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	<title>BÜCHER Archives | SOLOMÜTTER</title>
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	<description>Das digitale Zuhause für Single Moms.</description>
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		<title>Wenn Papa Mama wird</title>
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		<dc:creator><![CDATA[AdminSolo]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Feb 2025 15:50:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[BÜCHER]]></category>
		<category><![CDATA[GEFÜHLE & PSYCHE]]></category>
		<category><![CDATA[PSYCHOLOGIE]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In seinem neuen Roman erzählt Tankred Lerch die berührend komische Geschichte eines alleinerziehenden Vaters, dem es schwer fällt zu erkennen, dass er, obwohl männlich, die klassische Mutterrolle einnimmt. Er bedient sich in seiner Geschichte aus seinem eigenen Erfahrungsschatz, ohne autobiografisch zu sein. In der folgenden Kolumne hat Tankred uns in seine Recherchewelt mitgenommen und gibt [&#8230;]</p>
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									<div title="Page 1"><p class="p1"><strong>In seinem neuen Roman erzählt Tankred Lerch die berührend komische Geschichte eines alleinerziehenden Vaters, dem es schwer fällt zu erkennen, dass er, obwohl männlich, die klassische Mutterrolle einnimmt. </strong><strong>Er bedient sich in seiner Geschichte aus seinem eigenen Erfahrungsschatz, ohne autobiografisch zu sein. In der folgenden Kolumne hat Tankred uns in seine Recherchewelt mitgenommen und gibt einen ersten Einblick in seine Erfahrung als &#8222;Mama&#8220;.</strong></p><p class="p1">Zeit meines Arbeitslebens (hauptsächlich in den Medien) habe ich immer lieber mit Frauen zusammengearbeitet, als mit Männern. Weniger Testosteron. Dissense werden sachlicher geklärt, helfende Hände schneller gereicht, es geht um die Arbeit und weniger um das Ego. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, aber es sind dann eben auch Ausnahmen und nicht die Regel.<span class="Apple-converted-space"> </span></p><p class="p1">Wenn ich nicht irgendwas schreibe, arbeite ich gerne im Laden einer Freundin und verkaufe „ethical fashion for women &amp; men“. Letzte Woche kam vormittags ein junges Paar mit einem nicht ganz einjährigen Kind (Tony). Während die Mutter Tony davon abgehalten hat, den gesamten WINTERSALE vom Tisch abzuräumen, ihn bespielt und gefüttert hat, hat der junge Vater sich neu eingekleidet. „Er macht jetzt Elternzeit. Jetzt kann er endlich mal in Ruhe shoppen gehen“, hat sie mit einem die Überforderung überspielendem Lächeln gesagt. Ich habe dann doch fragen müssen, ob das denn der Sinn seiner Elternzeit wäre? Sich neu einzukleiden? „Ach, er arbeitet doch sonst so viel und es ist ja auch nur ein Monat.“</p><p class="p1">In Ermangelung an babygerechten Spielsachen, haben wir dann gemeinsam mit Tony die neu eingetroffenen T-Shirts sortiert, während der Herr des Hauses neben der Anprobe per Handy seine Kollegen fernmündlich an seiner Elternzeit teilhaben liess. „Nee, gar nicht. Man entwickelt eine ganz enge Bindung zum Kind, aber nächste Woche komme ich ja schon mal wieder für zwei Tage rein.“ Der Mutter war ganz deutlich anzusehen, dass diese Information auch für sie neu war.</p><p class="p1">Für die Recherche zu <a href="https://www.penguin.de/buecher/tankred-lerch-hope-oder-wenn-papa-mama-wird/taschenbuch/9783453442849">„Hope &#8211; oder wenn Papa Mama wird“</a> habe ich viel Zeit auf Spielplätzen verbracht und Gespräche geführt und belauscht. Hauptsächlich – und wir bewegen uns da in einem Rahmen von ca. 90 % – mit und von Müttern. Die Väter sind manchmal zum Abholen gekommen. Hauptsächlich – und hier bewegen wir uns in einem Rahmen von ca. 70 % – weil sie mehr verdienen als ihre Frauen oder Lebenspartner:innen. Mehr als die Hälfte der Frauen, die ich auf den Spielplätzen kennengelernt habe, lebt in Scheidung oder trennt sich gerade vom Erzeuger des Kindes. Aus unterschiedlichen Gründen, oft geht es um Gewalt. Nur in einem Fall (von mindestens einem Dutzend) funktionierte das bis dato ohne finanzielle Repressalien, die oft von nach Streitwert honorierten Rechtsanwält:innen befeuert wurden. Interessanterweise bestand bei der juristenden Spezies (zumindest bei meinen Recherchen) eine Parität der Geschlechter. Was aber letztendlich nichts daran ändert, dass die hauptsächliche Verantwortung für die Tagesabläufe der Kinder größtenteils in Frauenhänden liegt.<span class="Apple-converted-space"> </span></p><p class="p1">Sind Frauen erkältet, erledigen sie was zu erledigen ist und setzen sich dann danach mit einer Wärmflasche aufs Sofa. Bei meinem Geschlecht artet es im gleichen Fall schnell zur gefährlichen Männergrippe aus, einhergehend mit absoluter Handlungsunfähigkeit.<span class="Apple-converted-space"> </span></p><p class="p1"><a href="https://www.penguin.de/buecher/tankred-lerch-hope-oder-wenn-papa-mama-wird/taschenbuch/9783453442849">„Hope – oder wenn Papa Mama wird“</a> ist eine Komödie. Das Hauptziel ist es, Leser:innen zu unterhalten. Und ich hoffe, dass es gerade den Leserinnen (absichtlich nicht gegendert) Freude macht, dem Struggle eines alleinerziehenden Vaters zu folgen. Ein Struggle, der de facto genau dem der alleinerziehenden Mutter entspricht, aber eben auf „Männerebene“ gelöst wird.<span class="Apple-converted-space"> </span></p><p class="p1">Als Autor hat man die Aufgabe, seine Figuren möglichst in die Hölle zu schicken und sie dann wieder rauszuholen. Bei diesem Roman ist mir das deutlich schwerer gefallen als bei anderen Büchern oder Drehbüchern, weil viele der geschilderten Erfahrungen autobiografisch sind. Streng genommen war ich kein richtig alleinerziehender Vater. Die Mutter meiner Tochter und ich waren aber schon kein Liebespaar mehr, als ihr klar wurde, dass sie schwanger war. Auch wenn wir beide recht jung waren (oder vielleicht gerade deswegen), hatten wir – im Gegensatz zu unseren Eltern – kaum Bedenken, den Versuch zu wagen, ein Kind in einer unkonventionellen Familiensituation, in zwei Wohnungen, in zwei Leben, großzuziehen. Die Mutter musste ausbildungsbedingt viel unterwegs sein und sich kinderunfreundlichen Arbeitszeiten beugen. Weil ich beruflich schon etwas solider war und einen ziemlich freundlichen Arbeitgeber hatte, der nichts dagegen hatte, wenn ich vormittags ein Kleinkind mit ins Büro brachte, fiel mir in den ersten zwei Jahren die Hauptbetreuung zu. Wenn ich mir Bilder aus der Säuglings- und Kleinkindzeit meiner Tochter anschaue, neige ich dazu zu glorifizieren und merke, wie ich die Momente der Überforderung verdrängt habe. Die Viertelstunden, die ich mich einfach mal kurz im Bad eingeschlossen habe, um alleine zu sein. Einfach mal in ein Handtuch zu schreien oder leise zu weinen. Um danach wieder rauszugehen und das Kind liebzuhaben wie sonst nichts auf der Welt. In den ersten zwei Jahren ihres Lebens hat sich für mich viel geändert. Eigentlich alles. Keine Partys, keine Clubs, keine Kneipen, kein Kino, keine Dates. Tinder gab es noch nicht. Wenn doch mal was ging, dann nur mit Babysitter. Die Großeltern konnte man nicht mal schnell einspannen, weil sie 500 km entfernt lebten. Dort, wo eigentlich auch mein Zuhause war. Ich habe meine Tochter überallhin mitgenommen, wo es ging. Und fast immer habe ich das sehr gerne getan und die Zeit genossen. Klar gab es Babysitter. Aber die kosten erstens Geld und: Will man sein kleines Kind jemandem anvertrauen, den man nicht wirklich gut kennt? Wenn ich nicht nette Kolleg:innen und Nachbar:innen gehabt hätte, von denen sich immer wieder mal jemand angeboten hat, auf das Kind aufzupassen, wäre ich nach Büroschluss schon ziemlich sozial verarmt. Und Netflix gab es auch noch nicht. Ich bin in dieser Zeit immer wieder darauf gestoßen, wie ungewöhnlich es für meine Mitmenschen gewesen ist, mich in einer Mutterrolle agieren zu sehen. Als ich begonnen habe, dieses Buch zu schreiben, habe ich gedacht, dass sich das längst geändert hätte. Doch egal, wo ich mich zu Recherchezwecken herumgetrieben habe, ob auf Spielplätzen, in Kitas oder Warteräumen von Arztpraxen – ich war fast überall von Müttern umgeben. Und wenn ich mich mit ihnen unterhalten habe, hatten alle vor der Geburt ihrer Kinder den Plan, dass beide Elternteile danach zu gleichen Teilen arbeiten gehen. Weil sich die Gesellschaft aber gedanklich schneller entwickelt hat, als Legislative und Verwaltungen mitgekommen sind, leben wir noch immer in einer Welt, in der ein Kitaplatz so schwer zu bekommen ist wie einst Bananen in der DDR. Eine Welt, in der Frauen viel öfter die Erziehungsaufgabe übernehmen, einfach weil die Männer mehr verdienen. Die Geschichte mit der Geburt können wir ihnen nicht abnehmen. Alles andere aber schon. Wir müssen nur dafür einstehen, dass Gerechtigkeit geschaffen wird. Wir müssen dafür einstehen, dass Frauen für gleichwertige Arbeit nicht schlechter bezahlt werden als Männer, dass die Gemeinschaft dafür sorgt, dass Arbeitgebern keine Nachteile daraus entstehen, wenn sie Frauen in gebärfähigem Alter einstellen, und wir müssen den Männern immer wieder erklären, dass Kindererziehung ihrer Männlichkeit keinen Abbruch tut. Denn das tut es nicht. Gar nicht.<span class="Apple-converted-space"> </span></p><p class="p1">Ich schwöre!</p></div><p><!-- /wp:list --></p>								</div>
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									<p><strong>Wer schreibt?</strong></p><p class="p1"><strong>Tankred Lerch</strong> wurde 1970 in Lübeck geboren, ist in Hamburg zur Schule gegangen, hat in Kiel Jura studiert und bei Radio Schleswig-Holstein volontiert. Seit 1997 lebt er in Köln, arbeitet als Autor, Headautor und Executive Producer oder als CEO und Head of Development für Film &amp; Fernsehen (u.a. „extra 3“, „Stromberg“, „tv total“, „Krömer Late Night Show“, „andere Eltern“ und „LOL“,<span class="Apple-converted-space">  </span>lehrt seit 2013 als freier Dozent, hauptsächlich im Fach Medientechnik, Formatentwicklung, creative writing und audiovisuelle Dramaturgie an der FH St.Pölten. Mit Kurt Krömer bereiste er zweimal Aghanistan und schrieb mit ihm das Buch „Ein Ausflug nach wohin eigentlich keiner will“, das 2013 zum Bestseller wurde. Seitdem schreibt er Lehrbücher, Sachbücher u.a. „Erstma´ machen“ die Ralf Moeller Biografie, Romane „Die Hochzeit meines besten Freundes (mit mir)“, „Hope, oder wenn Papa Mama wird“, Short Stories („Warum, Silke, warum“) und weiterhin jede Menge Drehbücher.</p><p><a href="http://www.tanked.com">www.tanked.com</a></p>								</div>
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<b>Roman</b><br><br>
Ausgabe: Taschenbuch<br>
Broschur, 480 Seiten<br>
Erscheinungsdatum: 12.03.2025 <br>
ISBN: 978-3-453-44284-9
<br><br>Eine kurze Affäre mit der Unternehmerin Leonie hat für Nick ungeahnte Folgen: Er wird Vater – oder eher Mutter, denn Leonie will auf gar keinen Fall in diese Rolle schlüpfen. Sie überlässt die kleine Hope seiner Obhut. Nick stürzt sich mit nie gekannter Leidenschaft und großer Liebe in seine neue Aufgabe. Doch er hat weder mit den Widerständen gerechnet, die einem Mann in der klassischen Mutterrolle begegnen, noch mit den anderen Eltern, die ihn trotz aller lautstarken Gleichberechtigungsbekenntnisse auf dem Spielplatz misstrauisch beäugen und derer geheimnisvollen Spielplatzhierarchie und hitzigen Diskussionen um Gemüsekisten er nur schwer folgen kann. Und schon gar nicht hat er mit den Schwierigkeiten gerechnet, einen Kitaplatz zu finden und nebenbei erwerbstätig sein zu müssen. Um seine Finanzen auszugleichen, legt Nick sich zwei Untermieter zu. Die schließen zwar sofort Hope ins Herz, haben ansonsten aber einen eher zweifelhaften Leumund. Was dazu führt, dass Nick eine panische Angst vor einer Kontrolle des Jugendamts entwickelt ... <br>
</p></div></div>				</div>
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					<p class="elementor-heading-title elementor-size-default">Von Tankred Lerch</p>				</div>
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		<title>Interview mit Ruth Herzberg</title>
		<link>https://solomuetter.de/2023/09/27/interview-mit-ruth-herzberg/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sara Buschmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 Sep 2023 11:36:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[BÜCHER]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die aktuelle Situation ist die Fortsetzung von Ruth Herzbergs erfolgreichem Roman Wie man mit einem Mann unglücklich wird. Beim Lesen des Bandes habe ich gelacht, geweint, mich (fremd-)geschämt – und mich wiedererkannt. Ruths autofiktionaler Roman beschreibt die Struggles einer alleinerziehenden Mutter mitten im Corona-Berlin – einer Mutter, die zwischen Sehnsucht nach einem Mann und dem [&#8230;]</p>
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					<h1 class="elementor-heading-title elementor-size-default">Interview mit Ruth Herzberg</h1>				</div>
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									<p></p>
<div class="">
<p class="wp-block-paragraph"><strong><a href="https://mikrotext.de/book/ruth-herzberg-die-aktuelle-situation-roman/" target="_blank" rel="noopener">Die aktuelle Situation</a> ist die Fortsetzung von Ruth Herzbergs erfolgreichem Roman <a href="https://mikrotext.de/book/ruth-herzberg-wie-man-mit-einem-mann-ungluecklich-wird-roman/" target="_blank" rel="noopener">Wie man mit einem Mann unglücklich wird</a>.</strong><b> Beim Lesen des Bandes habe ich gelacht, geweint, mich (fremd-)geschämt – und mich wiedererkannt. Ruths autofiktionaler Roman beschreibt die Struggles einer alleinerziehenden Mutter mitten im Corona-Berlin – einer Mutter, die zwischen Sehnsucht nach einem Mann und dem Bedürfnis nach Autonomie ebenso changiert wie zwischen der Liebe zu ihren Kindern und dem Bedürfnis nach einem Leben abseits der täglichen Mutterpflichten. </b></p>
<p><b>Ruth, I feel you – und ich habe ein paar Fragen:</b></p>
<p><b>Liebe Ruth, dein Buch ist schwer zu beschreiben, der Klappentext, der beschreibt, dass es die Lesenden an den Rand des „Nervenzusammenbruchs“ treibe, passt aber meiner Meinung nach recht gut. Du nimmst uns mit in den Alltag einer alleinerziehenden Mutter in Berlin – zu Lockdown-Zeiten. Ist <a href="https://mikrotext.de/book/ruth-herzberg-die-aktuelle-situation-roman/" target="_blank" rel="noopener">Die aktuelle Situation</a> autobiografisch?</b></p>
<p class="p1">Ja. <a href="https://mikrotext.de/book/ruth-herzberg-die-aktuelle-situation-roman/" target="_blank" rel="noopener">Die aktuelle Situation</a> handelt strikt und ausschließlich von mir. Ich habe mich und meine Lebenswirklichkeit als Material benutzt. Aber als Schriftstellerin will ich keine Informationen weitergeben oder wissenschaftliche Fakten vermitteln, sondern in erster Linie Geschichten erzählen. Die Leser*innen emotional berühren und dabei auch noch (hoffentlich) gut unterhalten.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p1">Die Ich-Erzählerin in <a href="https://mikrotext.de/book/ruth-herzberg-die-aktuelle-situation-roman/" target="_blank" rel="noopener">Die aktuelle Situation</a> hat ein Eigenleben entwickelt und sie lebt auch nicht in Berlin, sondern in einer Fiktion. Und in der Fiktion kann man etwas über mich oder über sich und unsere Welt wiedererkennen. Ich hoffe jedenfalls, dass mir das gelungen ist.</p>
<p class="p1">“Ich erzähle Geschichten, also lüge ich”, sagte Ingmar Bergman.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p1">“Ich bin Madame Bovary&#8220;, sagte Flaubert.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><b>Ich habe selbst lange in Berlin gelebt und viele deiner Erlebnisse erinnern mich an mein Jahrzehnt in der Hauptstadt. Mir war nur nicht klar, dass dieses intensive Erleben auch mit Kindern weitergeht. Wie schafft deine Protagonistin den Spagat zwischen alleinerziehender Mutterschaft, Berliner Boheme, sexuellen Eskapaden und Männern, die alles nur noch schlimmer machen?</b></p>
<p class="p1">Die Spagate, es sind ja mehrere Sphären, in denen sie leben will, macht sie der Spagate wegen. Weil sie all ihre Anteile leben muss, um sich vollständig zu fühlen. Die Mütterlichen, die Intellektuellen, die Sexuellen. Wie sie das macht, steht im Buch.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p1"><b>Was war die besondere Herausforderung in Corona-Zeiten?</b></p>
<p class="p1">Während der Pandemie fielen wegen der Maßnahmen die Zerstreuungsmöglichkeiten weg, die bei Problemen normalerweise für kurzfristige Entlastung sorgen. Man hatte wegen der Abstandsregeln und Ausgangssperren wenig Spielraum, sich von belastenden Situationen zu befreien. Die Krise war Dauerzustand.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p1">Das Alltagsleben verödete, um so mehr war dann im Innenleben los. Da erblühten dann allseits die Neurosen. Im Buch steht an einer Stelle: “Ich habe im Lockdown die gleichen Probleme wie früher und jetzt aber nur noch die.”</p>
<p><b>Auf einigen Seiten bekommt man den Eindruck, die Protagonistin wünscht sich nichts sehnlicher als Normalität, dann folgt aber wieder dieser No-risk-no-fun-Habitus. Also, Normalität oder Chaos? Oder doch einfach Schlafen?</b></p>
<p class="p2">Alles!<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p2">Immer wenn man sagt: “Mir reicht&#8217;s mit dem Wasser, ich will ab jetzt nur noch Ebbe haben&#8230;&#8220;, kommt garantiert die Flut und wenn man sich an das viel zu viele Wasser gewöhnt hat und richtig schön am Planschen ist, dann sitzt man bald wieder auf dem Trockenen. Da ist es von Vorteil, wenn man flexibel auf die Umstände reagieren kann. Dazu gehört manchmal auch, sich ihnen ergeben zu müssen. So ist das Leben.</p>
<p class="p2">Deswegen heißt mein Roman ja auch: <a href="https://mikrotext.de/book/ruth-herzberg-die-aktuelle-situation-roman/" target="_blank" rel="noopener">Die aktuelle Situation</a> und nicht: “Der ewige Dauerzustand”.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p1"><b>In einem &#8222;Reality Check&#8220; vergleichst du „die Armee der Gebundenen“ mit der &#8222;One-Woman-Show“ und sagst „Wenn der Ehering fest sitzt, darf das Make-up gerne mal etwas dezenter ausfallen.“ Kannst du das weiter ausführen? Sind eigentlich wir Single Moms demnach die lässigeren Frauen?</b></p>
<p class="p1">An dieser Stelle besucht die Ich-Erzählerin eine Elternversammlung und ist danach mit ihrem Lover in spe verabredet. Das heißt, sie hat sich in Schale geworfen und platzt fast vor Vorfreude. Sie fühlt sich wild und frei, sexy, lebendig und jung. Die Elternpaare auf der Versammlung, kommen ihr vergleichsweise alt und ergraut vor.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p1">Andererseits wird ihr klar, dass ihr Auftritt mit Make-Up und High-Heels auch was Verzweifeltes an sich hat. Weil sie damit zeigt, dass sie unbedingt einem Mann gefallen will.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p1">Wohingegen die anderen Mütter das nicht nötig zu haben scheinen. Die haben sich nicht zurechtgemacht und haben trotzdem jemanden an ihrer Seite. So gesehen, ist es schwer zu sagen, wer lässiger ist.</p>
<p><b>Vielleicht sollten alle mehr miteinander sprechen und sich zuhören?</b></p>
