die Kinderbetreuung gestaltet, was ihr aber keiner sagen kann, weil diese Mutter ja aktuell noch nicht arbeitslos ist.</p>
<p class="p1">Padauz.</p>
<p class="p1">Und da sitzt dann eine Mutter und denkt an Christian Lindner, der sinngemäß sagt, man solle doch einfach arbeiten gehen, um Kinderarmut zu verhindern. Ein Christian Lindner, der in seiner Elternzeit endlich ein Buch schreiben und angeln gehen will. Ja, Chris! Das kannste machen. Für dich ist nämlich jeder Tag Vatertag, während die Mutter im patriarchalen System halt „nur“ den einen Tag bekommt – und davon trotzdem nix hat. <br /><br />Nein, &#8222;nix&#8220; ist nicht richtig. Es gibt strahlende Kulleraugen, glucksendes Lachen und süßeste Kinderworte. Umarmungen und Liebeserklärungen. Ein Picknick mit Pfannkuchen und Marmelade im Wohnzimmer. <br />Und DAS ist das absolut Größte!!! <br /><br />Aber es macht eben nicht satt und zahlt auch keine Miete. Und das leider nicht nur nicht am Muttertag.</p>
</div>
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<p></p>								</div>
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					<p class="elementor-heading-title elementor-size-default">Von einer Gastautorin</p>				</div>
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		<title>Warum ich kein zweites Kind will – und warum es trotzdem manchmal weh tut, diesen Gedanken loszulassen</title>
		<link>https://solomuetter.de/2023/03/20/warum-ich-kein-zweites-kind-will-und-warum-es-trotzdem-manchmal-weh-tut-diesen-gedanken-loszulassen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jasmin Dickerson]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Mar 2023 16:59:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[FAMILIE & GESELLSCHAFT]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als alleinerziehende Pflegende Mutter eines schwerstbehinderten Kindes mit Pflegegrad 5 habe ich schon oft darüber nachgedacht, wie es wäre, noch ein Kind zu haben. Eine Zeit lang habe ich mir das sehr gewünscht. Besonders in der Elternzeit und der Zeit, in der ich noch geringfügig beschäftigt war. Als ich also vor  über zwei Jahren mit [&#8230;]</p>
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					<h1 class="elementor-heading-title elementor-size-default">Warum ich kein zweites Kind will – und warum es trotzdem manchmal weh tut, diesen Gedanken loszulassen</h1>				</div>
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<p class="p1">Als alleinerziehende Pflegende Mutter eines schwerstbehinderten Kindes mit Pflegegrad 5 habe ich schon oft darüber nachgedacht, wie es wäre, noch ein Kind zu haben. Eine Zeit lang habe ich mir das sehr gewünscht. Besonders in der Elternzeit und der Zeit, in der ich noch geringfügig beschäftigt war. Als ich also vor<span class="Apple-converted-space">  </span>über zwei Jahren mit meinem heutigen Freund zusammen kam, war dieser Gedanke noch allgegenwärtig. Eine schöne Vorstellung: ein Kind mit einem Partner bekommen, der fürsorglich ist, der sich Gedanken um die Zukunft macht und ähnliche Vorstellungen vom Kinder groß ziehen hat, wie ich, anders finanziell aufgestellt sein, weniger Ungewissheit und mehr Entspannung. Eine feste Arbeitsstelle haben, zu der ich nach der Elternzeit zurückkehren könnte. Kein alleiniges Mental Load mehr.</p>
<p class="p1">Vor etwa einem Jahr glaubte ich, womöglich schwanger zu sein. Auch wenn die Voraussetzungen für ein gefestigtes Familienleben nicht gegeben waren, da er gerade erst anfing mehr Umgang mit seinem Kind zu haben, es wegen der emotionalen Belastung seiner und meiner Situation oft Konflikte gab und wir kliometerweit<span class="Apple-converted-space">  </span>voneinander weg wohnen, habe ich gehofft, dass der Test positiv sein möge. Wir hätten uns beide gefreut. Als er es nicht war, war ich traurig.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p1">Ein Jahr später pinkle ich erneut auf einen Teststreifen. Wie damals bin ich relativ sicher, dass ich nicht schwanger sein kann. Wie damals will ich sicher gehen. Aber diesmal google ich Beratungsstellen und hoffe inständig auf ein negatives Ergebnis.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p1">Aus “ich hätte so gerne noch eins” ist erst &#8222;ich glaub vielleicht nicht” und mittlerweile “um Gottes Willen, ich will wirklich nicht NOCH ein Kind großziehen und meine Partnerschaft dafür opfern” geworden. Der Test ist negativ, ich bin erleichtert.</p>
<p class="p1">Was ist also passiert in diesem Jahr? Was hat meine Meinung geändert?</p>
<p class="p1">War es mein Partner, der versuchte, sich in seiner Vaterrolle und als Ex-Mann zurechtzufinden und dem ich nicht zumuten konnte, ein neues Kind willkommen zu heißen, während er beim ersten doch gerade erst eine Bindung aufbaute?</p>