<p class="p1">In einem Kapitel von <a href="https://mikrotext.de/book/ruth-herzberg-die-aktuelle-situation-roman/" target="_blank" rel="noopener">Die aktuelle Situation</a> stellt die Ich-Erzählerin fest, dass das mit dem einander Zuhören in unserer Gesellschaft ein echtes Problem ist. Die Menschen wollen oder können das nicht. Stattdessen unterbrechen sie einander, fühlen sich rasch angegriffen, bedroht oder gelangweilt, wenn man sie bittet, einen anzuhören. Kommunikation dient zu oft der Selbstdarstellung oder wird zum Machtspiel umgedeutet. Aber es gibt Hoffnung. Zuhören ist eine Technik, die man erlernen kann. David Servan-Schreiber stellt sie in seinem sehr lesenswerten Buch: “Die neue Medizin der Emotionen” vor. Er nennt es “Mit dem Herzen zuhören” und beschreibt, wie man Traumatisierten und Menschen in Not schon in kurzer Zeit signifikant helfen kann, durch aufmerksames Zuhören und die richtigen Nachfragen. Wer mehr wissen möchte, gebe “Emotionale Kommunikation” in die Suchmaschine ein.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><b>Aber selbst, falls – wie so oft im Single-Mom-Alltag – mal wieder niemand zuhört, warum ist das Leben trotzdem „schön“?</b></p>
<p class="p1">Falls eine Produktionsfirma bitte endlich auf die sehr naheliegende Idee kommen sollte, aus der “Aktuellen Situation” Kinofilm oder gar eine Serie entwickeln zu wollen, muss der Song “Im Zweifel für den Zweifel” von Tocotronic in den Soundtrack. Das Leben ist schön, wenn man sich lebendig fühlt. Das Lied erklärt ganz gut, wie das geht.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><strong>Danke, Ruth, für diese Einblicke und deine Offenheit. Es tröstet mich zu wissen, dass das Leben anderer Alleinerziehender ähnlich chaotisch ist wie meins – und eben trotzdem &#8222;schön&#8220;. </strong></p>
<p><strong>In ihrem Buch verrät Ruth übrigens auch noch, dass ihr Bett die &#8222;Schaltzentrale&#8220; ist, von der aus sie sich Hilfe organisiert, wenn gar nichts mehr geht und gewährt Einblicke in einen Alltag, in dem auch mal das Geld knapp ist. </strong></p>
<p><strong>Traut ihr euch zurück in den Lockdown? Mit Ruths Buch <a href="https://mikrotext.de/book/ruth-herzberg-die-aktuelle-situation-roman/" target="_blank" rel="noopener">Die aktuelle Situation</a> wird&#8217;s zumindest nicht langweilig – versprochen!</strong></p>
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									<p><strong>Über die Autorin</strong></p>
<p>Ruth Herzberg wurde 1975 in Ost-Berlin geboren. Nach einem Drehbuch-Studium an der Filmhochschule Konrad Wolf in Babelsberg widmet sie sich hauptberuflich dem Schreiben von Prosa. 2014 erschien <a href="https://mikrotext.de/book/ruth-herzberg-wie-man-mit-einem-mann-gluecklich-wird-beobachtungen/" target="_blank" rel="noopener">Wie man mit einem Mann glücklich</a> wird, eine Sammlung ihrer Kurztexte. 2021 kam ihr Romandebüt <a href="https://mikrotext.de/book/ruth-herzberg-wie-man-mit-einem-mann-ungluecklich-wird-roman/" target="_blank" rel="noopener">Wie man mit einem Mann unglücklich</a> wird heraus, von dem auch eine Hörfassung produziert wurde. Sie lebt und schreibt in Berlin-Prenzlauer Berg. <a href="https://mikrotext.de/book/ruth-herzberg-die-aktuelle-situation-roman/" target="_blank" rel="noopener">Die aktuelle Situation</a> ist die Fortsetzung ihres erfolgreichen Debüts.</p>								</div>
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					<div class="elementor-image-box-wrapper"><figure class="elementor-image-box-img"><a href="https://mikrotext.de/book/ruth-herzberg-die-aktuelle-situation-roman/" tabindex="-1"><img loading="lazy" decoding="async" width="400" height="600" src="https://solomuetter.de/wp-content/uploads/2023/07/SOLOMUETTER_cover-herzberg.webp" class="attachment-full size-full wp-image-6094" alt="" srcset="https://solomuetter.de/wp-content/uploads/2023/07/SOLOMUETTER_cover-herzberg.webp 400w, https://solomuetter.de/wp-content/uploads/2023/07/SOLOMUETTER_cover-herzberg-200x300.webp 200w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a></figure><div class="elementor-image-box-content"><h3 class="elementor-image-box-title"><a href="https://mikrotext.de/book/ruth-herzberg-die-aktuelle-situation-roman/">Die aktuelle Situation</a></h3><p class="elementor-image-box-description"><b>Ruth Herzberg</b><br>
248 Seiten, Taschenbuch<br>ISBN 978-3-948631-22-2<br>EUR 20,00 [D]<br><br>

<b>Die aktuelle Situation</b> ist die Fortsetzung von Ruth Herzbergs erfolgreichem Roman <b>Wie man mit einem Mann unglücklich wird</b>, inklusive Einkäufen mit Handschuhen, steigenden Bitcoin-Kursen, geschlossenen Grenzen, Begegnungen mit selbsternannten Gurus, Home Schooling-Erleuchtungen, Neuen Normalitäten, Permanent Vacation Feelings, Spirit Animals als letzter Rettung – und immer wieder zu viel Liebe und zu wenig Sex oder umgekehrt. <br><br>



</p></div></div>				</div>
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					<p class="elementor-heading-title elementor-size-default">Von Sara Buschmann</p>				</div>
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		<title>Anti-Girlboss – Interview mit Nadia Shehadeh</title>
		<link>https://solomuetter.de/2023/08/08/anti-girlboss-nadia-shehade/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sara Buschmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Aug 2023 04:31:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[BÜCHER]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Lebensziel &#8222;Girlboss&#8220;? Frauen wird heute oft vermittelt, dass sie alles haben können: Kinder, eine erfüllte Beziehung, eine erfolgreiche Karriere, einen perfekt trainierten Körper und aufregende Hobbys. Instagram &#38; Co. verstärken diesen &#8222;You-can-have-it-all&#8220;-Eindruck. Dieses Narrativ hat jedoch auch eine toxische Seite. Es verlangt von uns, immer mehr zu leisten, anstatt die strukturellen Ungerechtigkeiten des Systems in [&#8230;]</p>
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									<p></p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lebensziel &#8222;Girlboss&#8220;? Frauen wird heute oft vermittelt, dass sie alles haben können: Kinder, eine erfüllte Beziehung, eine erfolgreiche Karriere, einen perfekt trainierten Körper und aufregende Hobbys. Instagram &amp; Co. verstärken diesen &#8222;You-can-have-it-all&#8220;-Eindruck. Dieses Narrativ hat jedoch auch eine toxische Seite. Es verlangt von uns, immer mehr zu leisten, anstatt die strukturellen Ungerechtigkeiten des Systems in Frage zu stellen.</strong></p>
<p><strong>Die Autorin Nadia Shehadeh hat ein Manifest gegen dieses &#8222;Höher, Schneller, Weiter&#8220; verfasst. </strong><strong>Ihr Buch <a href="https://www.ullstein.de/werke/anti-girlboss/hardcover/9783550202209">&#8222;Anti-Girlboss&#8220;</a> ist ein Plädoyer für den Müßiggang, für Prokrastination und Losertum. Kann man das so sagen, liebe Nadia?</strong></p>
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<p>Ich würde sagen: Unter anderem! Wobei ich nicht sagen will, dass damit allein das Gegenstück zum Girlboss-Mindset kreiert wird. Ich bin absolut für das Ausruhen, das Nickerchen zwischendurch und fürs faul sein – aber ich will auch nicht die Idee befeuern, dass nur Girlbosse fleißig sind und alle anderen nicht. Das stimmt nämlich auch nicht, und damit würde ich ja den Girlboss-Ideen, dass Erfolg, Karriere und ein gutes Auskommen eine rein individuelle Entscheidung ist, zustimmen. Es gibt so viele, die unfassbar hart arbeiten, und trotzdem keinen sorglosen Girlboss-Lifestyle haben – schon gar nicht finanziell. Gerade auch alleinerziehende Frauen! Und die Arbeit hört ja nicht dort auf, wo man ein Leben ohne ominöse „Karriere“ führt. Schlecht bezahlte Arbeiten, die anstrengend sind, Care-Arbeit und Mental-Load und dazu noch die Versuchung, ständig noch an sich selbst zu arbeiten, lauern ja trotzdem überall.</p>
<p><strong>Ich lese eigentlich immer, dass mit harter Arbeit und dem richtigen Mindset „alles möglich“ sei. Muss man solche Chancen dann nicht auch ergreifen oder siehst du das anders?</strong></p>
<p>Damit ist ja gemeint, dass das gute und sorglose Leben, in dem man finanziell abgesichert ist, einen guten und spannenden und angenehmen und vielleicht sogar gesundheitserhaltenden Job hat, für jede_n erreichbar ist, wenn man nur genug dafür tun will – und dass alle gleichermaßen Zugang zu der Chance, das zu erreichen, haben. Wir haben aber in unserer Gesellschaft immer noch keine Chancengleichheit – das sagt die Empirie sehr genau. Dennoch wird allen eingetrichert, dass individueller Ehrgeiz der Schlüssel zum Glück ist, und gesellschaftliche Ungleichheitsstrukturen sehr einfach überwunden werden können – wenn man sich nur genug anstrengt. Und das ist natürlich ein Mythos, der auf perfide Art vortäuscht, dass eigentlich alle dieselben Möglichkeiten haben – mit dem Ergebnis, dass zu immer mehr bezahlter und unbezahlter Arbeit angetrieben, Armut de-thematisiert und fehlende Teilhabemöglichkeit als individuelles Verschulden begriffen wird.</p>
<p><strong>Dein im Buch enthülltes, persönliches Lebensmott0 finde ich super spannend: Keine Kinder und keine Karriere. Woher kommt dieser Wunsch?</strong></p>
<p>Ich glaube dieses Motto entspringt weniger meinen persönlichen Wünschen, sondern es ist auch die Summe biographischer Entwicklungen, von denen ich einige beeinflussen konnte und einige nicht. Gegen Kinder habe ich mich irgendwann bewusst entschieden, weil ich in meinem Leben schon sehr oft und auch schon sehr jung diverse Mutterrollen ausgeführt habe – und mich immer schon gefragt habe, was für Powerkräfte Menschen haben müssen, die tatsächlich Kinder in diese Welt setzen. Als ich das Buch geschrieben habe, habe ich sehr viel über Mütter nachgedacht: Schließlich ist es ja schon frech, dass ich, die ich ja erwiesenermaßen allein aufgrund meiner Kinderlosigkeit sehr viel Zeit habe, mit meinem Plädoyer, dass das chillige Leben eigentlich widerständig ist, um die Ecke komme. Umso mehr freut es mich, dass viele sich trotzdem abgeholt fühlen von meiner Botschaft. Und ich glaube, das liegt auch daran, dass viele sich damit identifizieren können, dass vieles im Leben – und eben auch das berufliche Dasein – nicht nur an unsere individuellen Wünsche gekoppelt ist, sondern an das, was machbar ist.</p>
<p><strong>Deine Eltern haben sich scheiden lassen, als du und deine Geschwister schon „aus dem gröbsten raus“ gewesen seid. Die Weichen Richtung Scheidung waren aber früh gestellt. Woran machst du das fest?</strong></p>
<p>Ich glaube das ist etwas, was man als Scheidungskind in Retrospektive generell im Nachhinein dann doch immer schon lange erkannt haben will. Wenn ich aber ehrlich bin, dann habe ich lange Zeit immer gedacht, dass meine Eltern gegen alle Widrigkeiten für immer zusammenbleiben werden – eben weil sie auch sehr fest am klassischen Kleinfamilienidyll festgehalten und das auch sehr bewusst vorgelebt haben. Gleichzeitig aber waren meine Eltern auch die ersten, von denen ich gelernt habe, wie hart und anstrengend es ist, ein sorgloses Familienleben zu ermöglichen. Dadurch, dass wir eine Großfamilie waren, mussten sie natürlich noch mehr entbehren – und selbst oft zurückstecken. Und ich glaube, schon da wurde mein Misstrauen gegenüber kleinfamiliären Idealen genährt: Klar, eine große Familie ist schon was tolles, aber diejenigen, die die Verantwortung für die ganze Unternehmung haben, haben nicht immer eine tolle Zeit.</p>
<p><strong>Wie alt warst du bei der Scheidung deiner Eltern? Und welche Bedeutung hat es für dich, ein Scheidungskind zu sein?</strong></p>
<p>Ich war 27, als sich meine Eltern getrennt haben, also kann man schon sagen, dass ich jetzt nicht das klassische Scheidungskind bin – eher eine „Scheidungserwachsene“. Da stand ich selbst vor einer Scheidung und hatte vor allem sehr viel Verständnis dafür, dass meine Eltern diesen Schritt vornahmen. Mich hat vielmehr – auch durch meine eigene Scheidung – der ganze bürokratische Nachgang geprägt. Die Erkenntnis, dass die Gesetze, die es in Deutschland gibt, eben nicht fair sind. Ich bin jetzt in einem Alter, wo auch in meinem eigenen Umfeld die Scheidungs- und Trennungswelle um sich greift. Und wenn ich mir viele Geschichten anhöre, dann habe ich das Gefühl, dass das System gewährleistet, dass vor allem Männer nach einer Trennung oft nochmal fresh durchstarten können – und Frauen zusehen müssen, wie sie klarkommen. Insbesondere dann, wenn Kinder im Spiel sind oder es darum geht, die Care-Arbeitsleistung von Frauen während einer Ehe, die ja oft zulasten beruflicher Aktivitäten geht, zu bewerten. Ungerechtigkeit im Patriarchat hört ja nach einer Trennung nicht auf, sondern haut oft auch noch mehr rein.</p>
<p><strong>Kommen wir mal zu Nadia und den Beziehungen. Diese Kapitel habe ich geliebt, weil ich ständig sagen wollte „genauso war es bei mir auch“. Du schreibst: „Nicht alle Beziehungen waren ein Plusgeschäft.“ Woran lag’s?</strong></p>
<p>Lustigerweise sagen das viele Frauen, und ich glaube, das liegt daran, dass ich ja gewisse Muster beschreibe, die anscheinend weit verbreitet sind. Ich glaube mittlerweile, dass eine Beziehung zu führen, ein Lifestyle ist – und ein aufwändiger noch dazu, gerade wenn es um Hetero-Beziehungen geht. Und ja, das hört sich super-unromantisch an, aber man sollte auch Hetero-Romantik immer wieder kritisch unter die Lupe nehmen. Und da hilft es oft, auch bei sich selbst anzufangen. Man bandelt als Hetero-Frau mit Profiteuren des Patriarchats an, und das bleibt oft natürlich nicht folgenlos.</p>
<p><strong>Wenn man schon kein Girlboss wird, ist es dann nicht vielleicht erstrebenswert zu heiraten und ein Familienboss zu werden?</strong></p>
<p>Da bin ich auch aus eigener Erfahrung mittlerweile pragmatisch: Wenn jemand vor dieser Entscheidung steht, lohnt es, die romantische Brille abzunehmen, und sich die verfügbaren Parameter zum Gelingen des Unternehmens anzuschauen. Und dann: Do the math!</p>
<p><strong>Warum ist dieses Girlboss-Ding eigentlich auch ein Genderthema? Können Frauen nicht mittlerweile ebenso viel erreichen wie Männer?</strong></p>
<p>Girlboss an sich ist ja schon ein sehr sexistischer Begriff – niemand würde jemals von einem „Boyboss“ sprechen oder Männer zu Karrieren antreiben, damit sie sich „nicht in Abhängigkeiten verstricken“. Die Idee, dass es Girlbosse geben muss oder kann, geht ja auch einher mit der Realität, dass es einen Status Quo gibt.</p>
<p><strong>Und kommen wir über dieses Thema, also das Patriarchat, auch irgendwie zum Kapitalismus?</strong></p>
<p>Auf jeden Fall. Kapitalismus und Patriarchat geben sich ja prima die Klinke in die Hand. Auf die Arbeitsleistung von Frauen, und insbesondere auch der unbezahlten, muss ja immer zugegriffen werden, damit das System läuft.</p>
<p><strong>Kannst du uns dazu auch etwas aus deinem soziologischen Blickwinkel erzählen? In was für einer Gesellschaft leben wir? Und was bedeutet das für Menschen, mit denen du in deinem Berufsleben in der Erwachsenenbildung zu tun hast?</strong></p>
<p>Darüber kann man ganze Bücher schreiben, aber kurz gesagt würde ich es so zusammenfassen: Das System ist so aufgebaut, dass es einige wenige Gewinner_innen gibt, die davon profitieren, dass andere eben möglichst nicht auf der Gewinnerseite landen. Und dazu gehört auch, dass natürlich nicht nur Frauen, sondern auch andere wie zum Beispiel migrantisierte Menschen, Menschen mit Behinderung, (chronisch) erkrankte Menschen, alte Menschen, Menschen mit Care-Verantwortung und viele andere eben nicht nur aufgrund individueller Entscheidungen da sind, wo sie sind – sondern das System Plätze zuweist.</p>
<p><strong>Das hört sich nicht alles schön und vor allem auch nicht wirklich fair an. Wie starten wir eine Revolution? Gesellschaftlich und privat?</strong></p>
<p>Das ist ja die große Frage des Lebens, die ich tatsächlich nicht beantworten kann – man müsste das Patriarchat und den Kapitalismus und sämtliche *ismen beseitigen. Ich wollte aber auch kein feministisches Buch schreiben, dass nur runterzieht und nichts Machbares anbietet – obschon das natürlich etwas sehr soziologisches ist, einfach nur den Ist-Zustand zu beschreiben und dann, tschüss! Deswegen rate ich dazu, sich jeden Tag zu fragen, wie man so oft es geht unbrauchbar für den Kapitalismus und das Patriarchat sein kann. Und wenn es das Extra-Nickerchen zwischendurch ist, dann: Go for it!</p>
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<p><strong>Das ist eine gute Idee. Ich lege mich jetzt erstmal eine Runde auf die Couch und ignoriere meine To-Do-Liste. Danke, Nadia!</strong></p>
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					<div class="elementor-image-box-wrapper"><figure class="elementor-image-box-img"><a href="https://www.ullstein.de/werke/anti-girlboss/hardcover/9783550202209" tabindex="-1"><img loading="lazy" decoding="async" width="613" height="1000" src="https://solomuetter.de/wp-content/uploads/2023/07/SOLOMUETTER_Cover_Anti_Girlboss.jpg" class="attachment-full size-full wp-image-6013" alt="" srcset="https://solomuetter.de/wp-content/uploads/2023/07/SOLOMUETTER_Cover_Anti_Girlboss.jpg 613w, https://solomuetter.de/wp-content/uploads/2023/07/SOLOMUETTER_Cover_Anti_Girlboss-184x300.jpg 184w" sizes="(max-width: 613px) 100vw, 613px" /></a></figure><div class="elementor-image-box-content"><h3 class="elementor-image-box-title"><a href="https://www.ullstein.de/werke/anti-girlboss/hardcover/9783550202209">Anti-Girlboss</a></h3><p class="elementor-image-box-description"><b>Den Kapitalismus vom Sofa aus bekämpfen<br>Nadia Shehadeh</b><br><br>
224 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag<br>ISBN: 9783550202209<br>EUR 17,99 [D] · EUR 18,50 [A]<br><br>

»Work hard, party hard!« »Leistung zahlt sich aus!« Solche hohlen Phrasen kann Nadia Shehadeh nicht mehr hören. Was, wenn der Führungsjob mit Verantwortung keinen Spaß macht, Papier sortieren am Kopierer aber schon? Was, wenn man kein Leben auf der Überholspur führen möchte, sondern lieber auf der Couch liegt und auf »productivity« pfeift? Und was, wenn das von vielen gelobte Leistungsprinzip eigentlich nur eine Mär ist, die Statusunterschiede nicht erklären kann und Menschen unglücklich macht? <br><br>



Vor allem Frauen wird eingetrichtert, dass sie sich mit individuellem Ehrgeiz aus gesellschaftlichen Ungerechtigkeitsstrukturen befreien könnten. Das ist kollektiver Selbstbetrug, der uns auf perfide Art Chancengleichheit vortäuscht und zu immer mehr bezahlter und unbezahlter Arbeit antreibt, findet Nadia Shehadeh. Statt ein stressiges Leben auf der Überholspur befürwortet sie das Leben als Anti-Girlboss: Ambition spielt darin keine Hauptrolle mehr und das Durchschnittliche wird nicht verachtet, sondern begrüßt. Sie plädiert dafür, sich eine Komfortzone zu bewahren, die davor schützt, für Anforderungen von außen auszubrennen. <br><br>

Wenn wir erkennen, dass es nicht so wichtig ist, alles zu haben, alles zu können und immer am Limit zu arbeiten, lebt sich das Leben nicht nur leichter, sondern auch glücklicher. </p></div></div>				</div>
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					<p class="elementor-heading-title elementor-size-default">Von Sara Buschmann</p>				</div>
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		<title>Interview mit Frauke Angel zum Kinderbuch &#8222;Vorsicht, frisch geschieden!&#8220;</title>