<p class="p1">Oder war es der Fakt, dass ich nicht nur bereits Mutter bin, sondern eine pflegende Mutter? Dass mein Kind den höchsten Pflegegrad hat und ich so ausgelastet bin, dass ich mehr Kinder gar nicht mehr schaffen könnte? Dass meine jetzige Partnerschaft wahrscheinlich keine erneute (und für uns erstmalig gemeinsame) Elternschaft überleben würde, schon gar nicht, wenn wir in getrennten Wohnungen leben?</p>
<p class="p1">Nichts davon stimmt komplett und alles davon stimmt ein kleines bisschen. Eines aber haben all diese Annahmen gemeinsam: Sie machen weder individuell aus, was meine Entscheidung beeinflusst hat, noch gibt es einen direkten Grund. Vielmehr sind sie ein winziger Bruchteil in diesem ganzen Prozess.</p>
<p class="p1">Was noch ein Kind für mich/uns bedeuten würde, hatte ich zu dem Zeitpunkt des ersten Tests nicht bedacht. Und tatsächlich sollte dies auch in meiner Entscheidungsfindung letztendlich eine untergeordnete Rolle spielen. Zumindest anders, als die meisten glauben.</p>
<p class="p1">Die meisten Leute denken nämlich, dass ich kein weiteres Kind möchte, weil ich bereits ein <b>behindertes </b>Kind habe. Manche denken so, weil sie annehmen, dass mein Alltag zu anstrengend sei. Manche, weil sie glauben, es tut mir zu weh, ein nicht behindertes Kind auszutragen, manche, dass ich Angst vor dem Risiko habe, ein weiteres behindertes Kind zu bekommen. Natürlich ist diese Entscheidung nicht komplett freiwillig. Ich bin fast 38 Jahre alt. Wäre ich zehn Jahre jünger, würde ich anders darüber nachdenken.</p>
<p class="p1">Ich bin aber nicht zehn Jahre jünger. Und deshalb war diese Erkenntnis und diese Entscheidung auch keine, bei der ich mir sofort sicher sein konnte. Vielmehr war es eine Frage, die ich mir immer wieder stellte. Und jedesmal, wenn ich es tat, schwanden die Argumente für ein weiteres Kind. Bis es irgendwann keine mehr gab, bis auf: Ich liebe Babies und ich war gerne schwanger, außerdem könnte sich jemand um meine Tochter kümmern, wenn ich nicht mehr bin. Und das halte ich nicht für ein ausreichendes Argument im Dialog mit mir selbst.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p1">Die Vorstellung nämlich, dass dieses Baby größer würde, mit all den Bedürfnissen, die Kleinkinder mit sich bringen, den schlaflosen Nächten, dem ständig gebunden sein,</p>
<p class="p1">Keine Zeit mehr füreinander als Paar zu haben, keine Zeit mehr für mich zu haben, für wahrscheinlich die nächsten 14 Jahre oder länger hat mich sehr ernüchtert.</p>
<p class="p1">Denn ich muss meine Ressourcen schonen.</p>
<p class="p1">Das bedeutet, solange ich eine Mutter habe, die meine Tochter betreuen und übernehmen kann, nutze ich dieses Privileg. Wenn meine Mutter nicht mehr in der Lage dazu ist oder nicht mehr lebt, werde ich keine Auszeit mehr haben. Zumindest nicht in der Form. Während die Kinder von anderen erwachsen und selbstständig werden, wird meines größer und ich älter. Ich selbst lebe auch mit einer Behinderung und kenne mittlerweile meine Grenzen besser als früher. Ich weiß auch besser als früher, wie fundamental einschneidend es für jeden Aspekt meines Lebens wäre, ein weiteres Kind zu bekommen. Und so vielseitig die Emotionen, die diese Entscheidung mit sich bringt, auch sind, ich bin mir deshalb nicht weniger sicher, dass sie die richtige für mich ist.</p>
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					<p class="elementor-heading-title elementor-size-default">Von Jasmin Dickerson</p>				</div>
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		<title>Ist doch schön, dass er dich unterstützt</title>
		<link>https://solomuetter.de/2022/12/20/ist-doch-schoen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Gastautor_in]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Dec 2022 12:58:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[FAMILIE & GESELLSCHAFT]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Hey, H* muss noch ein Wichtelgeschenk für C* besorgen nächste Woche. Nur, damit du es nicht vergisst“, schrieb der Kindsvater aus dem Papawochende heraus per WhatsApp an mich. Während ich relativ schnell – nach meiner ersten Schrecksekunde von „Oh scheiße, ich hab was vergessen!“ über reflexartig empfundene Dankbarkeit „Ein Glück denkt er mit!“ – zu der [&#8230;]</p>
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					<h1 class="elementor-heading-title elementor-size-default">Ist doch schön, dass er dich unterstützt</h1>				</div>
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									<p></p>
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<div class="column">
<p class="p1"><b>„Hey, H* muss noch ein Wichtelgeschenk für C* besorgen nächste Woche. Nur, damit du es nicht vergisst“</b>, schrieb der Kindsvater aus dem Papawochende heraus per WhatsApp an mich.</p>
<p class="p1">Während ich relativ schnell – nach meiner ersten Schrecksekunde von „Oh scheiße, ich hab was vergessen!“ über reflexartig empfundene Dankbarkeit „Ein Glück denkt er mit!“ – zu der Erkenntnis komme, dass weder das eine, noch das andere angemessen ist, sehe ich den Vater meiner Kinder vor meinem inneren Auge, wie er – zufrieden mit seinem überdurchschnittlichen Engagement – einen Haken hinter das Wichtelthema macht.</p>
<p class="p1">Ich merke, wie wütend ich werde und gleichzeitig, wie sehr mich die Energie dieser Wut erschöpft und sie abflachen lässt zu einer vor sich hin gärenden Missmutigkeit und Resignation. Parallel fange ich an, nachhaltige Geschenke für 7-Jährige zwischen 5-10 Euro zu googeln.</p>
<p class="p1">Wie viele Wichtelgeschenke, Schulmaterialien, Geburtstagsgeschenke, passende Schuhe, Arzttermine und Beratungsgespräche, Impfungen, U-Untersuchungen, Verabredungen, passende saisonale Klamotten, neue Brotdosen, Sankt-Martin-Leuchtstäbe, Ferienprogrammanmeldungen, Elternsprechtage, Trainingszeiten in Sportvereinen und Schulfotografietermine habe ich bisher vergessen, dass diese Erinnerungen irgendwie nötig erscheint? Und wie unsichtbar ist diese seit 10 Jahren bestehende Verlässlichkeit offensichtlich, wenn der Vater meiner Kinder als engagiert gilt, weil er mich an eines von diesen Dingen erinnert?</p>
<p class="p1">Ich weiß, in diesem Fall fehlt der Teil, wo irgendjemand im Außen bestätigt, dass das doch eine großartige Hilfe sei. Irgendeine Freundin, Oma oder Tante, die sagt<b> „Naja, sei doch froh, dass er da auch dran denkt. Ist doch schön, dass er dich unterstützt.“ </b>Es ist Teil des Problems, dass ich mittlerweile über meine Wut in solchen Situationen nicht mehr spreche, weil ich mich dann in Diskussionen über meine vermeintliche Undankbarkeit erstmal so tief durchs Patriarchat und zurück zu dieser konkreten Situation kämpfen müsste, dass es mir dann wahrscheinlich tatsächlich passieren würde, dass ich mal kein Wichtelgeschenk bestelle. Und zack – wäre meine Fehlbarkeit bestätigt.</p>
<p class="p1">So wenig ich mir als alleinerziehende Mutter solch einen eklatanten Fehltritt leisten kann, so sehr würde er bestätigen, was für ein Glück ich mit einem Kindsvater habe, der solchen Unpässlichkeiten zuvorkommt.</p>
<p class="p1">Zugegeben ist dieses Wichtelgeschenk ein wenig aufregendes Beispiel für diese Strukturen. Aber für mehr Aufregung fehlt mir tatsächlich schlicht die Energie. Und gleichzeitig finde ich es so bezeichnend, dass sich selbst in diesen kleinen Interaktionen zwischen heteronormativ sozialisierten Elternteilen diese Muster zeigen, welche sich 1:1 auf ungefähr jede andere Situation übertragen lassen, in der es darum geht, wer die tatsächliche Verantwortung in einer per Gesetz gleichberechtigten Sorge um Kinder trägt.</p>
<p class="p1">Wer wird in die Verantwortung dafür genommen, ob diese gelingt? Wer ist Schuld, wenn es eine Situation gibt, in der es mal nicht rund läuft? Eigentlich rhetorische Frage, aber – falls dennoch unklar – natürlich die Mutter.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p1">Und wer hat jederzeit Gelegenheit, sein Engagement durch Zurufe von der unterstützenden Seitenlinie ausreichend zu bekunden und dafür beklatscht zu werden? Wer hat jederzeit Gelegenheit, durch einmalige Intervention zu beweisen, dass er durch seinen heldenhaften Einsatz zum einen die Mutter vor dem möglichen Scheitern an ihrer Rolle und gleichzeitig noch die Kinder vor einer unangenehmen Situation bewahrt? Natürlich der Vater.</p>
<p class="p1">Eigentlich kann ich die Beschreibungen solcher wirklich lächerlich kleinen Situationen selbst nicht mehr lesen, andererseits merke ich, wie sehr gerade diese kleinen, nebenher stattfindenden Momente der absoluten Ungleichheit mir meine Energie rauben.<span class="Apple-converted-space"> </span>Wie sie mich immer unsichtbarer werden lassen, indem ich ihnen nichts entgegensetze.<span class="Apple-converted-space"> </span>Wie ich für meine Kinder eine müde, genervte und angestrengte Mutter werde und das, obwohl der Papa sie doch so schön unterstützt.</p>
<p class="p1">Ich bin es so leid, ernsthaft einen Moment der Angst zu entwicklen, weil ich aufgrund eines Wichtelgeschenks als unzureichende Mutter bewertet werden könnte, während dasselbe Geschenk dem Vater derselben Kinder als Gelegenheit dient, zu glänzen.</p>
<p class="p1">Und vor allem bin ich es leid, darüber nachzudenken, ob eine solche Situation es wert ist, darüber zu schreiben, vor dem Hintergrund, dass die Summe dieser Ungleichheiten mich in einen immer weniger für mich leistbaren Kampf gegen Erschöpfung, Resignation und Mutlosigkeit drängt.</p>