		<link>https://solomuetter.de/2023/06/26/interview-mit-frauke-angel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sara Buschmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 Jun 2023 14:02:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[BÜCHER]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn sich Eltern scheiden lassen, kommen bei den Kids viele Fragen auf: Warum trennt ihr euch? Bei wem werden wir wohnen? Sehen wir den anderen nie wieder? Oder gibt es noch Hoffnung, dass wir wieder eine Familie werden? Wie feiern wir Weihnachten?   In ihrem Buch &#8222;Vorsicht, frisch geschieden!&#8220; erzählt Autorin Frauke Angel die Geschichten [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[		<div data-elementor-type="wp-post" data-elementor-id="5821" class="elementor elementor-5821" data-elementor-post-type="post">
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					<h1 class="elementor-heading-title elementor-size-default">Interview mit Frauke Angel zum Kinderbuch &#8222;Vorsicht, frisch geschieden!&#8220;</h1>				</div>
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									<p></p>
<div class=""><strong>Wenn sich Eltern scheiden lassen, kommen bei den Kids viele Fragen auf: Warum trennt ihr euch? Bei wem werden wir wohnen? Sehen wir den anderen nie wieder? Oder gibt es noch Hoffnung, dass wir wieder eine Familie werden? Wie feiern wir Weihnachten?</strong></div>
<div> </div>
<div class=""><strong>In ihrem Buch <a href="https://www.klett-kinderbuch.de/buecher/details/vorsicht-frisch-geschieden.html" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Vorsicht, frisch geschieden!&#8220;</a> erzählt Autorin Frauke Angel die Geschichten betroffener Kinder und lässt diese auch selbst zu Wort kommen. Zusätzlich gibt es Erklärungen, Tipps und Informationen für kleine Menschen ab neun – und für ihre Eltern. Wir haben mit Frauke über ihr Survival-Buch gesprochen.</strong></div>
<div> </div>
<div class=""><strong>Frauke, &#8222;Vorsicht, frisch geschieden!&#8220; scheint dich gefunden zu haben. Wie kam es zu dem Auftrag und warum bist gerade du die perfekte Autorin für dieses Buch?</strong></div>
<div> </div>
<div class="">Tatsächlich ist das Buch meine erste Auftragsarbeit, d.h. ich wurde von Monika Osberghaus, der Verlegerin des Klett Kinderbuchverlags in Leipzig, gefragt, ob ich mir vorstellen kann, über dieses Thema zu schreiben. Und ich konnte. Denn wie ich im Buch auch schreibe, bin ich selbst zweifaches Scheidungskind. Das geht, wenn ein Elternteil – bei mir die Mutter – zweimal heiratet, und sich zweimal scheiden lässt. Das Ganze ist zwar schon ein paar Jahre her, machte die Sache für mich aber beinahe noch spannender. Denn auch im deutschen Scheidungsrecht hat sich zwischen den beiden Ehen meiner Mutter einiges getan. Wenn auch noch lange nicht genug.</div>
<div> </div>
<div class=""><strong>Dein Buch richtet sich ja an Mitglieder eines bestimmten Clubs, kannst du mal bitte erzählen, welcher Club das ist und wie man da reinkommt?<span class="Apple-converted-space"> </span></strong></div>
<div class="">
<p class="p1 wp-block-paragraph">Im Buch kommen die Kinder aus dem „Club der geschiedenen Leute“ zu Wort. Wobei sich das geschieden nicht nur auf den Bund der Ehe bezieht. „Wir sind geschiedene Leute“ sagt man ja auch, wenn man unter eine Verbindung einen Schlussstrich zieht. In unserem Club sind also alle Kinder willkommen, deren Eltern getrennte Wege gehen, ob die verheiratet waren oder nicht.</p>
<p class="p1"><strong>In &#8222;Vorsicht, frisch geschieden!&#8220;<span class="s1"> </span>kommen auch richtig viele Kinder zu Wort. Wie hast du die begeistern können mitzumischen?</strong></p>
<p class="p1">Als Vorlesekünstlerin bin ich mit meinen Büchern sehr häufig an Schulen unterwegs. Dabei komme ich mit den Kindern ins Gespräch. Teilweise geht es dabei sehr intim zu, ich schreibe ja nun mal keine Fantasy, sondern bin mit all meinen Stoffen ganz nahe am Leben. Dadurch entstehen manchmal enge Verbindungen zu einzelnen Schulen oder Klassen, die ich regelmäßig oder immer wieder besuche. In diesem Fall habe ich ganz bewusst vertraute Klassen aufgesucht und von meinem Vorhaben erzählt. Im zweiten Durchgang habe ich dann einzelne Kinder angesprochen und gefragt, ob sie Lust haben, bei diesem Buch mitzumachen. Das hatten sie. Und zwei weitere Kinder, im Buch nenne ich sie Karl und Ava, sind von sich aus und für mich überraschend dazugekommen. Wobei Ava, der ich das Schlusswort im Buch überlasse, ihren Finger tief in meine ganz persönliche Wunde gelegt hat. Das tat ein bisschen weh, war aber nur konsequent.</p>
<p class="p1">Ich wollte ja unbedingt echte Kinder zu Wort kommen lassen, anstatt fiktiven Charakteren Worte in den Mund zu legen, die aus meinem Erwachsenenhirn stammen. Meine Verlegerin fand das gut. Und auch meine Lektorin ist da mitgegangen. Natürlich mussten wir kürzen. Aber eben nichts beschönigen. Fanny beispielsweise hat bestimmt 40 Mal das Wort KACKE zu Protokoll gegeben. 36 Kackhaufen haben wir entsorgt. Trotzdem bleibt das, was sie echt kacke an der Trennung ihrer Eltern fand, kacke und nicht geht so.</p>
<p class="p3"><strong>Sollen Kinder denn eigentlich über die Trennung ihrer Eltern reden oder ist das nicht eher eine private Familienangelegenheit, die andere Menschen nichts angeht?</strong></p>
<p class="p1">Kinder DÜRFEN reden. Und SIE dürfen entscheiden, mit wem sie darüber reden wollen. Erfahrungsgemäß tut es ihnen gut, mit anderen darüber zu reden, nur sehr selten sind das die eigenen Eltern. Sorry Leute, aber isso. Eine der ersten überraschenden Erkenntnisse war: Viele Trennungskinder laufen tatsächlich noch mit der Beklemmung herum, nicht mehr „normal“ zu sein, nicht mehr „dazuzugehören“, wenn ihre Eltern das Vater-Mutter-Kind-Konstrukt verlassen. Dabei sind diese Kinder längst keine Minderheit mehr, wie sie es z.B. in meiner Kindheit noch waren. Im Gegenteil. Im Schnitt sind ein Drittel der Kinder pro Klasse Trennungskinder. Neulich besuchte ich eine Klasse, da waren es fast 100%. Nur wussten die das gar nicht. Denn nur wenige redeten offen darüber. Das Tabu, der Makel hält sich also immer noch hartnäckig. Und es liegt in der Hand der Erwachsenen und der Politik, das zu ändern. Das traditionelle Familienbild endlich aufzubrechen und zu erweitern. Familie ist schützenswert, das suggeriert uns schon die Steuerpolitik. Aber wtf ist denn Familie? Vater, Mutter, Kind? Kann ja wohl nicht (mehr) wahr sein.</p>
<p class="p3"><strong>Richtig cool fanden wir beim Testlesen, dass du dich an alle Themen rangetraut und sie ziemlich direkt und ehrlich beschrieben hast. So geht es zum Beispiel auch um Gewalt in Partnerschaften oder um Eltern, die ihre Kinder einfach im Stich lassen und sich nie wieder bei ihnen melden. Ein Papa aus deinem Buch hat die Familie verlassen, um mit einem Mann zusammenzuleben. Findest du, dass Kinder ab neun, denn an die richtet sich ja dein Buch, solche Themen schon wissen sollten?</strong></p>
<p class="p1">Ja, das finde ich. Ich hab mir diese Themen ja nicht ausgedacht. Sie sind da. Und sie sind statistisch relevant und belegt. Und die Kinder, unsere Kinder, erzählen davon. Oft denken Eltern(teile) wirklich, ihr Kinder würden nicht mitschneiden, was daheim abgeht. Aber auch da: Sorry Leute. Das stimmt nicht! Eure Kinder kriegen so viel mehr mit, als ihr denkt.</p>
<p class="p1">Ein paar ganz krasse Schilderungen haben den Weg ins Buch nicht gefunden, da sie selbst mir zu heftig und verstörend für die Altersklasse schienen. ABER auch diese Dinge sind ja trotzdem passiert, auch diese Worte haben die Kinder trotzdem gehört. Und Schönreden kann nicht die Lösung sein. Denn das gibt den Kindern ja noch viel mehr das Gefühl, falsch zu sein, falsch zu fühlen. Natürlich ist es so, dass die Paar-Beziehung nicht mit der Eltern-Kind-Beziehung verwechselt werden darf. Ich schreibe im Buch: Die eine kann enden, die andere nie, denn Eltern bleiben Eltern. Und doch: Es gibt auch sie, die Eltern(teile), die sich nach einer Trennung nie wieder bei ihren Kindern blicken lassen. Aber auch das liegt aber nicht in der Hand der Kinder. Und das sollen die wissen.</p>
<p class="p3"><strong>Auch super, du erklärst im &#8222;Vorsicht, frisch geschieden!&#8220;<span class="s1"> </span>ganz viele Begriffe und Abläufe, die während einer Scheidung auf die Kinder zukommen. Warum so im Detail und wozu ist das wichtig?</strong></p>
<p class="p1">Weil Kinder ein Recht auf Information haben. Weil sie wissen sollten, was genau ihre Rechte und was genau die Pflichten ihrer Eltern sind. Und weil sie wissen sollten, dass und wo sie sich Hilfe holen können. <span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p3"><strong>Und erzähle doch bitte mal von der Top-10-Liste der Trennungsgründe.</strong></p>
<p class="p1">Das reicht von Auseinanderleben über Fremdgehen, häusliche Gewalt über (psychische) Krankheiten bis hin zu Herkunft und Religion. Meistens kommen sogar mehrere Gründe zusammen. Nur: Kinder kommen als Grund nicht vor. Und das muss ihnen klar werden. Sie sind nicht Schuld an der Trennung ihrer Eltern. Dazu kommt, dass die Trennungszeit für die Kinder zwar oft hart ist. Aber danach geht es in den allermeisten Fällen bergauf. Keines der Kinder aus dem Club der geschiedenen Leute war später der Meinung, dass es für sie besser gelaufen wäre, wenn die Eltern zusammengeblieben wären. Für das Buch habe ich ja auch mit zig Therapeut*innen und Anwält*innen gesprochen. Mir ist nur ein einziger Fall zu Ohren gekommen, wo die Eltern nach der Scheidung wieder zusammengekommen sind. Das Bemerkenswerte daran ist: Auch hier waren mitnichten die Kinder der Grund.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p3"><strong>Du bist ja selbst auch im Club der geschiedenen Leute — sogar mit zwei Eintrittskarten. Warum und wie ging bzw. geht es dir ganz persönlich damit?</strong></p>
<p class="p1">Ich bin sowohl Scheidungskind als inzwischen auch selbst Solomutter. Die Scheidungen meiner Mutter waren beide Male emotionale wie finanzielle Katastrophen, auch für uns Kinder. Und davor wollte ich meine eigenen Kinder unbedingt bewahren. Tatsächlich funktioniert das in einer Gesellschaft, in der Mann und Frau immer noch nicht gleichgestellt sind, nur bedingt. Aber was wir im Privaten schon jetzt tun können: Gemeinsam Verantwortung für unsere Kinder übernehmen. Denn wie heißt es: Liebe ist das einzige, das sich vermehrt, wenn man es teilt. Und unsere Kinder brauchen Liebe. Das meine ich allerdings nicht romantisierend. Das ist eine Aufforderung.</p>
<p class="p3"><strong>Wobei kann dein Buch helfen?</strong></p>
<p class="p1">Beim Verarbeiten, beim Trösten, beim Neuanfang.</p>
<p class="p3"><strong>Gibt es eine wichtige Kernbotschaft, die du auf diesem Wege schon einmal vorab allen Kindern mitgeben möchtest?</strong></p>
<p class="p1">Mehrere: Du bist nicht allein. Du bist nicht Schuld. Du kannst die Trennung deiner Eltern nicht verhindern oder rückgängig machen. Und was danach kommt, ist in der Regel besser als das davor.</p>
<p class="p3"><strong>Und was sollten die Eltern beachten?</strong></p>
<p class="p1">Lügt eure Kinder nicht an. Erzählt ihnen, warum es zur Trennung kam, damit sie eure Entscheidung nachvollziehen können. Denn die habt ihr häufig überlegter getroffen, als den Entschluss zur Heirat. Nehmt ihnen also die „Hoffnung“, dass es ein Zurück gibt. Nur so können eure Kinder einen echten Neuanfang starten. Und bei dem bleibt an ihrer Seite. Die Trennung entbindet euch nicht von eurer Verantwortung.</p>
<p class="p3"><strong>Und welchen Hinweis hast du an Haustiere?</strong></p>
<p class="p1">Probiert das Wechselmodell!</p>
<p class="p3"><strong>Kann man das Buch auch verschenken? An Scheidungskinder zum Beispiel? Oder ist das pietätlos?</strong></p>
<p class="p1">Unbedingt kann man das Buch verschenken! An Trennungskinder und an Trennungseltern. Dafür haben wir es geschrieben.</p>
<p><strong>Frauke, ganz lieben Dank für das großartige Buch. Wir finden es super und empfehlen allen Menschen, die Trennungskinder kennen, ihnen &#8222;Vorsicht, frisch geschieden!&#8220; zu kaufen. Denn genauso wie bei uns Großen, ist es auch für Kinder total hilfreich zu wissen, dass sie nicht alleine sind. </strong></p>
<p><strong>Der Club der geschiedenen Leute wuchs 2021 zum Beispiel um rund 280.000 Erwachsene und mindestens 120.000 minderjährige Kinder – und das sind nur die Trennungen der Paare, die vorher verheiratet waren. Viele, viele unverheiratete Eltern trennen sich ja auch noch zusätzlich. Dafür muss sich niemand schämen.</strong></p>
</div>
<p></p>								</div>
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					<div class="elementor-image-box-wrapper"><figure class="elementor-image-box-img"><a href="https://www.klett-kinderbuch.de/buecher/details/vorsicht-frisch-geschieden.html" tabindex="-1"><img loading="lazy" decoding="async" width="1100" height="1591" src="https://solomuetter.de/wp-content/uploads/2023/06/Vorsicht-frisch-geschieden_3D_cover-web_RGB.jpeg" class="attachment-full size-full wp-image-5831" alt="" srcset="https://solomuetter.de/wp-content/uploads/2023/06/Vorsicht-frisch-geschieden_3D_cover-web_RGB.jpeg 1100w, https://solomuetter.de/wp-content/uploads/2023/06/Vorsicht-frisch-geschieden_3D_cover-web_RGB-207x300.jpeg 207w, https://solomuetter.de/wp-content/uploads/2023/06/Vorsicht-frisch-geschieden_3D_cover-web_RGB-708x1024.jpeg 708w, https://solomuetter.de/wp-content/uploads/2023/06/Vorsicht-frisch-geschieden_3D_cover-web_RGB-768x1111.jpeg 768w, https://solomuetter.de/wp-content/uploads/2023/06/Vorsicht-frisch-geschieden_3D_cover-web_RGB-1062x1536.jpeg 1062w" sizes="(max-width: 1100px) 100vw, 1100px" /></a></figure><div class="elementor-image-box-content"><h3 class="elementor-image-box-title"><a href="https://www.klett-kinderbuch.de/buecher/details/vorsicht-frisch-geschieden.html">Vorsicht, frisch geschieden!</a></h3><p class="elementor-image-box-description"><b>Ein Survival-Buch für Trennungskinder<br>von Frauke Angel (Autorin) und Meike Töpperwien (Illustration)</b><br><br>
144 Seiten, gebunden<br>ISBN: 978-3-95470-278-7<br>EUR 20,00 [D] · EUR 20,60 [A]<br><br>

Die schlechte Nachricht ist: Deine Eltern trennen sich. Die gute Nachricht: Du bist nicht allein!<br><br>Die Mädchen und Jungen vom Club der geschiedenen Leute in diesem Buch haben die gleichen Ängste und Sorgen. Ehrenmitglied Frauke Angel begleitet euch – von der Hochzeit eurer Eltern über die mögliche Scheidung bis zur Zeit danach. Dabei beantwortet sie alle Fragen, die euch unter den Nägeln brennen, erklärt euch eure Rechte, zeigt, wo ihr Hilfe bekommt, und macht Mut für euren Start in den neuen Lebensabschnitt.</p></div></div>				</div>
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									<span class="elementor-button-text">Hier geht's zur Leseprobe</span>
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					<p class="elementor-heading-title elementor-size-default">Von Sara Buschmann</p>				</div>
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		<p>The post <a href="https://solomuetter.de/2023/06/26/interview-mit-frauke-angel/">Interview mit Frauke Angel zum Kinderbuch &#8222;Vorsicht, frisch geschieden!&#8220;</a> appeared first on <a href="https://solomuetter.de">SOLOMÜTTER</a>.</p>
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		<title>Wie viel? Interview mit Mareice Kaiser</title>
		<link>https://solomuetter.de/2023/05/09/interview-mit-mareice-kaiser/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sara Buschmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 May 2023 14:31:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[BÜCHER]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Liebe Mareice, du sagst in deinem Buch, dass dir „Geld irgendwie unangenehm“ sei und du am liebsten „so wenig wie möglich damit zu tun“ hättest. Spannend, dass du trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – ein Buch über Geld geschrieben hast. Wir freuen uns, mit dir ein bisschen über dieses wichtige Thema sprechen zu können [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[		<div data-elementor-type="wp-post" data-elementor-id="4783" class="elementor elementor-4783" data-elementor-post-type="post">
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					<h1 class="elementor-heading-title elementor-size-default">Wie viel? Interview mit Mareice Kaiser</h1>				</div>
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									<p></p>
<div class=""><strong>Liebe Mareice, du sagst in deinem Buch, dass dir „Geld irgendwie unangenehm“ sei und du am liebsten „so wenig wie möglich damit zu tun“ hättest. Spannend, dass du trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – ein Buch über Geld geschrieben hast. Wir freuen uns, mit dir ein bisschen über dieses wichtige Thema sprechen zu können und mehr darüber zu erfahren, was Geld für eine Gesellschaft und für einzelne Menschen bedeuten kann. Aber eines vorweg: Dein Buch konnte nur geschrieben werden, weil du dir mit deinem Ex-Partner die Care-Arbeit teilst. Warum erwähnst du das so explizit im ersten Teil von <a href="https://www.rowohlt.de/buch/mareice-kaiser-wie-viel-9783499010279" target="_blank" rel="noopener">WIE VIEL</a>? Und was bedeutet es genau, auch in Bezug auf deine finanziellen Möglichkeiten?</strong></div>
<div class=""> </div>
<div class="">Ich erwähne es, weil Care-Arbeit noch viel zu häufig etwas ist, das im Stillen verrichtet wird. Viele Menschen, die Care-Arbeit leisten, verschwinden. Von ihrem Arbeitsplatz, aus dem öffentlichen Diskurs. Würde ich mir die Care-Arbeit mit meinem Ex-Partner nicht teilen, ich hätte sicher viel weniger Bücher und Artikel geschrieben. Ich finde es wichtig, das öffentlich zu machen. Wünsche mir aber gleichzeitig, dass es alle tun würden. Ich würde gern mal ein Buch von einem Mann lesen, der schreibt: &#8222;Ich konnte meine fünf Bestseller schreiben, weil ich keine Kinder habe und auch sonst niemanden, um den ich mich kümmere und weil ich genug Geld für eine Putzhilfe habe und mir Essen liefern lasse. Ich muss nichts mehr tun in diesem Leben, als schreiben.&#8220;</div>
<div class=""> </div>
<div class=""><strong>Du setzt Geld und Status damit in Verbindung in dieser Gesellschaft eine Stimme zu haben. Wie kommt es zu dieser Verknüpfung?</strong></div>
<div class=""> </div>
<div class="">Kein Geld zu haben, das bedeutet Stress. Du bist jeden Tag mit existenziellen Fragen beschäftigt: Kann ich meiner Familie noch Lebensmittel kaufen nächste Woche? Wie soll ich die neuen Frühlingsschuhe für mein Kind finanzieren? Wie soll ich die Mieterhöhung stemmen? Was passiert, wenn ich die Mahnung schon wieder nicht zahlen kann? Wie soll ich das Geld für die Klassenfahrt des Kindes aufbringen? Wer sich im Alltag mit diesen Fragen herumschlägt, hat keine Zeit und keine Energie, auch noch öffentlich die Stimme zu erheben. Und, kein Geld zu haben, überall Bittsteller*in zu sein, das macht auch klein. Menschen, die von Armut betroffen sind, haben nicht das Gefühl, dass alle Menschen darauf gewartete haben, dass Sie nun endlich die Stimme erheben. Im Gegensatz dazu erfahren Menschen, die mit viel Geld aufwachsen, von klein auf, dass ihre Stimme etwas zählt. Ihnen wird zugehört und sie bekommen durch das Geld auch Codes mitgeliefert, wie sie sich in verschiedenen Räumen zu verhalten haben. Sie bewegen sich sicherer durchs Leben.</div>
<div class=""> </div>