<p class="p1"><b>Dieses Wichtelgeschenk zeichnet für mich sichtbarer als jedes Buch über das Patriarchat, selbiges nach. Die Herrschaft und Kontrolle der Väter darüber, ob die ihnen untergeordneten Mütter ihren Job richtig machen.<span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
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									<p><strong>Über die Autorin</strong></p>
<p>Hannah Simon ist Studentin und arbeitet als Pflegefachkraft im Sozialdienst. Sie lebt mit ihren beiden Kindern alleinerziehend im Ruhrgebiet.</p>
<p>Nachdem die drei aus ihrem Einfamilienhaus-Elfenbeinturm geklettert sind, erproben sie sich an unterschiedlichen Formen des Zusammenlebens auf wenigen Quadratmetern – und sind dabei mal mehr, mal weniger erfolgreich.</p>
<p>Wohlmerkend, wie sehr Hannahs Kinder noch am Konzept der klassischen Kleinfamilie hängen, versucht sie, Alternativen zu schaffen, um unabhängig von diesem Konzept Gemeinschaft zu (er-)leben. „Dabei spüre ich, welche Widerstände Gedanken abseits der normativen Muster bei vielen hervorrufen“, so die 36-Jährige.</p>
<p>Um sich ihre eigene Klarheit zu bewahren, schreibt Hannah Texte. „Es ist meine Art, Gedanken zu sortieren und da zu bleiben, wo ich zuvorderst mit meinen Kindern, am liebsten aber mit allen, sein möchte. In Verbundenheit und Solidarität.“</p>								</div>
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					<p class="elementor-heading-title elementor-size-default">Von Hannah Simon </p>				</div>
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		<title>Single Mom Life: Es gibt auch ein paar Vorteile!</title>
		<link>https://solomuetter.de/2022/11/21/vorteile/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jacinta Nandi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Nov 2022 12:17:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[FAMILIE & GESELLSCHAFT]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wir hören ständig – LITERALLY ständig – von den vielen Nachteilen des Alleinerziehenden-Daseins. Die Armut und die Überforderung, die Stigmatisierung und auch, natürlich, das Leiden der Kinder durch die Trennung. Bei so vielen Nachteilen ist es verständlich, dass viele Alleinerziehende die Entscheidung alleine zu erziehen, mit Erklärungen drüber rechtfertigen, wie verrückt oder gar gewalttätig ihr [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[		<div data-elementor-type="wp-post" data-elementor-id="1950" class="elementor elementor-1950" data-elementor-post-type="post">
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									<p></p>
<p class="p3"><strong>Wir hören ständig – LITERALLY ständig – von den vielen Nachteilen des Alleinerziehenden-Daseins. Die Armut und die Überforderung, die Stigmatisierung und auch, natürlich, das Leiden der Kinder durch die Trennung.</strong></p>
<p class="p3"><strong>Bei so vielen Nachteilen ist es verständlich, dass viele Alleinerziehende die Entscheidung alleine zu erziehen, mit Erklärungen drüber rechtfertigen, wie verrückt oder gar gewalttätig ihr Ex-Partner gewesen sei.<span class="Apple-converted-space"> </span></strong></p>
<p class="p3"><strong>Aber gibt es nicht auch Vorteile eine Alleinerziehende zu sein? Vielleicht sogar auch für Frauen, deren Ex-Partner sie nicht schlecht behandelt hat, aber die Beziehung aus anderen Gründen trotzdem &#8222;nicht gut genug&#8220; war?</strong></p>
<p class="p3">Unsere Autorin Jacinta Nandi hat ein paar Vorteile des Single-Mom-Lifes für euch gesammelt und aufgelistet:</p>
<ol class="ol1">
<li class="li3"><strong>Harmonie:</strong> Ein Familienleben ganz ohne Streit gibt es nicht. Gestern habe ich mich mit meinem kleinsten Sohn gestritten, weil er wütend war, dass er seine Sponge Bobs nicht gut genug gemalt hatte, und deswegen die Wohnung nicht verlassen wollte. Mit meinem ältesten Sohn habe ich mich gestritten, weil ich eine „seiner“ Bockwürste an den Bruder gegeben hatte. Aber trotz solcher Vorfälle gilt für mich: Das Leben ohne Mann und ohne Partner ist grundsätzlich friedlicher, entspannter – und ja, einfach harmonischer. Denn leider verhalten sich manche Cis-Männer fast wie Teenager, provozieren die Kinder, um dann, wenn diese ausrasten, plötzlich zu erwarten, dass sie als Autoritätsperson wahrgenommen werden – inklusive Bestrafung der Kids. Aber auch bei Männern, die emotional gesehen relativ intelligent und stabil sind, führt das Zusammenleben von zwei Erwachsenen oft zum Streit. <strong>Eine Ein-Eltern-Familie wird ebenfalls nie streitfrei sein – ist aber oft harmonischer, ruhiger, lockerer und entspannter, weil der Erwachsenenstreit wegfällt.</strong><span class="Apple-converted-space"><strong> </strong><br /><br /></span></li>