<div class=""><strong>In deinem Buch erfahren wir auch einiges über deine finanzielle Situation. Wo genau stehst du zwischen Armut und Reichtum? Und wie hat sich dieses Verhältnis in den letzten Jahren verändert.</strong></div>
<div class=""> </div>
<div class="">Es verändert sich immer wieder. Aktuell lebe ich – wie zur Zeit, als ich das Buch geschrieben habe – von Arbeitslosengeld und freien Aufträgen als Journalistin. Wie es weitergeht, weiß ich gerade noch nicht, finanziell ist es gerade mal wieder ziemlich wacklig bei mir. Im Buch beschreibe ich meine finanzielle Situation und auch meine Klassenposition als „dazwischen“. Das passt ziemlich gut. Es ist ein Auf und Ab.</div>
<div class=""> </div>
<div class=""><strong>Spielt da auch deine Mutterschaft mit rein? Und falls ja, wie?</strong></div>
<div class=""> </div>
<div class="">Definitiv. Ein gutes Leben mit Kindern, das kostet. In meinem Buch erzähle ich von einem Online-Rechner, der ausrechnet, wo man finanziell steht, Mittelschicht, Unterschicht, Oberschicht. Durch Zufall habe ich mit diesem Rechner herausgefunden, dass ein Kind zu haben in meinem Fall dafür sorgt, dass ich nicht zur sicheren Mittelschicht gehöre. Und ich bin da kein Einzelfall. Die Personengruppe, die am meisten von Armut bedroht und betroffen ist, sind Alleinerziehende. Und das ist doppelt krass, weil Ein-Eltern-Familien gleichzeitig die am stärksten wachsende Familienform sind. </div>
<div class=""> </div>
<div class=""><strong>Du verzichtest ja darauf zu sagen, dass Menschen „arm seien“ oder „sozial schwach“. Warum?</strong></div>
<div class=""> </div>
<div class="">Ich spreche davon, dass Menschen von Armut betroffen sind, also von Armutsbetroffenen. Das zeigt besser, dass es ein Zustand ist – der auch wieder vorbeigehen kann. Oder auch noch kommen kann. Und gleichzeitig hat „arm sein“ in unserer Umgangssprache ja auch viel mit Mitleid zu tun. Ich finde es wichtig, so genau wie möglich mit Sprache umzugehen. Und so verständlich wie möglich. Menschen, die von Armut betroffen sind, sind meistens nicht sozial schwach. Im Gegenteil, sie sind meist sozial sehr stark, weil sie es sein müssen.</div>
<div class=""> </div>
<div class=""><strong>Welche Auswirkungen hat Armut auf die betroffenen Menschen eigentlich? Konntest du das herausfinden? Du hast ja auch mit vielen Menschen gesprochen.</strong></div>
<div class=""> </div>
<div class="">Armut macht klein. Wenn du wenig oder kein Geld hast, macht dich das klein. Du hast nicht das Gefühl, dass deine Stimme etwas wert ist. Viele Räume bleiben dir verschlossen. Armut macht einsam. Armut macht unsicher.</div>
<div class=""> </div>
<div class=""><strong>Ist Geld politisch? </strong></div>
<div class=""> </div>
<div class="">An Geld sehen wir Politik. Wer hat Geld und wer nicht? Das entscheidet maßgeblich Politik. Deshalb ist es auch so wichtig, dass wir über beides sprechen, über Politik und über Geld. Es hängt nicht davon ab, wie viel wir leisten, ob wir viel Geld haben oder wenig. Es hängt von der Herkunft ab, vom Geschlecht, ob wir mit einer Behinderung leben oder nicht, ob wir alleinerziehend sind. </div>
<div> </div>
<div>Bei meinen Lesungen kommt es immer häufiger vor, dass die Moderator*innen und auch das Publikum im Gespräch sagt, wie viel Geld sie aktuell verdienen. Dadurch entsteht eine offene und intime Gesprächsatmosphäre, die total angenehm ist. Es ist entlastend, offen über Geld zu sprechen. Ich kann das wirklich nur empfehlen. Wenn wir nicht über Geld sprechen hilft das nur den Menschen, die viel Geld haben.</div>
<div> </div>
<div><strong>Haben die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Geld und das Verfassen deines Buches Spuren hinterlassen? </strong></div>
<div> </div>
<div>Nachdem ich mich jetzt so lange so intensiv mit dem Thema Geld auseinandergesetzt habe, sind einige Zitate aus der Politik für mich wirklich unfassbar. Jedes fünfte Kind in Deutschland ist von Armut betroffen oder bedroht und der Bundesfinanzminister sagt, es sei genug für Kinder getan worden und er sehe keinen Spielraum für die Kindergrundsicherung!? Das macht mich wirklich fassungslos. Ich erwarte eine große gesellschaftliche Empörung – und zwar nicht nur von Menschen mit Kindern, sondern von allen. Es ist ein Skandal, dass es in einem reichen Land wie Deutschland Kinderarmut überhaupt gibt – und noch skandalöser, dass der Finanzminister nicht die dringende Notwendigkeit sieht, das zu ändern.</div>
<div> </div>
<div><strong>Danke, Mareice, wir hoffen, mit diesem Gespräch unserer Community Lust auf <a href="https://www.rowohlt.de/buch/mareice-kaiser-wie-viel-9783499010279" target="_blank" rel="noopener">WIE VIEL</a> gemacht zu haben. Der Blick in die Portemonnaies oder auf die Kontostände verschiedener Menschen hilft vielleicht, empathischer mit anderen und sich selbst umzugehen – egal, wie man selbst finanziell aufgestellt ist. &#8222;Genug Geld und ein gutes Leben für alle&#8220;, sollten Ziele sein, denen sich zukünftig hoffentlich mehr Menschen verschreiben.</strong></div>
<p class="wp-block-paragraph"></p>								</div>
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					<div class="elementor-image-box-wrapper"><figure class="elementor-image-box-img"><a href="https://www.rowohlt.de/buch/mareice-kaiser-wie-viel-9783499010279" target="_blank" tabindex="-1"><img loading="lazy" decoding="async" width="1594" height="2480" src="https://solomuetter.de/wp-content/uploads/2023/04/SOLOMUeTTER-WIE-VIEL-Cover-.jpeg" class="attachment-full size-full wp-image-4798" alt="" srcset="https://solomuetter.de/wp-content/uploads/2023/04/SOLOMUeTTER-WIE-VIEL-Cover-.jpeg 1594w, https://solomuetter.de/wp-content/uploads/2023/04/SOLOMUeTTER-WIE-VIEL-Cover--193x300.jpeg 193w, https://solomuetter.de/wp-content/uploads/2023/04/SOLOMUeTTER-WIE-VIEL-Cover--658x1024.jpeg 658w, https://solomuetter.de/wp-content/uploads/2023/04/SOLOMUeTTER-WIE-VIEL-Cover--768x1195.jpeg 768w, https://solomuetter.de/wp-content/uploads/2023/04/SOLOMUeTTER-WIE-VIEL-Cover--987x1536.jpeg 987w, https://solomuetter.de/wp-content/uploads/2023/04/SOLOMUeTTER-WIE-VIEL-Cover--1316x2048.jpeg 1316w" sizes="(max-width: 1594px) 100vw, 1594px" /></a></figure><div class="elementor-image-box-content"><h3 class="elementor-image-box-title"><a href="https://www.rowohlt.de/buch/mareice-kaiser-wie-viel-9783499010279" target="_blank">Mareice Kaiser | WIE VIEL</a></h3><p class="elementor-image-box-description"><b>Was wir mit Geld machen und was Geld mit uns macht</b><br><br>
Paperback, 208 Seiten<br>ISBN: 978-3-499-01027-9<br>EUR 17,00 (D)<br><br>

Geld ist nicht alles? Aber Geld ist ziemlich viel: Macht, Status, Lebensgrundlage. Und Grund für ziemlich viele Gefühle: Scham, Neid, Eifersucht. Aber auch Sicherheit, Glück, Freiheit. Was macht Geld mit uns, und was machen wir mit Geld? Mareice Kaiser erzählt ihre eigene Geldgeschichte und trifft Menschen, mit denen sie über Geld spricht. Vom Pfandflaschensammler bis zum Multi-Millionär stellt sie ihnen Fragen: Wie viel Geld ist genug? Wie viel Geld macht glücklich? Wer sollte mehr Geld haben? Wer weniger? Und wie könnte Geld gerechter verteilt sein? Es geht um Armut und Reichtum, um Kälte und Wärme, um Kreditkarten und Mahnungen, um Erfolg und Not, um Chancen und Schicksal, um Macht und Machtlosigkeit – und um das Dazwischen. Außerdem um einen Blick auf ein Land, in dem die einen frieren müssen, während die anderen von Fußbodenheizungen gewärmt werden. <br><br>So entsteht eine Analyse, die entlang persönlicher Geschichten eine Struktur zeigt, die zutiefst ungerecht ist und unser aller Zusammenleben bestimmt.</p></div></div>				</div>
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		<p>The post <a href="https://solomuetter.de/2023/05/09/interview-mit-mareice-kaiser/">Wie viel? Interview mit Mareice Kaiser</a> appeared first on <a href="https://solomuetter.de">SOLOMÜTTER</a>.</p>
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		<title>Ein Hammerbuch – lesenswert!</title>
		<link>https://solomuetter.de/2023/05/02/hammerbuch/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Gastautor_in]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 May 2023 21:32:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[BÜCHER]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Autorin und Journalistin Sarah Zöllner war so begeistert vom neuen Buch unserer Kolumnistin Anne Dittmann, dass sie angeboten hat, für uns eine Rezension zu &#8222;solo, selbst &#38; ständig – Was Alleinerziehende wirklich brauchen&#8220; zu verfassen. Wir finden: Ihre Buchkritik ist super geworden und das Buch von Anne sowieso „der Hammer&#8220; – da hat Sarah [&#8230;]</p>
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					<h1 class="elementor-heading-title elementor-size-default">Ein Hammerbuch – lesenswert!</h1>				</div>
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									<p></p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Autorin und Journalistin Sarah Zöllner war so begeistert vom neuen Buch unserer Kolumnistin Anne Dittmann, dass sie angeboten hat, für uns eine Rezension zu &#8222;<a href="https://www.penguinrandomhouse.de/Paperback/solo-selbst-und-staendig/Anne-Dittmann/Koesel/e612505.rhd" target="_blank" rel="noopener">solo, selbst &amp; ständig – Was Alleinerziehende wirklich brauchen</a>&#8220; zu verfassen. Wir finden: Ihre Buchkritik ist super geworden und das Buch von Anne sowieso „der Hammer&#8220; – da hat Sarah wirklich Recht. Los geht&#8217;s:</strong></p>
<p class="p3">„Reizdarmfleißig“. Das ist so ein Wort, das mich anspringt in diesem Buch. Nach rund hundert Seiten steht es da und bringt viel auf den Punkt von dem, was Anne Dittmanns Leben als Alleinerziehende, wie sie schreibt, lange ausmachte – ebenso wie das Leben vieler Alleinerziehender: „Also, ich war immer fleißig. Nicht auf die gute Art, sondern so, wie ich es von meiner Mutter gelernt hatte: angstfleißig. Aufsteiger*innenfleißig. Reizdarmfleißig.“ Annes Mutter war auch schon alleinerziehend. Und Anne schreibt sinngemäß: ich war ihr dankbar. Und wollte zugleich alles anders machen.</p>
<p class="p2"><strong>Lektüre nachts um zwei</strong></p>
<p class="p3">Dieses Buch ist tatsächlich eines, für das ich nachts aufstehe, um es zu lesen. Und das nicht nur, weil ich, selbst alleinerziehend mit zwei Kindern, meine Arbeitszeit nicht selten auf die – endlich ruhigen – Nächte verteile. Auch, weil mich echt packt, was ich da lese. Denn es zeigt mir, was ich aus eigener Erfahrung kenne: kein Alleinerziehendsein ist wie das andere – ebenso wie kein Muttersein wie das andere ist. Es macht so viel aus, woher ich komme, wie ich gelernt habe, mit meinen Gefühlen und den Situationen, dir mir begegnen, umzugehen, wie das Verhältnis zu meinem/r Expartner:in ist und welche Ressourcen ich habe – einfach qua Geburt und Elternhaus. Und zugleich gibt es vieles, was vermutlich viele Alleinerziehende kennen. Ich will niemanden über einen Kamm scheren, aber aus einer Menge persönlicher Begegnungen &#8211; und zum Teil auch eigener Erfahrung &#8211; weiß ich: da ist fast immer die Sorge um das eigene Kind, zumindest in der ersten Zeit nach der Trennung. Die Mischung aus Erleichterung und Trauer, wenn es nicht bei dir ist, denn dann kannst du als Alleinerziehende mal durchatmen – und zugleich schmerzt dich, dass du dafür deine Kinder wegorganisieren musst.</p>
<p class="p3">Auch die Frage: Wer bin ich eigentlich, wenn ich nicht alleinerziehend, bienenfleißig und am Organisieren bin? Wo bleibe ich in diesem ganzen Konstrukt aus Kind, Beruf und Alltagspflichten, das ich tagtäglich bewältige? Und nicht zuletzt die Mischung aus Resignation und Empörung, wenn du merkst: strukturell, in der Rechtsprechung, im Arbeitsrecht, bei der Vergabe von Sozialleistungen, werden Alleinerziehende oft einfach nicht – oder nicht ausreichend – mitgedacht. Einerseits in der Vielfalt der Lebensweisen und der persönlichen Voraussetzungen, die hinter dem Begriff „alleinerziehend“ stehen (bin ich beruflich gut abgesichert, weiß, aus wohlhabendem und bildungsnahem Elternhaus und engagiert sich mein/e Expartner:in für die gemeinsamen Kinder – oder nichts von alledem?) und zugleich in der ganz eigenen Stärke und zugleich Verletzlichkeit Alleinerziehender, die eben auch kulturell und strukturell bedingt ist.</p>
<p><strong>Sorge für dich selbst. Du kannst es! – Und musst es auch können</strong></p>
<p>Unsere Gesellschaft traut Alleinerziehenden inzwischen zu, mit ihren Kindern eigenverantwortlich ein gutes Leben zu führen. Alleinerziehend zu sein ist – zumindest vielerorts – kein Stigma mehr. Die Mutter kein „gefallenes Mädchen“, das Kind kein „Bangert“, wie noch vor rund 60 Jahren. Die Unterhaltsrechtsreform von 2008 geht davon aus, dass Müttern nach einer Trennung die eigenständige Existenzsicherung möglich ist &#8211; und fordert das durch Wegfall des Unterhalts für den betreuenden Elternteil, sobald das Kind drei Jahre alt ist, auch rigoros ein. „Sorge für dich selbst. Du kannst es!“ So der Appell, der dahinter steht. „Du musst es können!“, so der unausgesprochene Anspruch dahinter.</p>
<p>Dass genau das aber keineswegs selbstverständlich ist in einer Gesellschaft, in der Frauen auch während Ehe und Partnerschaft noch signifikant weniger verdienen, mehr familiäre Fürsorgearbeit übernehmen und dadurch gravierend schlechtere berufliche Chancen und insgesamt eine geringere soziale Absicherung haben, wird ignoriert. Mitten unter uns werden Ein-Eltern-Familien ganz offen benachteiligt. Ausgegrenzt und durchaus auch stigmatisiert. Und das gerade, wenn sie zu denen gehören, die tatsächlich Hilfe benötigen. Weil sie mit schlechter Ausbildung oder zu wenig Zeit (Stichwort unzuverlässiger Umgang, Stichwort fehlende Kinderbetreuung) einfach nicht so arbeiten können, dass es ihnen und ihren Kindern ein „gutes Leben“ ermöglichen würde. Weil sie konfrontiert sind mit gewalttätigen oder auch nur zahlungsunwilligen Expartner:innen. Oder einfach nur, weil sie von vorneherein nicht das dickste Stück des Kuchens abbekommen haben: als Migrant:innen, Arbeiterkinder oder einfach, weil sie Frauen sind.</p>
<p><strong>Ein Buch, das unserer Gesellschaft den Spiegel vorhält</strong></p>
<p>93 Prozent aller Alleinerziehender sind Frauen und Frauen verdienen auch heute in Deutschland durchschnittlich fast ein Fünftel weniger als Männer, erhalten im Alter nur halb so viel Rente und reiben sich auf im ewigen Spagat zwischen Familie und Beruf. Alleinerziehende Mütter betrifft das alles doppelt – gerade auch, wenn tatsächlich kein (Ex-)Partner da ist, der finanziell, organisatorisch und emotional mit anpacken kann.</p>
<p>Anne Dittmann schreibt über das alles. Sehr persönlich. Sehr klug. Auch sprachlich wirklich beeindruckend auf den Punkt. Und vor allem gelingt es ihr, dass aus all dem kein Lamento wird. Weil sie selbstbewusst, reflektiert und kenntnisreich den Blick dafür schärft, dass ihr Bericht eben nicht die Schwierigkeiten und Erfolge einer einzelnen alleinerziehenden Mutter nachzeichnet – sondern dass wir uns als Gesellschaft darin wiedererkennen können. Wie wir mit denen umgehen, die (phasenweise) unsere Hilfe benötigen oder auch nur „reizdarmfleißig“ dafür rödeln, dass dem nicht so ist, sagt viel über uns als Gesellschaft aus. „Solo, selbst &amp; ständig“ ist damit viel mehr als ein Erfahrungsbericht oder Ratgeber für Alleinerziehende. Es ist ein wirklich packendes Plädoyer dafür, dass wir alle endlich dort hinsehen, wo andere für uns – oder an unserer statt – sorgen. Und dass wir den Menschen, die dies tun, darunter auch Alleinerziehenden, strukturell, über Rechtsprechung und politische Entscheidungen – endlich ein gutes Leben ermöglichen. Es ist Zeit!</p>
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									<p><strong>Wer schreibt?</strong></p>
<p>Sarah Zöllner ist Journalistin, Bloggerin und Autorin für Familien- und Gesellschaftsthemen. Sie hat zwei Söhne im Kindergarten- und Grundschulalter. 2020 erschien ihr Buch „Alleinerziehend – und nun?“ Ihr zweites Buch <a href="https://www.magas-books.de/shop/geburt/muetter.-macht.-politik.-ein-aufruf/" target="_blank" rel="noopener">„Mütter. Macht. Politik: Ein Aufruf!“</a> erscheint im Herbst 2023. <a href="https://www.sarahzoellner.com/" target="_blank" rel="noopener">www.sarahzoellner.com</a></p>
<p>Diese Rezension ist ebenfalls auf dem <a href="https://mutter-und-sohn.blog/" target="_blank" rel="noopener">Blog</a> unserer Autorin erschienen.</p>
<p>Das Headerbild ist von Magdalena Fournillier. Ihre Zeichnungen illustrieren auch <a href="https://www.penguinrandomhouse.de/Paperback/solo-selbst-und-staendig/Anne-Dittmann/Koesel/e612505.rhd" target="_blank" rel="noopener">solo, selbst &amp; ständig</a>.</p>								</div>
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					<p class="elementor-heading-title elementor-size-default">Von Sarah Zöllner <br></p>				</div>
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		<title>Interview mit Anne Dittmann</title>
		<link>https://solomuetter.de/2023/04/25/interview-mit-anne-dittmann/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sara Buschmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Apr 2023 18:55:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[BÜCHER]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Tadaaaa, das Buch unserer Kolumnistin Anne Dittmann ist da! Wir freuen uns sehr. Und wer unseren Instagram-Kanal verfolgt, hat sicher schon gesehen, dass Anne und ich, Sara, die Gründerin von SOLOMÜTTER, das Buch an 80 Menschen aus Wirtschaft, Politik und Unterhaltung geschickt haben, weil ich nach dem Lesen eines Vorabexemplars überzeugt war, dass jede und [&#8230;]</p>
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									<p></p>
<div class=""><strong>Tadaaaa, das Buch unserer Kolumnistin Anne Dittmann ist da! Wir freuen uns sehr. Und wer unseren Instagram-Kanal verfolgt, hat sicher schon gesehen, dass Anne und ich, Sara, die Gründerin von SOLOMÜTTER, das Buch an 80 Menschen aus Wirtschaft, Politik und Unterhaltung geschickt haben, weil ich nach dem Lesen eines Vorabexemplars überzeugt war, dass jede und jeder, die oder der in diesem Land Entscheidungen für Familien trifft, wissen sollte, was in <a href="https://www.penguinrandomhouse.de/Paperback/solo-selbst-und-staendig/Anne-Dittmann/Koesel/e612505.rhd" target="_blank" rel="noopener">&#8222;solo, selbst &amp; ständig – Was Alleinerziehende wirklich brauchen&#8220;</a> steht. </strong></div>
<div>&nbsp;</div>
<div class=""><strong>Jetzt möchte ich aber noch mal von Anne wissen, wer ihrer Meinung nach das Buch lesen sollte?</strong></div>
<div>&nbsp;</div>
<div class="">Ich habe mir beim Schreiben eine kleine Gruppe von Menschen vorgestellt: Allen voran Eltern, die kurz vor einer Trennung stehen oder schon getrennt sind und die einerseits Orientierung, konkrete Tipps und Beratung suchen, aber andererseits auch die Gewissheit brauchen, dass sie mit ihrer Lage, ihren Gefühlen, Gedanken und Erfahrungen nicht allein sind.</div>
<div class="">
<div>&nbsp;</div>
<div>Außerdem habe ich <a href="https://www.penguinrandomhouse.de/Paperback/solo-selbst-und-staendig/Anne-Dittmann/Koesel/e612505.rhd" target="_blank" rel="noopener">solo, selbst &amp; ständig</a>&nbsp;auch mit dem Wissen geschrieben, dass Alleinerziehende mit ihren Geschichten und all den Ungerechtigkeiten, die sie täglich erleben, nicht unter sich bleiben wollen. Sie wollen sie Politiker*innen und anderen Entscheidungsträger*innen geballt vor die Füße werfen und nicht länger ignoriert werden. Aber das Problem ist eben auch: Alleinerziehende haben kaum Zeit und Kraft übrig, um sich zu organisieren und laut zu werden. Wir sind eine sehr stille Gesellschaftsgruppe – darum habe ich dieses Buch geschrieben. Es ist unser gemeinsamer Aufschrei.</div>
</div>
<div>&nbsp;</div>
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<div class="">
<div>&nbsp;</div>
<div><strong>Aber braucht es dein Buch denn überhaupt? Die Scheidungsraten sinken ja seit einiger Zeit&#8230;</strong></div>
<div>&nbsp;</div>
<div>Unbedingt! Es wird nämlich in Zukunft immer mehr Alleinerziehende geben. Das verwundert, oder? Wenn doch gleichzeitig die Scheidungsraten sinken! Aber das liegt daran, dass immer weniger Menschen heiraten; während vor gut sechzig Jahren noch über 600.000 Paare geheiratet haben, tun es heute nur noch die Hälfte. Wer außerhalb einer Ehe eine Familie gründet und sich dann trennt, taucht nicht in der Scheidungsstatistik auf. Und Wissenschaftler*innen wie die promovierte Biologin <a href="https://www.fraumeike.de/" target="_blank" rel="noopener">Meike Stoverock</a> glauben schon erste Anzeichen dafür zu sehen, dass die Alleinerziehende mit drei Kindern von drei verschiedenen Vätern in Zukunft völlig normal sein wird – mit der wachsenden Gleichberechtigung bzw. Unabhängigkeit der Frau geht das Konzept der lebenslangen monogamen Partner*innenschaft, die im Patriarchat durch die Ehe institutionalisiert wurde, stetig zurück. Das heißt für uns: Alleinerziehende werden in Zukunft immer mehr gesellschaftlichen Raum einnehmen und wir werden noch viel darüber sprechen müssen, wie getrennte Eltern ihre Kinder gut versorgen können und unsere Arbeitskultur an ihre Bedürfnisse angepasst werden kann.</div>
<div>&nbsp;</div>
<div><strong>Und mal ganz allgemein gefragt: Sind denn Trennungen heutzutage überhaupt noch ein Problem?</strong></div>
<div>&nbsp;</div>
<div>Forschungen zeigen längst, dass elterliche Trennungen an sich kein nachhaltiges Problem sind – weder für die Eltern, die über ihren Liebeskummer hinwegkommen können, noch für die Kinder. Studien zeigen, dass gut begleitete Trennungen Kinder sogar resilienter machen und dass sie ihre sozialen Fähigkeit durch die Trennung als Herausforderung sogar ausbauen! Trennungen wurden strukturell und politisch zu einem nachhaltigen Problem gemacht, das ist ein wichtiger Unterschied!</div>
<div>&nbsp;</div>
<div><strong>Was kann denn, deiner Meinung nach, tatsächlich zu einem Problem in Trennungssituationen werden?</strong></div>
<div>&nbsp;</div>
<div>Unsere Gesellschaft ist immer noch auf der traditionellen Normfamilie aufgebaut. Das merken Eltern direkt nach der Trennung am stärksten: Plötzlich sollen vom gleichen Haushaltseinkommen zwei Wohnungen bezahlt werden, womöglich doppelt Kinderzimmer, Möbel, Kleidung. Wenn Väter Unterhalt zahlen, können sie ihre Kinder oft nur als Gäste auf der Klappcouch im Wohnzimmer zu sich einladen – das geht auch zulasten der getrennten Familiendynamik. Die Verknappung der Ressourcen nach einer Trennung schürt Konflikte, dazu ist Armut für viele Alleinerziehende ein Thema. All das ist politisch.</div>
</div>
<div class="">
<div>&nbsp;</div>
<div><strong>Warum können viele Mütter sich und ihre Kinder finanziell denn nicht selbst auffangen nach einer Trennung?</strong></div>
<div>&nbsp;</div>
<div>Weil eine Familie mit verheirateten Eltern zuvor jahrelang steuerlich davon profitiert hat, dass ein Elternteil möglichst wenig verdient und der andere möglichst viel &#8211; dafür sorgt das Ehegattensplitting. Mir haben schon einige Mütter geschrieben, dass sie sich gerne trennen würden, aber es wegen Geldmangels nicht können. Das ist finanzielle Gewalt, die hier in Deutschland ganz im Stillen Frauen an Männer kettet. Und dann gibt es noch psychische und körperliche Gewalt. Wir dürfen nicht vergessen: Immer noch wird an jedem dritten Tag eine Frau von ihrem (Ex-)Partner ermordet.</div>
<div>&nbsp;</div>
<div><strong>Wie kann eine von Gewalt betroffene Mutter sich und ihre Kinder schützen?</strong></div>
<div>&nbsp;</div>
<div>Das word Betroffenen sehr schwer gemacht: Eine aktuelle Bestandsaufnahme des Soziologen Dr. Wolfgang Hammer zeigt, dass Müttern und Kindern von Polizei, Jugendämtern und an Familiengerichten viel zu wenig geholfen wird – und dass Behörden sexistisch handeln. Müttern wird nicht geglaubt, dass sie Gewalt erfahren haben, am Ende sind sie in Gerichtsverfahren die manipulativen Lügnerinnen &#8211; weshalb Anwält*innen bereits dazu abraten, die häusliche Gewalt überhaupt vor Gericht zu erwähnen. In den Fällen, die Hammer und sein Team untersucht haben, mussten die Kinder beim Vater bleiben. Und das auch dann, wenn sie selbst ausgesagt haben, dass sie lieber bei der Mutter wohnen wollten – die Situation ist prekär!</div>
<div>&nbsp;</div>
<div><strong>Wer kann sich denn eine Trennung besser leisten? Männer oder Frauen?</strong></div>
<div>&nbsp;</div>
<div>Wenn ein Kind in einer hetero Familie zur Welt kommt, verdienen Mütter danach weniger Geld, Väter mehr. Die Motherhood Lifetime Penalty zeigt, wie stark Mütter finanziell benachteiligt werden: Laut Bertelsmann-Stiftung haben Väter mit drei Kindern bezogen auf ihre gesamtes Erwerbsleben ein durchschnittliches Gesamteinkommen von 1,5 Millionen Euro. Mütter mit drei Kindern kommen auf 450.000 Euro. Kurz gesagt: Väter können sich strukturell die Trennung eher leisten als Mütter.&nbsp;</div>
</div>
<div>&nbsp;</div>
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<div><strong>Wie sieht das typische Mutterleben und das typische Väterleben nach einer Trennung aus?</strong></div>
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<div>Die allermeisten Eltern entscheiden sich nach der Trennung für das Residenzmodell – meist wohnen die Kinder bei der Mutter und besuchen den Vater am Wochenende. Nicht selten verlieren Väter den Kontakt zu ihren Kindern. Manchmal passiert ihnen die gleiche Geschichte sogar mehrmals. Tatsachen, die immer mehr erforscht werden, und wir verstehen allmählich die strukturellen Hintergründe, die dafür sorgen, dass viele Trennungen sehr ähnlich verlaufen – mehr dazu steht in meinem Buch. Mütter, die sich um Kinder, Haushalt und Lohnarbeit gleichzeitig kümmern müssen, sind von morgens bis abends beschäftigt, häufig sozial isoliert, haben ein höheres Risiko für Burnout und Depressionen. Viele landen innerhalb weniger Jahre wieder in einer Partner*innenschaft und scheren so wieder ein in das Konzept der Normfamilie. Manche bleiben lange Single. Aber auch bei letzteren werden über die Jahre die Kinder größer und die Alleinerziehenden sind stolz auf das, was sie geleistet haben – sie sind sich ihren Fähigkeiten, auch außerhalb der Mutterschaft, sehr bewusst und fallen nicht in ein Loch, wenn die Kinder ausziehen.</div>
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<div><strong>Kannst du unseren Leser*innen bitte einmal die Wahrscheinlichkeit von Trennungen in Korrelation zu Flugzeugabstürzen erzählen? Ich liebe diesen Fakt und sage nur: Verliebte, der Ernstfall ist nicht unwahrscheinlich.</strong></div>
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<div>Es geht in meinem Buch auch um individuelle Eheverträge, um die kümmert sich nämlich fast niemand. Alle glauben, dass das Scheidungsrecht alles fair aufteilt – aber das stimmt so nicht!&nbsp;<span style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Arial,sans-serif; font-size: var( --e-global-typography-text-font-size ); font-weight: var( --e-global-typography-text-font-weight );">Etwa wird außer acht gelassen, dass Mütter, die sich zehn Jahre lang ausschließlich um Kinder und Haushalt gekümmert haben, nicht einfach nach einer Trennung wieder den alten Job als Wissenschaftler*innen, Sachbearbeiter*innen usw. bekommen. Es gibt kein Anknüpfen – und diese Tatsache kostet sie zusätzliches Geld! Warum also nicht solche Dinge mit berücksichtigen? Das kann aktuell nur in einem individuellen Ehevertrag geregelt werden, an den aber vor allem vermögende Männer denken, um ihr Geld nach einer Scheidung abzusichern. Darum mach ich einen Vergleich auf: Ich beschreibe in meinem Buch die Wahrscheinlichkeit mit einem Flugzeug abzustürzen. Sie liegt bei 0,0000004 Prozent. Und trotzdem wird Passagier*innen vor jedem Start erklärt, was sie im Notfall zu tun haben, wie sie sich die Sauerstoffmasken aufsetzen müssen, die Rettungswesten umlegen sollen und wo die Notausgänge sind. Für den Fall, dass ich nach einem Absturz aufgrund von Rauch nichts mehr sehen kann, zähle ich stets nach, an wie vielen Sitzlehnen ich mich entlangtasten muss, um zum nächsten Ausgang zu kommen. Ich bin also vorbereitet, obwohl ich ziemlich sicher niemals einen Flugzeugabsturz erleben werde, genauso wie die meisten anderen Menschen auch. </span>Komisch ist: Dass wir einmal heiraten und uns wieder scheiden lassen, ist millionenfach wahrscheinlicher. Warum wollen wir uns dann nicht damit beschäftigen, wie wir von unserer Wolke 7 wieder sicher auf den Boden der Tatsachen kommen? „Na weil wir uns so sehr lieben“, heißt es dann immer. Aber: Wenn Paare einander lieben, dann sollten sie sich für den*die Partner*in doch auch eine sichere Trennung wünschen – insbesondere, wenn Kinder involviert sind, oder? Falls nicht, wie soll es dann erst ablaufen, wenn tatsächlich die Trennung ansteht?</div>
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<div><strong>Ich lese aktuell in vielen Büchern einen Satz, der mir auch aus meiner eigenen Jugend geläufig ist: „Mach dich nie von einem Mann abhängig“. Warum wurde uns das immer gesagt? Und wie geht dieses „unabhängig“?</strong></div>
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<div>Unabhängigkeit ist wie gesagt nicht vorgesehen in der normalen Familienbiografie einer Mutter. Darum müssen wir selbst dafür sorgen: Etwa, indem wir uns die Elternzeit fifty-fifty mit dem Partner teilen. Oder wir kümmern uns um individuelle Eheverträge. Es gibt nicht den einen Weg, aber wir müssen für uns selbst sorgen, wenn es um die innerfamiliäre Verteilung von finanziellen Ressourcen oder um die Rentenvorsorge geht. Keine falsche Bescheidenheit!</div>
<div>&nbsp;</div>
<div><strong>Warum sind Alleinerziehende eine Provokation?</strong></div>
<div>&nbsp;</div>
<div>Weil sie – allein durch ihre Existenz – unsere patriarchale Gesellschaft damit konfrontieren, dass ein Leben ohne Mann möglich ist. Manche beleidigt es, manchen macht es Angst – etwa davor, dass die eigene Frau auf „dumme“ Ideen kommen könnte.</div>
<div>&nbsp;</div>
<div><strong>Du sprichst vom „Endgegner Vereinbarkeit“. Warum ist die Verknüpfung von Care- und Erwerbsarbeit so schwierig?</strong></div>
<div>&nbsp;</div>
<div>Eine ganz einfache Rechnung: Laut Bertelsmann-Stiftung müssten Alleinerziehende Vollzeit arbeiten, um der Armut zu entkommen (das gilt allerdings nur für fast alle, selbst mit Vollzeitarbeit wären noch zwei Prozent von Armut betroffen). Aber: Vollzeit bedeutet aktuell acht Stunden Arbeit plus eine Stunde Pause, dazu kommen Fahrzeiten zur Kita oder zum Hort von einer Stunde pro Tag, wenn es gut läuft. Das heißt, die Kinder müssten jeden Tag zehn Stunden mindestens betreut werden. Und abgesehen von der Frage zum Kindeswohl, kann eine solche Betreuung in den meisten Einrichtungen gar nicht angeboten werden. Allein dieses Jahr fehlen fast 400.000 Kita-Plätze. Mehr müssen wir dazu nicht sagen, oder?</div>
<div>&nbsp;</div>
<div><strong>Es gibt ja Verbände und Parteien, die das Wechselmodell als Regelbetreuungsmodell installieren möchten und es als Heilsbringer verkaufen. Macht das Sinn und woher kommen diese Forderungen?</strong></div>
<div>&nbsp;</div>
<div>Das Wechselmodell wird aktuell nur von vier Prozent aller Trennungsfamilien gelebt – auch mein Kind, sein Vater und ich leben es seit ein paar Jahren. Bevor ich das Wechselmodell vorgeschlagen hatte, musste ich mir erst ausrechnen, ob ich mir das überhaupt leisten kann. Denn: Der Kindesunterhalt fällt weg, das Kindergeld wird geteilt. Man hat offiziell keinen Anspruch mehr auf Kindergeldzuschlag – wobei manche Sachbearbeiter*innen von der Familienkasse da kulant sind.</div>
<div>&nbsp;</div>
<div>Das Wechselmodell mit seinen finanziellen Belastungen wird politisch nicht gefördert für jene Familien, die es gerne ausprobieren wollen. Auch bei der Wohnungssuche werden Eltern, die nahe am anderen Elternteil wohnen wollen, nicht bevorzugt. Das Modell ist also schon allein strukturell schwer umzusetzen – viele Faktoren müssen stimmen.</div>
<div>&nbsp;</div>
<div>Dazu kommt die Beziehung zwischen den Eltern. Aktuelle Studien zeigen, dass das Wechselmodell für Kinder sehr passend und gut sein kann, wenn sich die Eltern nur konstruktiv streiten bzw. Konflikte regelmäßig gemeinsam überwinden können und an einem Strang ziehen. Wenn die Eltern allerdings Konflikte destruktiv ausleben, ein Elternteil den anderen psychisch oder körperlich misshandelt, dann wirkt sich das Wechselmodell besonders schlecht auf das Kind aus. Das liegt daran, dass das Wechselmodell intensiv ist, der Austausch zwischen den Eltern engmaschig. Das Wechselmodell als Regelfall einzuführen macht daher keinen Sinn. Was Sinn ergeben würde: Eltern finanziell unterstützen, die das Wechselmodell leben wollen.&nbsp;</div>
<div>&nbsp;</div>
<div><strong>Und vielleicht abschließend noch mal gefragt: Warum macht es Sinn, Alleinerziehende im Allgemeinen zu unterstützen?</strong></div>
<div>&nbsp;</div>
<div>Weil auch Alleinerziehende den Anspruch haben, ein gutes Leben zu führen und ihre Kinder gut (mit Zeit und Mitteln) beim Aufwachsen zu begleiten. Weil Kinder ein Recht auf ein Leben ohne Armut und sozialer Isolation haben und wir uns – auch mit Blick auf den Fachkräftemangel – längst keine Gesellschaft mehr leisten können, die Eltern und ihre Kinder an den Rand drängen, nur weil zwei Erwachsene sich getrennt haben.</div>
</div>
<div>&nbsp;</div>
<div>Und am wichtigsten ist wohl zu verstehen, dass kein Elternteil auch davor schützen kann, selbst einmal allein- oder getrennterziehend zu werden. Sich für Alleinerziehende einzusetzen bedeutet demnach auch immer, sich für die eigene Sicherheit einzusetzen.</div>
<div>&nbsp;</div>
<div><strong>Danke, liebe Anne! Ich hoffe, dass ganz viele Menschen &#8222;solo, selbst &amp; ständig&#8220; lesen und das dein Buch die Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient! Ich freue mich auf die <a href="https://www.penguinrandomhouse.de/Termine/76569.rhd" target="_blank" rel="noopener">Premiere am 17.5. im Pfefferberg Theater</a> und bin gespannt, welches Feedback wir auf unsere <a href="https://www.instagram.com/reel/CrD8CPDAd63/?utm_source=ig_web_copy_link" target="_blank" rel="noopener">Versandaktion</a> erhalten – fingers crossed.</strong></div>
<p class="wp-block-paragraph"></p>								</div>
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					<div class="elementor-image-box-wrapper"><figure class="elementor-image-box-img"><a href="https://www.penguinrandomhouse.de/Paperback/solo-selbst-und-staendig/Anne-Dittmann/Koesel/e612505.rhd" tabindex="-1"><img loading="lazy" decoding="async" width="1593" height="2560" src="https://solomuetter.de/wp-content/uploads/2023/04/SOLO-SELBST-STAENDIG-scaled.jpg" class="attachment-full size-full wp-image-4855" alt="" srcset="https://solomuetter.de/wp-content/uploads/2023/04/SOLO-SELBST-STAENDIG-scaled.jpg 1593w, https://solomuetter.de/wp-content/uploads/2023/04/SOLO-SELBST-STAENDIG-187x300.jpg 187w, https://solomuetter.de/wp-content/uploads/2023/04/SOLO-SELBST-STAENDIG-637x1024.jpg 637w, https://solomuetter.de/wp-content/uploads/2023/04/SOLO-SELBST-STAENDIG-768x1234.jpg 768w, https://solomuetter.de/wp-content/uploads/2023/04/SOLO-SELBST-STAENDIG-956x1536.jpg 956w, https://solomuetter.de/wp-content/uploads/2023/04/SOLO-SELBST-STAENDIG-1275x2048.jpg 1275w" sizes="(max-width: 1593px) 100vw, 1593px" /></a></figure><div class="elementor-image-box-content"><h3 class="elementor-image-box-title"><a href="https://www.penguinrandomhouse.de/Paperback/solo-selbst-und-staendig/Anne-Dittmann/Koesel/e612505.rhd">Anne Dittmann | solo, selbst & ständig</a></h3><p class="elementor-image-box-description"><b>Was Alleinerziehende wirklich brauchen</b><br><br>
Paperback, 240 Seiten<br>ISBN: 978-3-466-31204-7<br>EUR 18,00 (D)<br><br>

Eine Trennung mit Kind stellt eine immense Herausforderung dar. Die meinungsstarke Journalistin und Autorin Anne Dittmann weiß, wovon sie spricht – und gibt einfühlsam und ermutigend Orientierung. Sie holt Betroffene da ab, wo sie während oder nach einer Trennung stehen: mit all ihren Fragen, Problemen, Unsicherheiten und Gefühlen – und den mit einer Trennung einhergehenden Vorurteilen und Benachteiligungen in unserer Gesellschaft. Anne Dittmann formuliert klar, was Alleinerziehende wirklich brauchen, und zeigt Schritt für Schritt, welche Hebel auf individueller wie auf struktureller Ebene gezogen werden können und müssen, um das Leben von Alleinerziehenden zu verbessern. <br><br>Sie liefert mit ihrem Wut- und Mutmachbuch allen Allein- und Getrennterziehenden eine kenntnis- und faktenreiche Begleitung, angereichert mit persönlichen Erfahrungen rund um ihre eigene Trennung mit Kind und wertvollem Input aus ihrer großen Community: Über das Trennen und Kümmern. Über Geld, Arbeit und Gesundheit. Über das Daten und die Liebe. Und über das Träumen und Leben als Alleinerziehende. <br><br>Dieses Buch gibt Allein- und Getrennterziehenden eine Stimme, liefert konkrete Erste-Hilfe-Tipps, die richtigen Ventile für Frust und Ängste und bietet Halt, Trost und Bestärkung in einer neuen Lebensphase.</p></div></div>				</div>
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					<p class="elementor-heading-title elementor-size-default">Von Sara Buschmann</p>				</div>
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		<p>The post <a href="https://solomuetter.de/2023/04/25/interview-mit-anne-dittmann/">Interview mit Anne Dittmann</a> appeared first on <a href="https://solomuetter.de">SOLOMÜTTER</a>.</p>
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		<title>Interview mit Nils Pickert</title>
		<link>https://solomuetter.de/2023/01/09/interview-mit-nils-pickert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sara Buschmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Jan 2023 14:52:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[BÜCHER]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Lieber Nils, ich habe dich in Mülheim bei Viva la Gender im Gespräch mit Alexandra Zykunov und Anne Dittmann zum ersten Mal gesehen und war danach sehr neugierig auf dein Buch &#8222;Lebenskompliz*innen&#8220;. Ich bin selbst alleinerziehende Mutter und aktuell Single. Warum kann Lebenskompliz*innen auch für Menschen interessant sein, die gerade nicht in einer Partnerschaft leben? [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[		<div data-elementor-type="wp-post" data-elementor-id="3635" class="elementor elementor-3635" data-elementor-post-type="post">
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									<p></p>