<li class="li3"><strong>Aufmerksamkeit:</strong> Wer mit seinen Kindern alleine lebt, hat oft weniger Zeit, denn es ist niemand da, der einem den Rücken freihält. Das kann anstrengend sein. <strong>Das Leben einer Single Mom hat aber den Vorteil, dass man den Kindern seine ganze Aufmerksamkeit geben kann, wenn man Zeit mit ihnen verbringt.</strong> Die Bindung zwischen Mama und dem Kind oder den Kindern kann dadurch profitieren und Nachteile, die eventuell durch die Trennung entstanden sind, ausgleichen. Ich merke, dass diese ungeteilte Aufmerksamkeit meinen Kindern unglaublich gut tut.<span class="Apple-converted-space"><br /><br /></span></li>
<li class="li3"><strong>Freiheit:</strong> Das Leben einer Alleinerziehenden bringt Freiheiten mit sich, von denen Frauen in Beziehungen nur träumen können: DU entscheidest, wo der nächste Urlaub verbracht wird. DU entscheidest, ob es heute Abend eher Pizza oder Currywurst gibt. DU entscheidest, wann Schlafenszeit ist. Und auch, ob es morgen ins Tropical Islands oder lieber an den Müggelsee geht, und ob der fünfte Geburtstag mit einer Pyjama-Party gefeiert werden sollte oder lieber nicht. <strong>Die Freiheit, alle Entscheidungen für die Familie alleine treffen zu können, fühlt sich unglaublich gut an.</strong><span class="Apple-converted-space"><strong> </strong><br /><br /></span></li>
<li class="li3"><strong>Selbstbewusstsein:</strong> Wenn du weißt, dass du alleine für dich und deine Kinder verantwortlich bist, bringt das ein Gefühl von Stolz mit sich. Und du darfst stolz sein! Du bist selbstständig, eigenverantwortlich und selbstbestimmt. Du brauchst niemanden, der dir sagt, wie du es besser machst. Es wird manchmal richtig tiefe und schlechte Momente geben – kaputte Waschmaschinen, Stromabschaltungen oder sogar fristlose Kündigungen –, bei den du dir manchmal wünschen würdest, es gäbe einen Traumprinzen, der dich rettet oder dir zumindest hilft, die neue Waschmaschine auszusuchen und nach Hause zu schleppen. <strong>Aber eigentlich weißt du, dass du keinen Traumprinzen brauchst, denn du bist deine eigene Realitätskönigin.</strong><br /><br /></li>
<li class="li3"><strong>Freundschaften:</strong> Der beste aller Vorteile des alleinerziehenden Lebens sind wahrscheinlich die Freundschaften. <strong>Ob andere alleinerziehende Frauen, deine Single-Freundinnen oder dein schwuler bester Kumpel: Eine Single Mom hat wichtige Freundschaften in ihrem Leben, denn sie hat den Platz – und auch die Notwendigkeit – dafür.</strong> Ihre Freundschaften sind tiefsinniger und bedeutungsvoller. Statt Kaffeeklatsch oder Playdates gibt es Übernachtungen und gemeinsame Reisen. Menschen mit Kind(ern) und Partner:in haben oft nur andere Paare als im Freund:innenkreis, während für alleinerziehende Mütter, &#8222;die Welt eine Auster&#8220; ist und stets offen steht – viele, viele Menschen können mit dir befreundet sein.<span class="Apple-converted-space"><br /><br /></span></li>
<li class="li3"><strong>Finanzielle Freiheit:</strong> Es stimmt, dass viele Alleinerziehende in Armut leben. Das stimmt. Leider! Aber die Wahrheit ist auch, dass nicht jede alleinerziehende Frau arm ist, und viele Frauen in Beziehungen auch nur auf dem Papier nicht arm sind. Denn was eine Alleinerziehende genießt, ist echte finanzielle Freiheit und Unabhängigkeit. Sie kann selbst dafür sorgen, dass sie genug Geld verdient – oder vielleicht sogar mehr als genug. Und es gibt niemanden, der ihr vorwerfen kann, nicht selbstständig zu sein. <strong>Es ist ein empowerndes Gefühl, selbst das Geld für Urlaub, Miete oder neue Stiefel zu verdienen und auszugeben.</strong> Und obwohl die Armut der Alleinerziehenden ein wichtiges Thema ist, sollte man vielleicht aufpassen, sich nicht zu sehr mit der Figur der armen Alleinerziehenden zu identifizieren. Denn: Obwohl es wirklich wichtig ist, Bewusstsein für diese Unfairness zu schaffen, ist es auch so, dass diese Figur manchmal zu einem Klischee werden kann. Ein stigmatisierendes Klischee, das alleinerziehende Frauen für ihre finanzielle Selbstständigkeit verurteilen, und Frauen in Beziehungen, für ihre Entscheidung, beim Partner zu bleiben, belohnen will.<br /><br /></li>
<li class="li3"><strong>Bridgerton-Zeit:</strong> Nachdem die Kinder schlafen, müssen Alleinerziehende nie Tatort gucken oder Fußball oder Dokus über Supermärkte in den 1970ern Jahren. Nachdem die Kinder schlafen, genießt man nur eine Sache: die totale Freiheit. Wenn ich persönlich totale Freiheit sage, dann meine ich tausendmal Bridgerton, Bridgerton, Bridgerton. <strong>Alleinerziehende Mütter können Bridgerton auswendig zitieren, denn wir müssen nicht eine Sekunde Tatort gucken, weil es jemand anders möchte, nicht eine Sekunde.</strong> (Eine deutsche Freundin hat mir erzählt, dass es angeblich deutsche Alleinerziehende gibt, die freiwillig Tatort gucken, aber der glaube ich kein Wort!)<br /><br /></li>