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lieber Nils, ich habe dich in Mülheim bei <a href="https://vivalagender.de/" target="_blank" rel="noopener">Viva la Gender</a> im Gespräch mit Alexandra Zykunov und <a href="https://solomuetter.de/kolumne/">Anne Dittmann</a> zum ersten Mal gesehen und war danach sehr neugierig auf dein Buch <a href="https://www.beltz.de/sachbuch_ratgeber/produkte/details/47361-lebenskomplizinnen.html" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Lebenskompliz*innen&#8220;</a>. Ich bin selbst alleinerziehende Mutter und aktuell Single. Warum kann Lebenskompliz*innen auch für Menschen interessant sein, die gerade nicht in einer Partnerschaft leben?</strong></p>
<p>In einer Lebenskompliz♡innenschaft geht es um Liebe und Liebe beschränkt sich glücklicherweise nicht nur auf eine aktuelle Paarbeziehung. Ich habe Liebe für meine Kinder, für meine Eltern und Geschwister, für Freundinnen und Freunde. In meinem Buch geht es darum, wie man für Liebe einen tragfähigen, belastbaren Rahmen schaffen kann, damit sie funktioniert und wachsen kann. Die Frage stellt sich nicht nur für Paarbeziehungen.</p>
<p><strong>Ist dein Buch als Ratgeber für gleichberechtigte Partnerschaften zu verstehen oder wie würdest du es definieren?</strong></p>
<p>Ich würde es nicht als Ratgeber sehen, obwohl ich darin Rat gebe. Das Buch ist ein Nachdenken darüber, warum gleichberechtigte Liebe notwendig ist. Was sie ausmacht, was sie verhindert, wie sie realisiert werden kann. Es ist nicht zuletzt auch aus einem Defizitgefühl entstanden: Ich habe zu dem Thema kein einziges Buch gefunden, obwohl das Thema viele umzutreiben scheint. Es gibt viele gute und wichtige Wissenssplitter in vielen guten und wichtigen Büchern. Aber immer nur als Nebenthema, nie als Hauptsache.</p>
<p><strong>Ich habe von dir ein neues Wort gelernt Limerenz. Kannst du unseren Leser*innen einmal erklären, was damit gemeint ist?</strong></p>
<p>Limerenz ist der Fachbegriff für die unfreiwillige, obsessionsnahe Verliebtheit, die viele von uns gerade in den frühen Phasen einer Beziehung erleben. Dafür haben wir auch viele umgangssprachliche Formulierungen: Verknallt sein, durch die rosarote Brille sehen, sich in der Honeymoon-Phase befinden, Schmetterlinge im Bauch haben. Romeo und Julia – das ist Limerenz. Diese Phase kann bis zu drei Jahren anhalten und ähnelt einem Drogenrausch. Sie veranlasst und belohnt uns dafür, dass wir uns überhaupt auf jemanden einlassen, über den oder die wir eigentlich viel zu wenig wissen. Wir binden enorme Ressourcen an eine Person ohne vorher sagen zu können, ob es das wert ist. Limerenz hilft uns dabei, indem sie die entsprechende Person in das bestmöglichste Licht taucht. </p>
<p><strong>Heißt das im Umkehrschluss, dass man eigentlich erst nach mindestens drei Jahren sagen kann, ob eine Partnerschaft wirklich die Chance hat zu halten?</strong></p>
<p>Limerenzphasen sind Stützräder für unsere Liebesbeziehungen. Ob wir auch ohne Stützräder vorankommen, finden wir tatsächlich erst danach und ganz allmählich heraus. Manche Menschen wollen das nicht. Sie stürzen sich von einer Limerenzphase in die nächste, weil dieser rauschhafte, stützradgesicherte Zustand ihnen besser gefällt als das, was ich Liebe nennen würde.</p>
<p><strong>Was ist Liebe? Du hast da ja eine sehr eigene Definition gefunden.</strong></p>
<p>Das war wirklich schwierig. Liebe hat zahlreiche Definitionen und Dimensionen. Einerseits muss ich das abbilden, andererseits komme ich in einem Buch über Liebe nicht ohne eine klare Definition derselben aus. Ich muss mich ja mit meinen Leser*innen darüber verständigen, wovon wir hier reden. Am Ende habe ich mich dafür entschieden, Liebe als Sehnsucht danach und Bemühen darum zu definieren, sich gegenseitig ineinander zu beheimaten. Diese Definition mag zunächst esoterisch oder nebulös klingen, funktioniert aber erstaunlich gut. Nicht zuletzt auch dann, wenn wir von etwas anderem sprechen als romantischer Liebe.</p>
<p><strong>Du sprichst in Lebenskompliz*innen von vier Ws, die aus deiner Sicht essenziell für eine Beziehung auf Augenhöhe sind. Was verbirgt sich dahinter?</strong></p>
<p>Wohlwollen. Wahrhaftigkeit. Wissbegier. Wandelbarkeit.</p>
<p>Wohlwollen, weil es darauf ankommt, nach Kräften alles dafür zu tun, zu Gunsten des Herzensmenschen zu rechnen. Sein Verhalten nicht zu skandalisieren, mein Verhalten nicht zu idealisieren. Sich in Wohlwollen zu halten, ist die zentrale Aufgabe von Liebesbeziehungen.</p>
<p>Wahrhaftigkeit, weil es um die Offenbarung meiner Bedürfnisse und meiner Identität vor mir und meinem Herzensmenschen geht. Wahrhaftigkeit sorgt nicht dafür, dass mir alle Wünsche erfüllt werden. Aber den Fragen, ob ich beispielsweise Kinder möchte, wie viel ich im Haushalt zu tun gedenke und ob ich auf einen Dreier scharf bin, sollte ich mit Wahrhaftigkeit begegnen. Andernfalls führen nicht wir unsere Beziehungen, sondern Abziehbilder, die wir glauben sein zu müssen beziehungsweise von dem Herzensmenschen annehmen.</p>
<p>Wissbegier, weil ich neugierig darauf bleiben sollte, wie sich meine Beziehung und mein Herzensmensch entwickeln. Wenn mich das irgendwann nicht mehr interessieren sollte.</p>
<p>Und Wandelbarkeit, weil alles dem Wandel unterliegt. Menschen ändern sich. Also gilt es jeden Tag aufzustehen und sich neu füreinander zu bestimmen.</p>
<p><strong>Und dann noch die Frage: Wie wichtig ist 50/50 für eine gleichberechtigte Partnerschaft? Kannst du das vielleicht auch mal in einem persönlichen Beispiel erläutern?</strong></p>
<p>50/50 in dem Sinne, dass alle in gleicher Anzahl das Gleiche tun, gibt es nicht. Wir sind unterschiedliche Menschen und unterliegen Zwängen, die 50/50 unmöglich machen. Gerade deshalb sind Gleichberechtigung und Fairness so wichtig. Ich habe während des Schreibens meines ersten Buches meine vier Kinder alleine betreut, weil meine Lebenskomplizin in einer anderen Stadt einen neuen Job angefangen hat. 50/50 würde bedeuten, dass ich jetzt meine 9 Monate bekomme. Ich will das gerade aber gar nicht. Und unsere Lebenssituation gibt das auch nicht her. Was ich brauche, ist Wertschätzung. Ausgleich. Dafür bedarf es Kommunikation. Um nicht zu sagen Verhandlungen. Eine der größten Gemeinheiten, die romantische Liebe à la Hollywood uns antut, ist die Behauptung, alles würde und müsste sich wie von selbst ergeben, wenn man sich nur genug liebt. Das ist eine Lüge. Unsere Liebe braucht einen Ort, den wir für sie erschaffen müssen. Sie lebt in keinem versprochenen Schloss. Sie wohnt in der Bruchbude, die wir für sie zusammenzimmern. Nur wenn wir das wissen, können wir in Gleichberechtigung die schönstmögliche, sicherste Bruchbude für sie bauen.</p>
<p><strong>Du sagst, dass Eltern mit einer Mammutherde an Aufgaben konfrontiert werden, sobald Kinder kommen. Was bedeutet dies für &#8222;berufstätige Mütter&#8220; und &#8222;Familienväter&#8220;?</strong></p>
<p>Zum einen, dass es an sich schon ein unfassbarer Kraftakt ist. Zum anderen, dass die vorherrschenden Geschlechterrollen diesen Kraftakt noch schwieriger machen. Es hat ja einen Grund, warum du nicht von „berufstätigen Vätern“ und „Familienmüttern“ sprichst. Gerade für Elternliebespaare ist Lebenskompliz♡innenschaft unerlässlich. Sie sind mehr denn je auf die vier Ws angewiesen, aber insbesondere Wohlwollen ist rar gesät. Deshalb ist es angebracht, vor einer Elternschaft so viel wie möglich Beziehungsarbeit schon geleistet zu haben. Natürlich wird man damit nie fertig. Und selbstverständlich gibt es viele Dinge, auf die man sich nicht vorbereiten kann. Aber gerade deshalb sollte man alles in die Waagschale werfen, um vor der Elternschaft einander Heimat zu sein.</p>
<p><strong>Auf unserer Plattform lesen auch einige Menschen mit, die kurz vor einer Trennung stehen oder sich zumindest mit der Möglichkeit einer Trennung auseinandersetzen. Gibt es dazu auch Informationen in deinem Buch? Hast du ein mögliches Trennungsszenario auch für dich und deine Partnerin einmal durchdacht?</strong></p>
<p>Gerade weil ich meine Lebenskomplizin sehr liebe, beschäftige ich mich damit. Eine Trennung wäre furchtbar für mich. Ich kenne sie, seit wir Kinder waren. Sie ist die Mutter meiner vier Kinder, meine beste Freundin und mein Lieblingsmensch. Das ändert nichts daran, dass diese Beziehung irgendwann vorbei sein könnte. Das wäre sehr grauenhaft und sehr normal. Ich kann auch für diesen Fall nur daran arbeiten, ihn möglichst gleichberechtigt zu meistern. Wenn ich meine Lebenskomplizin nicht mehr liebe und die Beziehung beenden möchte, würde ich nicht wollen, dass sie mich hält. Ich würde nicht wollen, dass sie die Kinder gegen mich aufwiegelt, mich schlecht macht und mir Steine in den Weg legt. Also gestehe ich ihr das Gleiche zu. Das ist natürlich alles nur graue Theorie und Absprache – aber mehr ist sowieso nicht drin.</p>
<p><strong>Aber nun auch noch einmal zurück zu meiner Situation. Was würdest du mir in puncto Dating raten? Wie kann ich erkennen, ob mit einem Gegenüber eine Lebenskompliz*innenschaft möglich werden könnte? Gibt es Grundvoraussetzungen?</strong></p>
<p>Auch hier helfen die vier Ws. Ist der Mensch, auf den ich treffe, wissbegierig? Will er wirklich wissen, wer ich bin, was mich antreibt und wohin ich möchte, oder sind ihm diese Informationen nur Mittel zum Zweck? Erträgt dieser Mensch Wandel oder wird er dadurch eher verunsichert? Ist er sich selbst und mir gegenüber wahrhaftig? Können wir gemeinsam verletzlich sein? Und vor allem: Verhält sich dieser Mensch mir gegenüber wohlwollend? Wenn all das zutrifft, sind das ziemlich gute Voraussetzungen dafür, sich jenseits des aufregenden Limerenzgefühls gegenseitig ineinander zu beheimaten.</p>
<p><strong>Was mich außerdem noch interessiert: Wie bist du ganz persönlich eigentlich auf die Themen Gleichberechtigung und Feminismus gestoßen? Du hast ja auch lange für Pinkstinks gearbeitet. War das eine bewusste Entscheidung oder ein eher organischer Prozess?</strong></p>
<p>Beides. Im April 2023 erscheint mein neues Buch. Es heißt <a href="https://www.rowohlt.de/buch/nils-pickert-er-ihm-9783499009358" target="_blank" rel="noopener"><strong>er/ihm</strong></a> und handelt genau davon. Es gibt nicht den einen, es gibt viele Gründe dafür.</p>
<p><strong>Was bringt dir als Mann dieses Engagement und was erhoffst du dir perspektivisch davon?</strong></p>
<p>Freiheit. Nichts weniger. Es gibt einen altmodischen Spruch, den man früher gerne Mädchen an den Kopf geworfen hat, die etwas burschikoser aufgetreten sind: „An dir wäre ein Junge verloren gegangen.“ Meine Arbeit mit Männern besteht zum größten Teil darin, ihnen klarzumachen, dass an ihnen ein Junge verloren ist. Nämlich der, den sie aufgeben mussten, um vor anderen und sich selbst als Mann zu gelten. Mit was für tollen und großartigen Männern unsere Welt bevölkert wäre, wenn wir ihnen nicht die Jungen wegnehmen würden, die zärtlich sind, freundlich, liebevoll, schutzbedürftig und aufgeschlossen. Ich habe in meinem Leben mehr als einen Mann getroffen, der seine Liebe verloren hat, weil er nicht gemerkt hat, wie abfällig, mauernd, starr und desinteressiert er sich verhalten hat. Einfach weil er davon ausgegangen ist, dass dieses Verhalten zu ihm und seiner Geschlechtsidentität gehört. Mein Job ist es, dazu einen Gegenvorschlag zu machen.</p>
<p><strong>Danke, Nils. Dein Buch und dieses Gespräch waren super. Ich habe einiges dazugelernt und viele Denkanstöße bekommen. &#8222;Lebenskompliz*innen&#8220; hat mich außerdem darin bestätigt, dass meine letzten Beziehungsversuche nicht das Potential für gegenseitige Beheimatung hatten und es richtig war, sich aus diesen irgendwann zurückzuziehen. Es ist toll zu sehen, dass es auch immer mehr Männer gibt, die sich für Gleichberechtigung und feministische Themen einsetzen — und davon auch glauben, profitieren können.</strong></p>
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					<div class="elementor-image-box-wrapper"><figure class="elementor-image-box-img"><a href="https://www.beltz.de/sachbuch_ratgeber/produkte/details/47361-lebenskomplizinnen.html" tabindex="-1"><img loading="lazy" decoding="async" width="320" height="503" src="https://solomuetter.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Nils-Pickert.jpeg" class="attachment-full size-full wp-image-3644" alt="" srcset="https://solomuetter.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Nils-Pickert.jpeg 320w, https://solomuetter.de/wp-content/uploads/2022/12/Cover-Nils-Pickert-191x300.jpeg 191w" sizes="(max-width: 320px) 100vw, 320px" /></a></figure><div class="elementor-image-box-content"><h3 class="elementor-image-box-title"><a href="https://www.beltz.de/sachbuch_ratgeber/produkte/details/47361-lebenskomplizinnen.html">Nils Pickert | Lebenskompliz*innen</a></h3><p class="elementor-image-box-description"><b>Liebe auf Augenhöhe</b><br><br>
Paperback, 288 Seiten<br>ISBN: 978-3-407-86706-3<br>EUR 19,00 (D)<br><br>

Liebe ohne Augenhöhe ist möglich, aber sie hat keine Zukunft. Mit dieser These seziert der Autor und Feminist Nils Pickert den Zusammenhang zwischen Liebe und Gleichberechtigung. Dieses Buch ist ein Frontalangriff auf die romantische Liebe mit dem Ziel, die Liebe zu retten. Ein radikales Buch, das ungeschminkte und berührende Einsichten in den Alltag von Beziehungen bietet. Und ein versöhnliches Buch, das zeigt, wie gleichberechtigte Liebe durch Lebenskompliz*innenschaft gelingen kann.<br><br>

Was genau bedeutet es, auf Augenhöhe zu lieben? Das Bild der romantischen Liebe geht im Kern vieler Bücher, Filme, Songs oder Statements in den sozialen Netzwerken nämlich immer noch von Ungleichheit aus. Dieser Ungleichheit hält Nils Pickert das Konzept der gleichberechtigten Lebenskompliz*innenschaft entgegen, die Romantik frei von Klischees zulässt. Er hinterfragt, welche Rolle Sex, Geld, Kinder, Karriere und unterschiedliche Bedürfnisse dabei spielen. Ein tabuloses Buch zur eigenen Standortbestimmung.
<br></p></div></div>				</div>
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					<p class="elementor-heading-title elementor-size-default">Von Sara Buschmann</p>				</div>
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		<title>Interview mit Caroline Uhl</title>
		<link>https://solomuetter.de/2022/10/20/interview-mit-caroline-uhl/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sara Buschmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Oct 2022 13:40:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[BÜCHER]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Alleinerziehend zu sein und sich dabei selbst nicht aus dem Blick zu verlieren, ist schwer. Die Psychologin und alleinerziehende Mutter Caroline Uhl kennt dies aus eigener Erfahrung. Mit ihrem ersten Buch „Wer bin ich, wenn ich nicht alleinerziehend bin?“ möchte die Kölnerin deshalb Frauen ermutigen, sich – fernab toxischer Positivität – mit den richtigen Fragen [&#8230;]</p>
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					<h1 class="elementor-heading-title elementor-size-default">Interview mit Caroline Uhl</h1>				</div>
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									<p></p>
<p class="p1 wp-block-paragraph"><b>Alleinerziehend zu sein und sich dabei selbst nicht aus dem Blick zu verlieren, ist schwer. Die Psychologin und alleinerziehende Mutter Caroline Uhl kennt dies aus eigener Erfahrung. <br /></b></p>
<p class="p1"><b>Mit ihrem ersten Buch <a href="https://www.knesebeck-verlag.de/wer_bin_ich_wenn_ich_nicht_alleinerziehend_bin/t-1/1107">„Wer bin ich, wenn ich nicht alleinerziehend bin?“</a> möchte die Kölnerin deshalb Frauen ermutigen, sich – fernab toxischer Positivität – mit den richtigen Fragen zu beschäftigen. Durch ihre psychologische Expertise zeigt sie praxisnah, an welchen Stellschrauben Mütter drehen können, um sich selbst wieder mehr in den Fokus zu rücken und eigene Freiräume zu schaffen.<br /></b></p>
<p class="p1"><b>Unsere Gründerin Sara wollte mehr dazu wissen und hat mit Caroline zu ihrem neuen Buch gesprochen.</b></p>
<p><strong>Liebe Caroline, warum und für wen hast du dieses Buch geschrieben?</strong></p>
<p>Ich war zu Beginn meiner Mutterschaft unglaublich überfordert und habe mich als Alleinerziehende nicht gesehen gefühlt. Von Ratgebern hatte ich mich bewusst distanziert, da mir diese immer noch mehr Druck auferlegten. Vielmehr brauchte ich ein Ventil und das fand ich im Schreiben. Ich habe alle meine Gefühle runtergeschrieben und das direkt in meinen Krisenmomenten. In der Retrospektive konnte ich dann als Psychologin analysieren, was da ablief, eigene Konzepte entwickeln und ausprobieren. </p>
<p>Ich habe das Buch also zuerst einmal für mich, aber dann auch für andere Solo-Mütter geschrieben. <a href="https://www.knesebeck-verlag.de/wer_bin_ich_wenn_ich_nicht_alleinerziehend_bin/t-1/1107">&#8222;Wer bin ich, wenn ich nicht alleinerziehend bin?&#8220;</a> ist eigentlich für alle, die sich in ihrer Situation alleine fühlen. Ich wollte etwas schreiben, das leicht zu lesen ist. Ein Buch, in dem jede Seite einen Mehrwert bietet und in dem man sich zuhause fühlen kann. Ich wollte die negativen Dinge auf den Punkt bringen, ungeschönt, und gleichzeitig auch die Chancen für die eigene Entwicklung aufzeigen. Mein großes Ziel ist es, mit dem Buch den Druck rauszunehmen und Wege aufzuzeigen, um die eigenen Freiheitsgrade wieder sichtbarer zu machen.</p>
<p><strong>Du sagst, dass deine Botschaft nicht politisch sein soll. Was meinst du damit genau?</strong></p>
<p>Ich finde politische Arbeit super wichtig und bin sehr dankbar für jeden, der sich engagiert. Und ich hoffe wirklich, dass die politische Lage besser wird. Solange das aber nicht so ist, möchte ich mit Frauen gemeinsam Wege finden, schwierige Phasen gut durchzustehen und auf die eigenen Füße zu kommen. </p>
<p>Ich denke, jeder hat seine Stärken und sein Ventil. Mein Ventil ist das Schreiben und allgemein meine psychologische Arbeit. Deshalb sehe ich es als meine Aufgabe, genau diese Stärken zu nutzen. Ich wollte etwas schaffen, bei dem es wirklich nur um uns geht: Einen Ort, an dem wir als Alleinerziehende und unsere Bedürfnisse wichtig sind, niemand sonst.</p>
<p>Zudem trotze ich gerne dem System. Ich nenne das immer: Schach mit dem System spielen. So mache ich aus etwas sehr Schwerem etwas Spielerisches. Wenn mir also jemand sagt: &#8222;Alleinerziehende können das nicht&#8220;, dann ist es mein Ansporn Wege zu finden, es doch zu tun. So war ich schon immer. Raus aus der Opferrolle.</p>
<p>Wir vergessen oft unsere Freiheitsgrade und werden unkreativ, weil wir nur die Probleme sehen. Auf eine Türe zu hämmern, die gerade einfach nicht aufgeht, versperrt manchmal den Blick auf zehn andere Türen und das ist verdammt schade.</p>
<p><strong>Was liegen deiner Erfahrung nach die größten Herausforderungen und Stolpersteine, denen Alleinerziehende begegnen?</strong></p>
<p>Für mich sind das hauptsächlich die ganzen Zusatzbelastungen: Dazu gehört zum Beispiel das Verarbeiten der Trennung oder des Verlusts, der Stress mit dem Ex, ggf. Gespräche mit dem Jugendamt oder das Gefühl versagt zu haben und die damit einhergehende Scham. Hinzu kommen aber natürlich auch alltägliche Dinge und Sorgen wie etwa: Was mache ich, wenn ich selbst einmal krank werde und auf wenig Unterstützung bauen kann? Wo finde ich generell Hilfsangebote? Auch finanzielle Sorgen sind wichtiger Aspekt. Die große Frage ist meist: Wie stelle ich mich neu auf, wenn ich eigentlich gar keine Zeit dafür habe?</p>
<p><strong>Wo denkst du ist der größte Handlungsbedarf, um die Lebensrealität von Alleinerziehenden zu verbessern?</strong></p>