<li class="li3"><strong>Sexuelle Selbstbestimmung:</strong> Es klingt vielleicht dumm, aber <strong>in einer Paarbeziehung kann Sex zu einer Last werden, die die Frau erledigen muss. Für Single Mamas gilt dies nicht.</strong> Wir können Online-Dating ausprobieren – oder sogar, wenn wir es wollen, feministische Pornos genießen und/oder Sex-Spielzeuge erkunden. Alles kann, nichts muss. Man kann sich selbst entdecken, den eigenen Körper untersuchen und endlich seine eigene Sexualität als Bereicherung für sich selbst und nicht für einen Mann verstehen.</li>
</ol>
<p>Kennt ihr weitere Vorteile? Warum konzentrieren wir uns so sehr auf die Nachteile des Single-Mom-Lifes? Und warum ist es offenbar so schwer anzuerkennen, dass  Alleinerziehende in vielen Bereichen, das vielleicht sogar erfülltere, glücklichere Leben haben?</p>
<p></p>								</div>
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					<p class="elementor-heading-title elementor-size-default">Von Jacinta Nandi</p>				</div>
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		<title>Was ist eigentlich das Gegenstück zur Solomutter?</title>
		<link>https://solomuetter.de/2022/06/09/was-ist-eigentlich-das-gegenstueck-zur-solomutter/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Gastautor_in]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Jun 2022 11:50:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[FAMILIE & GESELLSCHAFT]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Marc Steiling ist ein Jugendfreund unserer Gründerin Sara und er verfolgt die Entwicklung unserer Plattform bereits seit der ersten Stunde. Auch Marc lebt getrennt von der Mutter seiner Zwillingstöcher im Teeniealter. Wir haben ihn gebeten, einmal seine Sicht auf SOLOMÜTTER zu werfen. So viel sei verraten: Marc ist ein Fan von Mediationen und er appelliert [&#8230;]</p>
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									<p></p>
<p><strong>Marc Steiling ist ein Jugendfreund unserer Gründerin Sara und er verfolgt die Entwicklung unserer Plattform bereits seit der ersten Stunde. Auch Marc lebt getrennt von der Mutter seiner Zwillingstöcher im Teeniealter. </strong><strong>Wir haben ihn gebeten, einmal seine Sicht auf SOLOMÜTTER zu werfen. So viel sei verraten: Marc ist ein Fan von Mediationen und er appelliert daran, das eigene Ego ein wenig runterzufahren.</strong></p>
<p>Ich bin ein Mann. 48 Jahre alt. Vollzeit berufstätig. Vater von zwei Kindern im Alter von 12 Jahren und lebe seit mehr als vier Jahren von der Mutter meiner Kinder getrennt. Geschieden sind wir noch nicht, aber dazu später mehr.</p>
<p>Unsere Trennung verlief vermutlich ähnlich wie viele andere, also nicht gerade entspannt und mit allem Pipapo: Streit, Wut, Enttäuschung, gekränktes Ego, gegenseitige Schuldzuweisungen, Ignoranz, Paartherapie, Auszug aus der gemeinsamen Wohnung – großes Drama eben.</p>
<p>Aber wir hatten auch eine Sache richtig gemacht: Wir entschlossen uns, eine Trennungs-Mediation in Anspruch zu nehmen. Denn eins war uns bei all der Scheiße wichtig: Die Kinder sollten so wenig wie möglich davon abbekommen. Wenigstens da waren wir uns einig. Und uns war auch klar, dass wir das alleine nicht hinbekommen würden.</p>
<p>Wer sich jetzt fragt, warum die Mediation, wenn man eh schon in der Paartherapie ist, dann ist das zwar berechtigt, aber für uns war die Paartherapie logischerweise mit der Trennung abgeschlossen. Und wir benötigten einen anderen Modus mit einer neutralen Person, die den emotionalen Ballast erstmal nicht kennen musste. Die Mediation verlief trotzdem alles andere als einfach. Denn selbst da begannen die alten Streitereien teilweise wieder von vorn. Nach der Trennung und meinem Auszug waren wir zwar räumlich auf Abstand, aber nicht emotional, denn die Paartherapie hatte zwar den Erfolg, dass wir uns trennten, aber nicht dazu geführt, dass wir unsere Beziehungsprobleme im Griff hatten. Am Ende brauchten wir circa sechs Sitzungen von jeweils einer Stunde Länge, um die grundlegenden Dinge zu besprechen und schriftlich zu regeln. Das lief so: Zuerst kamen alle Fakten rund um Finanzen, Wohnsituation, Kinderbetreuung und Familiensituation auf den Tisch. Dann durfte jeder seine Vorstellungen und Wünsche darlegen. Egal, ob realistisch oder nicht. Man braucht Verhandlungsmasse. In Schritt zwei traten wir nämlich in eine moderierte Verhandlung ein und hier zeigten sich die Skills einer guten Mediatorin oder eines guten Mediators (unsere war Anwältin für Familienrecht) – weil höchste