<p>Ich finde es wichtig, gemeinsam das Thema &#8222;Alleinerziehend&#8220; sichtbarer zu machen und an einer Entstigmatisierung zu arbeiten – persönlich und gesellschaftlich. Wir als Gesellschaft sollten uns mit den Vorurteilen auseinandersetzen, aber auch Alleinerziehende selbst dürfen sich mit ihren eigenen Vorurteilen beschäftigen. Nicht selten quetschen wir uns in ein viel zu enges Korsett.</p>
<p>Auch politisch muss sich natürlich noch viel ändern, beispielsweise in Bezug auf Kinderbetreuungsangebote und finanzielle Unterstützung.</p>
<p>Und es müsste ein Umdenken bei Dienstleistern und Institutionen stattfinden. Als ich selbst begann erste Angebote für Alleinerziehende zu schaffen, wurden diese kaum genutzt. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es wichtig ist, zu spiegeln, welche Angebote es gibt und ob diese wahrgenommen werden oder nicht. Wir müssen uns fragen: Was ist wirklich umsetzbar und was ist vergeudete Zeit für alle? Diese Erkenntnisse sollten wir dann gemeinsam nutzen, um bessere, passendere Angebote für Alleinerziehende zu schaffen. </p>
<p><strong>Alleinerziehend zu sein bringt vor allem viele Herausforderungen mit sich. Welche Chancen siehst du denn, die vielleicht auf den ersten Blick nicht ersichtlich sind?</strong></p>
<p>Ich sehe die Chance, sich selbst wirklich kennenzulernen und die Möglichkeit an der wertvollsten Beziehung in deinem Leben zu arbeiten – nämlich an der Beziehung zu dir selbst. Wir Alleinerziehenden müssen uns oft komplett neu ausrichten, unsere Weltbilder von der Wand abhängen und so viel mehr leisten, was unglaublich schmerzt. Allerdings vergessen viele oft, dass eine leere Wand Platz für neue Bilder hat. Wir dürfen kreativ werden, neue Bilder malen und unsere Wand schmücken.</p>
<p>Außerdem müssen Alleinerziehende im Laufe der Zeit unglaubliche Ressourcen entwickeln, um mit Ungewissheit, Wandel und Innovationen umzugehen, in vielen Bereichen – so auch im Job – können diese Ressourcen Gold wert sein. Denn wir dürfen nicht vergessen: Wir führen jeden Tag Menschen mit sehr hohem Widerstand, löschen Brände, erfinden uns neu und sind unglaublich gut darin, mit dem Unerwarteten umzugehen – wenn das keine guten Voraussetzungen sind, weiß ich es auch nicht.</p>
<p>Meiner Meinung nach, müssen wir daher mit den anderen mithalten, sondern sie mit uns (und hier brauchen wir natürlich auch wieder die Politik). Mir ist wichtig, dass wir das erkennen, unsere &#8222;Systemrelevanz&#8220; wahrnehmen und nicht warten, bis die anderen soweit sind. Wir haben vielen steifen, bürokratischen (wirtschaftlichen) Strukturen einiges voraus und unser Wert ist eben nicht von anderen abhängig.<br /> <br />Ein weiterer positiver Punkt ist für mich, dass ich nun für das größte Abenteuer meines Lebens nicht mehr weit reisen muss seit ich alleinerziehende Mutter bin 😊.</p>
<p><strong>Wie schaffst du es denn persönlich, dein eigenes Muttersein, deine Selbstständigkeit, deine neu eröffnete Praxis und deine eigenen Bedürfnisse unter einen Hut zu bekommen?</strong></p>
<p>Ich plane sehr bedürfnisorientiert und vorausschauend. Viele Tools dazu gibt es in meinem Buch und in einem von mir selbst gestalteten Jahresplaner, der mit dem Buch erscheinen wird. Ich mache immer erst einen grobe Monatsübersicht und plane z.B. auch meinen Zyklus ein. Leider werden die Wunder der Weiblichkeit noch viel zu selten genutzt, obwohl sie so viel Potenzial haben. Dann schaue ich, wann gute Tage für schwierige Termine sind und an denen vereinbare ich dann zum Beispiel Telefonate mit dem Jugendamt. Ansonsten sind meine Tage unter der Woche in drei Hälften unterteilt. Bis 14 Uhr arbeite ich sehr konzentriert und führe auch keine unnötigen Telefonate. Dann hole ich meinen Sohn ab und verbringe den Nachmittag mit ihm. Hausarbeitssachen machen wir dann oft zusammen und treffen uns ansonsten viel mit Freunden. Wenn der Kleine im Bett ist, ist Me-Time. Ich will oft Sport machen, schaffe es aber fast nie. Meist lande ich auf der Couch oder bekomme noch Besuch von Freunden (weil ich ja nie selbst raus kann). Mir ist bewusst, dass der letzte Fitzel Energie am Ende des Tage nicht gerade Quality Time bedeutet, aber ich gestehe mir hier zu, nichts Produktives mehr zu machen.</p>
<p>Mich besuchen auch oft Freunde aus dem Ausland und bringen so andere Kulturen in meinen Haushalt. Davon profitiert natürlich auch mein Sohn, denn ich kann ihm die Welt zeigen ohne viel reisen zu müssen.</p>
<p>Wichtig ist mir bei allem, mich mit meinen eigenen Anforderungen nicht zusätzlich unter Druck zu setzen und mir hauptsächlich das Leben leichter zu machen. Wir dürfen aus dem Status Quo ausbrechen und das macht Spaß.</p>
<p><strong>Wird es dir auch manchmal alles zu viel? Was hilft dir dann am meisten?</strong></p>
<p>Ja klar!</p>
<p>Mir hilft:</p>
<p>1. Mir bewusst zu machen, dass Überforderung meist mit Erschöpfung zusammenhängt und dann auf meine Bedürfnisse zu hören und mich auch mal in der Arbeitszeit hinzulegen.</p>
<p>2. Mir bewusst zu machen, dass „alles im Griff zu haben“ ein Gefühl und kein Zustand ist und dass ich, nur weil es sich gerade so anfühlt, nicht zwangsweise alles aus dem Ruder läuft.</p>
<p>3. Vertrauen in mich zu haben, mit mir selbst zu reden und mir auch mal das eigene Drama zu gönnen: &#8222;Komm Caro, wie oft warst du schon in so einer Situation und wie oft war das Drama nur kurz und dann alles wieder cool.&#8220;</p>
<p>4. Mich nicht durch die Situation zu zwingen, sondern aufzuhören. Natürlich mit dem Wissen, dass es endet und ich danach produktiver bin und das meist locker aufhole.</p>
<p><strong>Welchen Rat würdest du deinem jüngeren Ich geben, welchen Rat hättest du im Rückblick gerne bekommen?</strong></p>
<p>Gute Frage! Ich glaube ich hätte gerne alle vorherig genannten Tipps bekommen – plus das Wissen, dass es auch mal ok und normal ist, das Muttersein uncool und verdammt sch** zu finden, weil man eben erschöpft, überfordert, genervt und fremdbestimmt ist.</p>
<p>Ein weiterer Rat wäre: Hör auf in Extremen zu denken. Du brauchst kein ABER, verwende lieber ein UND. Denn etwas kann absolut doof sein und gleichzeitig gut. Nichts sollte durch ein ABER klein gemacht werden. Weder etwas Negatives noch etwas Positives. Es darf und muss alles sein. Die Vielfalt der Emotionen ist toll: Lass sie zu! Wir vergessen, dass auch negative Emotionen eine tolle Ressource sein können. Stör sie nicht bei ihrer Arbeit.</p>
<p>Mein Fazit ist: Mein Leben als Alleinerziehende ist verdammt schwer und trotzdem habe ich einen Weg gefunden, mich damit total gut, intakt und glücklich zu fühlen. </p>
<p><strong>Danke, Caro, das ist ein guter Schlusssatz. Aus meiner Sicht ist es stets ein schmaler Grat das richtige Level zwischen äußeren Umständen und dem eigenen Selbst zu finden. Mir ist im Rahmen dieser Diskussion immer wichtig, darauf hinzuweisen, dass es Situationen und Lebensrealitäten gibt, in denen Selbstermächtigung allein nicht helfen wird. In diesen Fällen ist es unabdingbar, dass Politik und Gesellschaft entlasten, unterstützen und auffangen. Deine Gedanken &#8222;Raus aus der Opferrolle, zeige deinen Wert!&#8220; unterstreiche ich aber. Wir Alleinerziehenden dürfen fordern – von uns selbst und eben auch von allen anderen.</strong></p>
<p></p>								</div>
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Über zwei Millionen Frauen in Deutschland sind alleinerziehend. Die Psychologin Caroline Uhl ist eine von ihnen. Deshalb beschäftigt sie sich mit der Frage: "Wer bin ich, wenn ich nicht alleinerziehend bin, und wie kann ich diese Identität mit dem Alleinerziehendsein vereinen?" <br><br>Die Mammutaufgabe alleinerziehend zu sein sorgt dafür, dass viele Mütter ihre persönlichen Bedürfnisse, Ziele und Träume hinten anstellen. Die eigenen Erfahrungen, Glaubenssätze und die Gesellschaft hindern oft daran, aus unangenehmen Situationen auszubrechen. Authentisch und nah beschreibt Caroline ihre eigenen Erfahrungen und Gefühle und bestärkt dadurch andere Frauen darin, ihren eigenen Weg zu finden.
<br></p></div></div>				</div>
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					<p class="elementor-heading-title elementor-size-default">Von Sara Buschmann</p>				</div>
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		<title>Interview mit Katja Kullmann</title>
		<link>https://solomuetter.de/2022/09/26/katja-kullmann/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sara Buschmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 Sep 2022 13:13:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[BÜCHER]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>DIE SINGULÄRE FRAU ist eines der besten Bücher, die ich bislang in diesem Jahr gelesen habe. Schon nach den ersten zwei Seiten begann ich, einzelne Stellen anzustreichen, weil ich die jeweiligen Sätze und Gedanken nicht wieder vergessen wollte. Oft habe ich mich so sehr in den Beschreibungen der Autorin Katja Kullmann wiedergefunden, dass es manchmal [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[		<div data-elementor-type="wp-post" data-elementor-id="2892" class="elementor elementor-2892" data-elementor-post-type="post">
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									<p></p>
<p class="p1 wp-block-paragraph"><b><span class="s1">DIE SINGULÄRE FRAU ist eines der besten Bücher, die ich bislang in diesem Jahr gelesen habe. Schon nach den ersten zwei Seiten begann ich, einzelne Stellen anzustreichen, weil ich die jeweiligen Sätze und Gedanken nicht wieder vergessen wollte. Oft habe ich mich so sehr in den Beschreibungen der Autorin Katja Kullmann wiedergefunden, dass es manchmal fast ein bisschen weh tat. Denn: Wenn ich wie die Frau(en) in diesem Buch bin oder fühle, würde das ja bedeuten, dass auch ich eine „singuläre Frau“ wäre…  </span></b></p>
<p class="p1"><b>Aber eins nach dem anderen: Liebe Katja, erklär’ doch mal bitte, was das überhaupt ist, eine „singuläre Frau“. Wie bist du auf diese Begrifflichkeit gekommen und was bedeutet sie?</b></p>
<p class="p3">Je länger ich schon ohne Partnerschaft lebte, desto öfter stieß ich mich am Begriff &#8222;Single&#8220;. Ich wollte nie so genannt werden, konnte mich nicht damit identifizieren – und fragte mich eines Tages, woran das liegt. Das Bild der &#8222;Single&#8220;-Frau ist bis heute geprägt von einer ganzen &#8222;Single&#8220;-Industrie, von Dating-Apps oder TV- und Kino-Figuren wie Bridget Jones, Carrie Bradshaw oder Ally McBeal. Die sind alle erfolgreich im Job, <i>weiß,</i> hübsch, Anfang 30<span class="Apple-converted-space">  </span>– und obwohl es ihnen gut geht, hetzen sie wie angestochene Hühner durch die Gegend, um ihren &#8222;Mr. Right&#8220; oder &#8222;Mr. Big&#8220; zu finden, bevor ihre eigene Attraktivität auf dem Partnerschaftsmarkt womöglich schwindet.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p3">Diese Karikaturen der alleinlebenden Frau sind nun schon ein Vierteljahrhundert alt, sie haben kaum etwas mit meinem Lebensgefühl oder Selbstverständnis zu tun – und ich fand schnell einige soziologische Studien, die belegen, dass auch andere Solistinnen sich an diesem veralteten Wort stören, vor allem, wenn die Frauen über 30 sind. Die &#8222;Single-Frau&#8220; ist im Prinzip eine ewig Suchende – sie scheint sich nicht ganz fertig, nicht komplett und irgendwie unglücklich zu fühlen, sie wäre insgeheim lieber eine andere: eine Frau &#8222;in festen Händen&#8220;. Im Buch frage ich mich: &#8222;Und was, wenn man nicht suchte, sondern bloß lebte?&#8220;</p>
<p class="p3">Wichtig ist: Nicht jede Solistin ist freiwillig ins Alleinleben gerutscht, manche wurden brutal verlassen oder hatten nie die Chance, eine:n Partner:in zu finden – die Wege sind sehr unterschiedlich, es sind keineswegs immer nur Jubelstorys. Aber viele lernen das Alleinsein früher oder später auch zu schätzen, werden selbstbewusster, wählerischer, freier. Jede hat ihre eigene Geschichte, ist sozusagen ihr eigenes Kunstwerk, jede auf ihre Art einzigartig – ein &#8222;singulärer Fall&#8220;. Ich wollte die Lebensrealität dieser Frauen auf andere Art ins Gespräch bringen und ihnen, und auch meiner eigenen Lebensweise, einen schöneren, schillernderen Begriff gönnen. Voilà: So entstand &#8222;Die Singuläre Frau&#8220;.</p>
<p> </p>
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<p> </p>
<p class="p1"><b>Böse Zungen könnten jetzt behaupten, dass es dir vermutlich schon von jeher an passenden Gelegenheiten mangelte, Männer kennenzulernen. Aber nein: Du schreibst „Ich habe Schlag bei Männern“ und „Ich bin der Beziehungstyp“. Wie kommt es denn dann zum Alleinstehenden-Dasein?</b></p>
<p class="p3">Wie so viele Frauen habe auch ich mich nie bewusst fürs Alleinleben entschieden, es gab keinen Plan dazu, es war kein Programm, das ich mir zurecht gelegt hatte, eher im Gegenteil: Von meinem 16. bis zu meinem 35. Lebensjahr war ich ohne Pause fest und dauerhaft liiert, meine längste Beziehung, sie war fast eheähnlich, dauerte 10 Jahre. Als die dann vorbei war, beschloss ich, erst einmal für eine Weile ohne Partner zu bleiben, um mich zu regenerieren von all dem Pärchenstress – den Missverständnissen, immer gleichen Diskussionen, auch von den Enttäuschungen.</p>
<p class="p3">Kaum lebte ich dann &#8222;ohne&#8220;, ging mir sehr schnell auf, dass ich mich viel wohler fühlte – als ob eine Last von meinen Schultern gefallen wäre. Ich entdeckte mit Mitte 30 eine<span class="Apple-converted-space">  </span>aufgeschlossenere, unternehmungslustigere, entspanntere mutigere, vielleicht euch eigenwilligere Frau in mir – es war ein bisschen wie ein &#8222;Coming-out&#8220; vielleicht. Und ich bemerkte schnell, dass ich eine regelrechten Widerwillen entwickelte, mich wieder fest mit einem Mann einzulassen, mich an X oder Y zu binden. So wurden aus der &#8222;Übergangsphase&#8220; rasch ein paar Jahre, bis ich feststellte: Hoppla, offenbar habe ich ein Lebensmodell gefunden, das mir sehr gut taugt – ohne dass ich es mir je so vorgestellt hatte. Huch, was ist denn da passiert?</p>
<p class="p1"><b>Also kann man Liebe tatsächlich „verlernen“? Oder ist es vielleicht auch eine bewusste Entscheidung, sie nicht mehr in das eigene Leben zu lassen?</b></p>
<p class="p3">Interessanterweise geht es vielen Geschiedenen offenbar ähnlich wie mir. In meiner Recherche zeigte sich jedenfalls, dass viele Frauen erst in der Mitte ihres Lebens, erst ab 40 ungefähr, nach einer gescheiterten Ehe oder x Versuchen, mit einem Mann zusammenzuleben, auf ähnliche Gedanken kommen: &#8222;Danke, ich hatte meine Erfahrungen, jetzt reicht&#8217;s, ich will das nicht noch mal alles von vorne, diesen Krampf – alleine geht es mir doch eigentlich ziemlich gut.&#8220;</p>
<p class="p3">Neben diesen etwas gereifteren Frauen, die schon viel Zeit hatten, ihre eigene Persönlichkeit gut kennenzulernen und ihre Erfahrungen zu machen, fielen mir jetzt aber auch viele sehr junge Stimmen auf, die von vorneherein skeptisch auf das heterosexuelle Pärchenwesen blicken. Etwa Laurie Penny oder die Französin Pauline Harmange, Anfang 20 – junge Frauen, die feministisch geschult sind, die die Leben ihrer größeren Schwestern oder Mütter beobachtet haben und damit auch die sexistischen Muster, die sich in Hetero-Partnerschaften allzuleicht ergeben. Ja, ich denke, Frauen aller Altersgruppen stellen heute selbstbewusster denn je in Frage, wem sie wie viel ihrer Aufmerksamkeit, ihrer Kraft, ihrer Liebe widmen wollen – ob es also unbedingt dieses herkömmliche Paarmodell sein muss, das seit Jahrhunderten romantisch verklärt wird, und fast immer zum Nachteil der Frau.</p>
<p class="p1"><b>Das Ende einer Beziehung schien für dich häufig erleichternd gewesen zu sein: „Wieder ohne Mann an meiner Seite, war es jedes Mal so, als ob ich endlich wieder nach Hause gekommen wäre.“ Hast du dich in Beziehungen oft verloren? Ist das der Nachteil von dem du sprichst?</b></p>
<p class="p3">Viele Frauen haben im Zusammensein mit Männern &#8222;atemberaubende Illoyalitäten&#8220; erlebt, wie ich es im Buch formuliere. Das kann ganz alltagsnah damit beginnen, bei der Hausarbeit<span class="Apple-converted-space">  </span>oder Kinderfürsorge immer wieder hängengelassen zu werden. Das kann auch sogenanntes Fremdgehen sein, Psychospielchen, Machtgezacker oder gar körperliche Gewalt. Und immer wieder fühlen meist die Frauen sich verantwortlich für die &#8222;Beziehungshygiene&#8220; in einer heterosexuellen Partnerschaft. Statistiken zeigen sehr klar, dass die Drecksarbeit in Hetero-Beziehungen überwiegend noch immer den Frauen aufgedrängt wird, nicht nur das Putzen übernehmen mehrheitlich Frauen, sondern sie buttern auch eine Menge emotionale Arbeit hinein: Frauen versuchen, für Aussprachen zu sorgen, sich selbst notfalls ein bisschen kleiner zu machen, ihm zuliebe, und so weiter. So eine war ich wahrscheinlich auch.</p>
<p class="p3">In den USA und in Frankreich läuft längst eine interessante Debatte, Feministinnen dort sagen: Zuerst haben Frauen sich ihre wirtschaftliche Autonomie erkämpft, über die<span class="Apple-converted-space">  </span>Berufstätigkeit. Dann gewannen sie ihre politische Autonomie, mit dem Frauenwahlrecht, das hierzulande 1918 eingeführt wurde, in der Schweiz erst 1971, in Liechtenstein sogar erst 1984, als Madonna &#8222;Like a Virgin&#8220; sang – kaum zu glauben, nicht wahr? Das dritte Bein, das noch fehlte, um eine wirklich stabile Selbstbestimmung hinzubekommen, war nach der wirtschaftlichen und der politischen auch die &#8222;emotionale Autonomie&#8220;. So nennen es die Amerikanerinnen. Dahinter verbirgt sich die Einsicht, dass keine Frau heutzutage mehr einen männlichen Partner &#8222;braucht&#8220;. Wenn sie sich mit jemandem zusammentun möchte: gut, warum nicht. Aber ein Mann ist längst nicht mehr nötig, um wirtschaftlich über die Runden zu kommen, gesellschaftlich gut aufgehoben zu sein, ein zufriedenes oder sogar glückliches Leben zu führen.</p>
<p class="p1"><b>Welche Vorteile hat diese bewusste Entscheidung für das Sololeben für dich persönlich?</b></p>
<p class="p3">Für mich persönlich bedeutet es vor allem, dass ich nicht ständig Diskussionen über meine Arbeit führen muss, die mir schon als ganz junge Frau viel bedeutet hat. Als &#8222;Arbeit&#8220; verstehe ich für mich vor allem das Schreiben, aber auch das viele Lesen, für beides brauche ich meine Ruhe, ich ziehe mich gern immer mal wieder für ein paar Tage zurück, bin dann nicht sehr gesprächig. Oder aber im Gegenteil, ich bin viel unterwegs und komme in Kontakt mit vielen verschiedenen Menschen, etwa wenn ich mich gerade in einer Recherchephase befinde, Lesungen gebe oder Referate halte. Die drei Lieben meines Lebens, ha, so nenne ich sie heute, waren sehr unterschiedliche Typen, und sie hatten sich alle ursprünglich mal in genau diese Frau verliebt, die Frau &#8222;die ihr Ding&#8220; macht. Aber früher oder später drängten sie alle darauf, dass ich mich ändern, dass ich &#8222;weiblicher&#8220; werden sollte, eine &#8222;normale Frau&#8220;, so formulierte es tatsächlich mal einer.</p>