Eskalationsstufe, die sensibel moderiert werden muss. Die Verhandlung war bei uns ein zähes Ringen um jeden noch so kleinen Punkt auf der angefertigten Liste und wurde am Ende für beide Seiten zu einem als Vertrag schriftlich festgehaltenen Kompromiss, der sich nicht durchweg gut anfühlte. Aber es ging schließlich nicht ums Gewinnen oder Verlieren, sondern immer nur um eine nachhaltige und faire Lösung, mit der beide leben konnten und von der die Kinder so unbelastet wie möglich blieben. Spätere Änderungen nicht ausgeschlossen, aber nur im gegenseitigen Einvernehmen. Auf die Details unserer Mediation möchte ich nicht weiter eingehen, aber so viel dazu: Die meisten Absprachen haben immer noch Bestand.</p>
<p>Wichtig zu wissen ist aber an dieser Stelle, dass wir das alle-zwei-Wochenenden-Kinder-beim-Vater-Modell haben. Das finde ich nicht toll, denn ich liebe meine Kinder sehr und es ist für mich nicht einfach, dass sie nicht jeden Tag bei mir sind. Aber das ist auch der Grund, warum ich diesen Artikel für Solomütter schreibe. Die Umstände müssen ganzheitlich betrachtet werden und nicht nur die eigene Sicht auf die Dinge.</p>
<p>Die Mutter meiner Kinder gilt nach unserer Regelung vor dem Gesetz als alleinerziehend, also als Solomutter. Die Auswirkungen auf das Elternsein sind vielfältig und noch vielfältiger für die Solomutter mit weniger gut bezahlten Teilzeitjob wie in unserem Fall. Vor allem beim Thema Geld. Ich muss gestehen, dass subjektiv betrachtet der Unterhalt, den ich zahlen muss, hoch ist, aber objektiv ist das System einfach unfair. Denn liebe Männer, ihr seid mitverantwortlich und müsst euch kümmern und zahlen, aber seid doch mal ehrlich: Ihr habt bei dem 80/20-Modell sehr viel mehr Freiheiten, könnt mehr arbeiten und somit gegebenenfalls deutlich mehr Geld verdienen. Der Alltag mit den Kindern und damit einhergehenden Kosten bleiben weitestgehend an der Mutter hängen. Und die kann im Zweifel nicht Vollzeit arbeiten, hat also finanzielle Einbußen, weniger Rente später und ist auf den Unterhalt angewiesen. Und mit angewiesen meine ich überlebenswichtig.</p>
<p>Die Möglichkeiten weiterer Förderungen durch den Staat sind erstens oft kompliziert und aufwendig, zweitens möchte davon vermutlich niemand abhängig zu sein. Und drittens darf das auch eigentlich nicht so sein, dass Alleinerziehende nicht alleine über die Runden kommen und ihnen das Leben unnötig schwer gemacht wird – sei es durch verantwortungslose Ex-Partner noch durch Behörden. Politisch läuft da so viel falsch, da möchte ich nicht näher drauf eingehen. Dafür gibt es ja zum Glück Initiativen wie Solomütter, die die Aufmerksamkeit auf die vielen Schwachstellen lenken und den Alleinerziehenden eine Stimme geben.</p>
<p>Aber warum schreibe ich als Mann für Solomütter?</p>
<p>Sicher nicht, um irgendetwas zu relativieren. Ganz im Gegenteil. Ich möchte von meinen ganz individuellen Erfahrungen als Ex-Mann einer Solomutter berichten und vielleicht die Ex-Partner, die sich winden, ein wenig motivieren, nicht nur an sich zu denken. Denn die Situation ist meist für die eine Seite schwieriger als für die andere. Und statistisch gesehen am häufigsten für die Mütter.</p>
<p>Ein 50/50 Modell oder gar mehr Betreuungszeit bei mir würde für uns beide so viel finanzielle Verluste bedeuten, dass es gar nicht funktionieren könnte. Und das hat leider viel mit einer veralteten Denke auf verschiedenen Eben zu tun, die sich dringend ändern muss. Aber weil das leider so ist, sollte man sich rechtzeitig klar machen, wie für beide Elternteile die Zeit nach einer Trennung aussieht. Wenn das nicht klappt, macht eine Mediation. Klar, das Ego muss runtergefahren werden, aber es ist am Ende für alle Beteiligten das Beste.</p>
<p>Heute können wir uns beide in die Augen schauen, friedlich Absprachen treffen, Familienfeste feiern und sogar die Scheidung gemeinsam in die Wege leiten, ohne teure Anwälte und neue Eskalationen.</p>
<p>Funfact: Auch dafür haben wir jetzt, vier Jahre später, wieder unsere Trennungs-Mediatorin engagiert.</p>
<p></p>								</div>
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					<p class="elementor-heading-title elementor-size-default">Von Marc Steiling</p>				</div>
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		<title>Divorce Barbie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jacinta Nandi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 Apr 2022 07:08:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[FAMILIE & GESELLSCHAFT]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kennt ihr Jacinta Nandi? Die Londonerin lebt seit rund 20 Jahren in Berlin, ist Autorin, Comedian – und alleinerziehend. Jacinta ist von Berufs wegen Expertin für gut erzählte Witze, gegen schlechte hat sie allerdings etwas einzuwenden! &#8222;Hey, weißt du, welche Barbie die meisten Sachen hat?&#8220;, fragt mich mein Kumpel Jens. Ich merke gar nicht, dass [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://solomuetter.de/2022/04/14/divorce-barbie/">Divorce Barbie</a> appeared first on <a href="https://solomuetter.de">SOLOMÜTTER</a>.</p>
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					<h1 class="elementor-heading-title elementor-size-default">Divorce Barbie</h1>				</div>
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									<p></p>
<p class="p1"><strong>Kennt ihr Jacinta Nandi? Die Londonerin lebt seit rund 20 Jahren in Berlin, ist Autorin, Comedian – und alleinerziehend. </strong><strong>Jacinta ist von Berufs wegen Expertin für gut erzählte Witze, gegen schlechte hat sie allerdings etwas einzuwenden!</strong></p>
<p class="p1">&#8222;Hey, weißt du, welche Barbie die meisten Sachen hat?&#8220;, fragt mich mein Kumpel Jens. Ich merke gar nicht, dass er mir einen Witz erzählen will, und gucke ihn verständnislos an.</p>
<p class="p2">&#8222;Was?&#8220;, sage ich.</p>
<p class="p2">&#8222;Welche Barbie hat die meisten Sachen?&#8220;</p>
<p class="p2">&#8222;Was für Sachen?&#8220;, frage ich.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p2">&#8222;So, Accessoires&#8220;, sagt er.</p>
<p class="p2">&#8222;Oh&#8220;, sage ich. Ich überlege. &#8222;Ski-Barbie?&#8220;, frage ich. &#8222;Sie hat voll viel Zeug, oder?&#8220;</p>
<p class="p2">&#8222;Jacinta, du machst Witze so schwer! Was ist los mit dir? Du sollst sagen: Ich weiß nicht, welche Barbie die meisten Sachen hat.&#8220;</p>
<p class="p2">Ich seufze. &#8222;Okay&#8220;, sage ich. &#8222;Jens, welche Barbie hat die meisten Sachen?&#8220;</p>
<p class="p2">&#8222;Divorce Barbie!&#8220;, sagt er triumphierend. &#8222;Denn sie hat Kens Haus, Kens Auto, Kens Flatscreen, Kens Designermöbel….&#8220;</p>
<p class="p2">Jetzt gucke ich ihn verständnisloser denn je an: &#8222;WOVON REDEST DU?&#8220;, rufe ich.</p>
<p class="p2">Jens schaut verwirrt. &#8222;Also nach der Scheidung&#8220;, erklärt er. &#8222;After the divorce. Barbie kriegt alle Sachen von Ken. Verstehst du?&#8220;</p>
<p class="p2">&#8222;Nein&#8220;, sage ich, wütend. &#8222;Ich verstehe den Witz nicht. So gar nicht. Vielleicht bin ich zu dumm dafür?&#8220;</p>
<p class="p2">Die Wissenschaftlerin und Professorin Anne Lenze hat in 2014, 2016 und 2021 ganz klar festgestellt: Alleinerziehende sind überproportional von Armut betroffen. In ihrer Studie für die Bertelsmann Stiftung, fand Lenze heraus, dass 43 Prozent aller Ein-Eltern-Familien in Deutschland offiziell<span class="Apple-converted-space">  </span>einkommensarm sind. Vergleiche diese Statistik mit der von Paar-Familien: Bei Zwei-Eltern-Familien mit einem Kind sind es 9 Prozent und bei zwei Kindern 11 Prozent!</p>
<p class="p2">Hier sieht man ganz deutlich, dass es eine sehr eindeutige Verbindung zwischen Armut und alleinerziehendem Status gibt. Also ganz anders verurteilenden Klischees oder Fantasien über faule und nutzlose alleinerziehende Mütter suggerieren. Mütter in Deutschland, die keinen Partner haben, sind in den meisten Fällen erwerbstätig – allerdings können sie mit ihrem Lohn trotzdem mit ihrem Einkommen das Existenzminimum für sich und ihre Kinder viel zu oft nicht sichern.</p>
<p class="p2">88 Prozent der alleinerziehende Familien in Deutschland sind Frauen und 34 Prozent der alleinerziehenden Familien leben von Hartz-IV. Das sind fünfmal mehr als Paar-Familien. <span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p2">&#8222;Also nach der Scheidung kriegt sie alle seine Sachen&#8220;, erklärt mir Jens.</p>
<p class="p2">&#8222;Lass mich verstehen&#8220;, sage ich. Ich bin hart, ich bin bitter, ich bin wütend. &#8222;Du denkst, ernsthaft, dass das Problem in Deutschland – nee, viel mehr auf der Erde – sei, dass es alleinerziehenden Frauen zu gut gehe? Dass sie zu reich seien? Dass sie irgendwie profitiert hätten aus der Scheidung?&#8220;</p>
<p class="p2">Jens guckt ein bisschen beschämt zum Boden. Fast habe ich Mitleid mit ihm – fast!<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p2">&#8222;Es geht nicht um Deutschland&#8220;, sagt er. &#8222;Es geht um Amerika. Es ist nur ein Witz, Jacinta.&#8220;</p>
<p class="p2">Ja, denke ich, es ist NUR ein Witz. Deswegen sagt man, dass Feministinnen keinen Humor haben, oder?<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p></p>								</div>
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					<p class="elementor-heading-title elementor-size-default">Von Jacinta Nandi</p>				</div>
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