<p class="p3">&#8222;Ein Mann kann eifersüchtig auf den Kassenautomaten sein, an dem Du jeden Tag 9 Stunden sitzt&#8220;: So hat es eine alleinlebende Frau im Buch in einem Gespräch formuliert. Sie hat einen ganz anderen Job-Alltag als ich, ist als Niedriglöhnerin in einem Parkhaus tätig und arbeitet nebenbei bei McDonald&#8217;s, und auch bei ihr sind zwei langjährige Partnerschaften daran zerbrochen, dass ihre Männer ihr immer wieder die Hölle heiß machten wegen ihrer Jobs. Besonders schlimm war es – auch bei mir – in dem Moment, in dem &#8222;sie&#8220; auch noch mehr verdient als &#8222;er&#8220;. Eine Menge Männer fühlen sich dann gekränkt, reagieren aggressiv oder psychotisch. Auch dazu gibt es hinlänglich bekannte Studien und Storys, nicht nur die sogenannten Frauenmagazine sind voll davon.</p>
<p class="p1"><b>Und das Ganze lässt sich letztlich sogar auf die Gesundheit herunterbrechen: Deserteurinnen scheinen gesünder zu leben als Prinzessinnen?</b></p>
<p class="p6"><span class="s1">Der britische Verhaltenspsychologe Paul Dolan untersuchte eine große Zahl internationaler Studien zur allgemeinen Lebenszufriedenheit heute und veröffentlichte 2019 einen interessanten Befund: In allen entwickelten Ländern profitieren Männer deutlich stärker von heterosexuellen Partnerschaften, sie leben gesünder und länger, wenn sie dauerhaft mit einer Frau zusam</span>menleben, kommen auf sich gestellt deutlich schlechter zurecht, vernachlässigen sich selbst dann schneller. Umgekehrt sieht es hingegen für Frauen aus: Gerade im mittleren Alter, zwischen Mitte 30 und Mitte 50, steigt für fest gebundene oder verheiratete Frauen das Risiko für &#8222;körperliche und geistig-seelische Beeinträchtigungen&#8220; laut Dolan enorm. Hier ist sie wieder: die kräftezehrende Care- oder Beziehungsarbeit. Erstmals hat der Brite auch festgestellt: Verheiratete Frauen sterben tendenziell sogar etwas früher als solche, die sich alleinlebend gut eingerichtet haben. Er sagt: &#8222;Wenn Sie ein Mann sind, sehen Sie zu, dass Sie heiraten. Wenn Sie eine Frau sind, lassen Sie besser die Finger davon.&#8220;<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p1"><b>Du bezeichnest dich als „reiche Frau“ und beziehst dieses Attribut nicht auf Finanzielles, sondern?</b></p>
<p class="p3">Nein, finanziell leider alles andere als reich, das teile ich mit einer großen Zahl von Solistinnen. Es ist leicht erklärbar: Eine Einpersonenwohnung kostet heutzutage vielerorts kaum weniger als ein Dreizimmerdomizil, alle Grundkosten, vom Netzanschluss bis zur Müllabfuhr, müssen alleine gestemmt werden, und geht mal was kaputt, die Waschmaschine, ist niemand da, der sich an den Kosten beteiligt. Wenn jemand wohlhabende Eltern hat, ist es durchaus wahrscheinlich, dass pünktlich zur Hochzeit ein vorzeitiges Erbe ausgeschüttet wird – da regnet es dann Geldgeschenke, oder die Einbauküche wird von den Schwiegereltern gesponsert, manchmal auch gleich eine ganze Eigentumswohnung oder ein fetter Baukredit. Außerdem regnet es mitunter riesige Steuervorteile durchs gesetzliche Ehegattensplitting. Auf all diese großzügigen Geschenke braucht eine alleinlebende Person nicht zu hoffen.</p>
<p class="p3">Reich bin ich aber trotzdem, und aus den Texten anderer Frauen und aus Gesprächen weiß ich, dass viele Solistinnen es ähnlich empfinden – und dabei geht es eher um einen Lebens-, einen Erfahrungsreichtum. Als Alleinlebende sehe, höre, erlebe ich mehr, komme mehr herum, bin mehr &#8222;in der Welt&#8220;, erlebe andere Dinge und die oft intensiver, die schlechten, wie die guten Dinge. Ich gehe wacher durch die Welt und bekomme auch viel mehr von ihr zurück als früher, als ich noch versuchte, mich im Pärchenknast zurechtzufinden, wo ich nach einer Weile immer begann, nach Luft zu schnappen.</p>
<p class="p1"><b>Auch vermutest du, dass Solofrauen sozial-verträglicher und geselliger seien. Weshalb?</b></p>
<p class="p6"><span class="s1">Oh je, so ganz pauschal lässt sich so was selbstverständlich nie behaupten, und ich will hier auch gleich mal einfügen, dass etliche meiner engsten Freundinnen und Freunde schon lange Jahre fest gebunden sind – und wir verstehen uns prächtig! Weder habe ich etwas &#8222;gegen Männer&#8220;, noch etwas &#8222;gegen Liierte&#8220;. Aber es existieren tatsächlich einige wissenschaftliche Untersuchungen, die zeigen, dass Menschen</span>, die nicht in einer Zweierbeziehung stecken, mehr Freund- und Bekanntschaften unterhalten und diese auch aufmerksamer pflegen, auch Kontakte in die Nachbarschaft oder in Vereine. Der Chicagoer Soziologe Eric Klinenberg geht so weit zu sagen, dass Solistinnen und Solisten sich weniger &#8222;selbstsüchtig&#8220; als Gebundene verhielten, auch weil sie, statistisch gesehen, mehr Ehrenämter übernähmen und sich politisch stärker engagierten. Singulär lebende Personen beleben das sogenannte &#8222;öffentliche Leben&#8220; stärker als<span class="Apple-converted-space">  </span>Gebundene, sie nehmen eher an sozialen oder kulturellen Aktivitäten ein, verbringen mehr Zeit in Bars, Cafés, Clubs und Restaurants.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p1"><b>Was bedeutet dies für Freundschaften und Netzwerke?</b></p>
<p class="p3">Für mich persönlich habe ich das Prinzip der &#8222;social alonerin&#8220; entdeckt und koste es voll aus – beide Teile davon gleichermaßen. Das mit der &#8222;Alonerin&#8220; ist klar: Ich beschäftige mich gern allein mit Dingen, ziehe mich häufiger mal zurück, reise und erkunde auch gern allein fremde Orte. Das ist für mich vor allem dann genussvoll, wenn es sich mit &#8222;Social&#8220;-Phasen abwechselt: Wenn ich also auch immer wieder etwas mit anderen gemeinsam unternehme, mich mit dieser Person oder jenem Kollegen mal auf einen Film, ein Gespräch, einen Ausflug oder auch nur einen Spaziergang voller schlechter Witze treffe.</p>
<p class="p3">Freundschaften nehmen für Alleinlebende meist einen höheren Rang ein als für Liierte. Das bedeutet nicht, dass es dabei immer nur um langjährige, tiefgehende Verbindungen handeln muss – um echte &#8222;Emotionships&#8220;, wie die Amerikanerinnen sagen, verlässliche, vertrauensvolle, dauerhafte Verbindungen nur eben ohne romantischen oder erotischen Kern. Auch flüchtigere Bekanntschaften, lose Kumpeleien spielen eine wichtige Rolle im Leben vieler Alleinlebender, und das hat übrigens nichts mit dem Internet zu tun. Schon in den 1910er oder in den 1960er Jahren schwärmten Solistinnen vom Wert der &#8222;Bis-baldigen&#8220; – so nannte die französische Journalistin und Politikerin <span class="s2">Françoise </span>Giroud ihre eher oberflächlichen, aber dennoch geschätzten Kontakte.</p>
<p class="p1"><b>Besonders schön ist in diesem Zusammenhang auch dein Begriff der „</b><span class="s3"><b>Zufallszwischenmenschlichkeit</b></span><b>“.</b><b> Magst du mal erklären, was du damit meinst?</b></p>
<p class="p3">Naja, es ist eben die eine Kollegin, mit der ich eigentlich nichts gemeinsam habe – außer, dass wir uns beide für die gleiche Musik interessieren, also besuchen wir gemeinsam ab und an Konzerte. Ist doch in Ordnung, muss doch nicht gleich mehr sein. Es ist der Kioskmann, der meine Stammkundinnenwünsche kennt und mir schon von Weitem meine Lieblingszigaretten hinhält und wieder ein Schwätzchen beginnt. Es ist der überraschend lustige Plausch mit einem Fremden auf dem Bahnsteig, wenn der Zug wieder mal nicht kommt. Es ist die flüchtige Fetenbekanntschaft, deren Namen man beinahe schon vergessen hatte, die aber plötzlich anruft und fragt, ob man nicht mal gemeinsam ins Kino gehen könne, weil sie dringend &#8222;mal raus&#8220; müsse. Na klar, warum nicht – ich muss nicht alles über ihre akuten Probleme wissen, sie will sie vielleicht auch gar nicht erzählen, sie braucht nur etwas Abwechslung und Gesellschaft, etwas Leichtigkeit gerade. Seit ich außerhalb des Pärchenrahmens lebe, habe ich den Wert von solcher &#8222;Zufallszwischenmenschlichkeit&#8220; erkannt und zu schätzen gelernt. Ich weiß jetzt, dass die Menschen in der Merheit so übel gar nicht sind und dass sie sich viel mehr umeinander kümmern, als oft behauptet wird.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p1"><b>In deinem Buch beschreibst du eingangs viele verschiedene Formen und Qualitäten des Alleinelebens. Kannst du uns ein paar Beispiele nennen?</b></p>
<p class="p3">Da sind wir wieder bei der Einzigartigkeit, dem &#8222;Singulären&#8220;. Es besteht ein großer Unterschied zwischen dem Erfahrungsschatz und den Erlebnissen einer verwitweten 70-Jährigen, die unfreiwillig und in hohem Alter zur Alleinlebenden wurde, und dem Alltag einer 28-Jährigen, die überhaupt keine Lust auf eine Partnerschaft hat, weil sie gerade dabei ist, ihre beruflichen Weg zu machen, sei es, indem sie zur Abteilungsleiterin in einem Supermarkt berufen wird, sei es, dass sie ein Auslandsjahr an einer Uni einlegt. Für viele sehr junge Frauen stelle ich es mir ziemlich schwierig vor, unter dem Instagram- und dem Tinder-Regime überhaupt jemals die Wahl zu haben, also: überhaupt jemals &#8222;etwas Festes&#8220; in Aussicht zu haben. So groß wie heute war der Beauty- oder Lifestyledruck wahrscheinlich noch nie, der richtige Körper, die richtige Ernährung, der richtige Look – und bei Nichtgefallen wird einfach weiter geswipet.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p3">Es gibt also freiwillig oder unfreiwillig Alleinlebende, manche finden sehr schnell Gefallen daran, andere tun sich doch lange schwer damit. Vor allem Letzteren will ich sagen: Es ist nichts &#8222;verkehrt&#8220; an Euch! Jede zweite bis dritte Ehe geht in die Brüche, 42 Prozent aller Haushalte in diesem Land sind Einpersonenhaushalte – der alleinlebende Mensch ist längst ein &#8222;Normalfall&#8220; von vielen, niemand muss sich dafür schämen, im Gegenteil: Solistinnen sind äußerst wertvolle Zeitgenoss:innen und sie haben heute so gute Möglichkeiten wie wahrscheinlich nie zuvor, ein erfülltes, keineswegs einsames Leben zu führen.</p>
<p class="p3">Besonders beeindruckt bin ich übrigens von den vielen alleinerziehenden Müttern, die in großer Zahl auch zu meinem persönlichen Freundinnen- und Bekanntenkreis gehören. Oft werden Solo-Mütter ja als &#8222;soziale Problemfälle&#8220; besprochen oder behandelt. Auf mich machen sie aber einen ganz anderen Eindruck, nämlich quicklebendig, auffallend lebenslustig, sehr lange sehr &#8222;jung bleibend&#8220;, im Kopf jedenfalls, und oft sehr souverän, wie sie all die verschiedenen Anforderungen, die an sie gestellt werden, bewältigen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p1"><b>Und macht es auch einen Unterschied WO ich allein lebe?</b></p>
<p class="p6"><span class="s1">In Städten ist das Alleinleben aus vielerlei Gründen einfacher. Kurze Wege, öffentliche Verkehrsmittel, ein dichtes Netz aus Versorgungs-, Kontakt- und Unterhaltungsangeboten</span> fangen vieles auf, bieten das an, was einst Dorfgemeinschaften oder Großfamilien geleistet haben. Zudem herrscht in Städten bis heute eine größere Toleranz, ein liberaleres Klima für verschiedene Lebensentwürfe. Die soziale Kontrolle, das Misstrauen und skeptische Beäugtwerden sind geringer. Aus eigener Erfahrung weiß ich: Gehe ich in einer größeren Stadt mal alleine essen, ist das nichts Besonderes, es sind immer ein paar Tische auch von Alleinspeisenden besetzt. Sitze ich aber in konservativeren Gegenden allein im Lokal, werde ich öfters mal blöd angeschaut oder ruppiger bedient, so ist es mir in ländlicheren Regionen in Mecklenburg-Vorpommern und Bayern, auch in der Türkei und in Japan schon vorgekommen.</p>
<p class="p1"><b>In deinem Buch lese ich auch immer mal wieder Zwiespältigkeit, Himmel oder Hölle. Empfindest du das auch so? Oder hast du am Ende der geschriebenen Seiten eine klare und stets aufgeräumte innere Haltung zu deinem Single-Leben?</b></p>
<p class="p3">Ja, es gibt auch als Alleinlebende schwierige Momente, es wäre albern, das zu leugnen. Das extra gesuchte, genossene Alleinsein, die &#8222;gute Einsamkeit&#8220; wird auf Englisch <i>solitude</i> genannt – das ungewollte Alleinsein, die &#8222;schlechte Einsamkeit&#8220;, wird als <i>loneliness</i> bezeichnet. Mit beidem bin ich recht gut vertraut.<span class="Apple-converted-space">  </span>Allerdings kenne ich beides auch schon aus meiner langjährigen Pärchenzeit. Wie einsam, abgeschnitten, unverstanden gerade Frauen sich auch innerhalb ihrer Beziehungen fühlen können, hat die US-Sexualwissenschaftlerin Shere Hite schon 1989 in ihrem damaligen Bestseller &#8222;Kein Mann um jeden Preis&#8220; dargelegt.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p3">Ich betrachte es tatsächlich oft wie eine Partnerschaft: So wie es in einer Beziehung laue, schwierige, kraftzehrende, ermüdende, enttäuschende Phasen gibt, so ist es auch im Alleinsein. Es gibt Höhen und Tiefen, man kann sich selbst genauso auf den Geist gehen, wie es mit einem Partner sein kann – es kommen immer wieder Punkte, an denen man sich berappeln, erfrischen, neu aufstellen muss. Bei Liebeskummer oder Pärchenknatsch weiß man: &#8222;Es wird vorbeigehen, eines Tages&#8230;&#8220; Vielleicht kann man mit guten Freunden darüber reden, vielleicht hilft das. Und genauso ist es auch im Alleinsein: Traurige Phasen kommen – aber sie gehen auch wieder vorbei. Das Alleinleben ist nicht das bessere oder richtigere, aber es ist auch keinesfalls das schlechtere oder freudlosere Leben. Es ist einfach: ein Leben, eine Art von vielen.</p>
<p class="p1"><b>Wenn ich dir damit nicht zu nahe trete, würde ich auch gerne wissen, wie du zu dem Thema Kinder stehst: Wolltest du nie welche oder hat es sich nicht ergeben? Wäre dein Sololeben mit Kind heute ein gänzlich anderes?</b></p>
<p class="p3">Im Buch leuchte ich das ja kurz an: Es ist eine Mischung aus &#8222;hat sich nicht ergeben&#8220; und &#8222;ich wollte wahrscheinlich auch nicht&#8220; bei mir. Kurz: Nein, ich bin nie einem Mann begegnet, mit dem ich ein Kind hätte zeugen wollen, keinem, von dem ich mir hätte vorstellen können, gemeinsam mit ihm eine Familie zu gründen. Und das Leben als Solo-Mutter konnte ich mir für mich nie vorstellen. Ich begriff es, glaube ich, schon mit Mitte 30, und ich sehe es auch heute noch so: Das Muttersein ist nicht Teil dieser Geschichte, meiner Lebensgeschichte. Ich habe es nie vermisst.</p>
<p class="p1"><b>Wie schätzt du die Lage alleinerziehender Frauen in Deutschland heute ein? In deinem Buch gehst du ja auch immer wieder einmal auf dieses Thema ein.</b></p>
<p class="p3">Es ist schon irre, wie viel alleinerziehende Frauen meist leisten müssen, die Verantwortung für die Kinder, in finanzieller wie in emotionaler Hinsicht &#8230; Das Armutsrisiko ist für Alleinerziehende bekanntlich besonders hoch. Dennoch erlebe ich die meisten Solo-Mütter als ziemlich selbstbewusste, oft sogar als besonders spannende Persönlichkeiten, mit erstaunlich vielen Hobbys, Talenten, Interessen. Ja, sie kommen mir insgesamt entspannter vor als viele verheiratete Mütter. Vielleicht liegt das daran, dass die Alleinerziehenden sich nicht tagein, tagaus darum grämen müssen, ob sie ihrem Partner noch &#8222;gefallen&#8220; oder nicht. Sie haben, allen Belastungen zum Trotz, womöglich eine Sorge weniger und konzentrieren sich lieber auf ihre Freund- und Bekanntschaften, unterstützen sich gegenseitig beim Babysitting, verreisen gemeinsam mit den Kindern, und so weiter.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p3">Was ich außerdem feststelle: Dass Alleinerziehende heute voller Selbstvertrauen über ihren Alltag, ihre gesellschaftlichen, auch ihre politischen Bedürfnisse sprechen. Nicht nur in Blogs und auf Social Media, auch in der Literatur! In sehr vielen aktuellen Büchern spielen alleinerziehende Mütter die Hauptrollen, und sie werden keineswegs immer nur nur zur unfehlbaren Heldin verklärt, sondern als menschliches Gesamtwesen gewürdigt. ich empfehle etwa Marlen Hobracks &#8222;Klassenbeste&#8220;, Asal Dardans &#8222;Betrachtungen einer Barbarin&#8220; oder &#8222;Jägerin und Sammlerin&#8220; von Lana Lux.</p>
<p class="p1"><b>Die Gesellschaft scheint Angst vor singulären Frauen zu haben. So lese ich es teilweise bei dir und so empfinde ich es auch häufig selbst. Überall wimmelt es von ungebetenen Ratschlägen oder komischen Nachfragen. „Geh doch mal wieder aus!“, „Melde Dich bei einer Dating-App an!“ oder „Du darfst halt nicht so zickig sein.“ Gleichzeitig trifft frau immer wieder auf reviermarkierende Damen. Sind wir Singles nun bemitleidenswert oder eher eine Bedrohung?</b></p>
<p class="p6">&#8222;Diejenigen, die niemanden haben, werden bemitleidet. Diejenigen, die niemanden wollen, werden als Bedrohung gesehen&#8220;: So drückt es die US-amerikanische Psychologin und Dauersolistin Bella DePaulo aus. Trotz aller bekannter Statistiken – die Scheidungen, die stetig wachsende Zahl von Einpersonenhaushalten – herrscht weiterhin die Illusion vor, dass es ein ganz &#8222;natürliches&#8220; Modell sei, dass zwei Menschen sich als Paar zusammentun und dass das dann ein Leben lang hält. Die Idee der romantischen Liebe, nach der eine andere Person &#8222;alles&#8220; für mich zu sein hat, ist, historisch betrachtet, ziemlich jung, erst knapp 250 Jahre alt. Auf dieser Vorstellung gründet das, was wir heute noch &#8222;bürgerliche Ehe&#8220; nennen – die Ehefrau ging damit ursprünglich sozusagen in den Besitz des Ehemanns über. Noch bis 1958 durfte er ihr hierzulande den Führerschein verbieten, bis 1976 noch die Berufstätigkeit, und bis 1962 durfte eine verheiratete Frau ohne Zustimmung des Gatten kein eigenes Bankkonto eröffnen – die unverheiratete Frau stand in vielerlei Hinsicht schon immer besser da.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p6">Wenn ich mir heute vorstelle, ich wäre auch eine dieser Frauen, die in heimlichen Momenten hektisch sein Handy kontrolliert, ob er eventuell fremdgeht, oder der jedes Mal vor dem gemeinsamen Urlaub graut, weil er wieder alle Tage nur schlafen oder eine Kirche nach der anderen besichtigen will, hier ist es ihm zu laut, dort ist es ihm zu langweilig,<span class="Apple-converted-space">  </span>oder wenn ich in Restaurants Paare erleben, die muffelig eine Stunde lang voreinander sitzen, ohne ein Wort zu tauschen, bis auf ein motziges &#8222;Gibst Du mir mal das Brot&#8220; oder ein &#8222;Immer machst Du dies und das!&#8220;, dann denke ich: Okay, ich verstehe Eure Faszination für meine Lebensweise, vielleicht auch Euren Neid &#8230;</p>
<p class="p1"><b>Und jetzt noch abschließend zum Thema „Sex“. Du sagst: „Ich finde es mit Leuten, die mir egal sind, nicht geil. Und es ist mir auch egal, ob sie eventuell mich geil finden, daraus kann ich nichts ziehen.“ Fehlt dir trotzdem manchmal Körperlichkeit?</b></p>
<p class="p3">Aber klar doch. Ja, die Sexualität ist womöglich der schwierigste Punkt am Alleinleben. Die gute Nachricht ist: Auch hier gibt es heute sicher so viele Möglichkeiten wie nie zuvor, also: Ich denke, es ist eigentlich in jedem Alter möglich, sich einen Geschlechtsverkehr mit jemand anderem zu organisieren, in welcher Spielart auch immer. Ein paar Dinge habe auch ich ausprobiert, sehr wenige One-Night-Stands, eine Affäre &#8230; – und es war nichts für mich. &#8222;Bevor ich jemandem das Herz breche, mache ich es mir lieber selbst&#8220;, sagt die britische Künstlerin Tracey Emin, und, nun ja, das gilt einstweilen auch für mich. Ich vermisse aber auch vieles andere, das Tanzengehen, das Ammeersein &#8230; Sobald sich die Gelegenheit dafür ergibt, genieße ich es umso mehr.</p>
<p class="p1"><b>Hast du einen abschließenden Tipp oder Ratschlag, was akut helfen kann, wenn das Alleinsein doch einmal schwer wird?</b></p>
<p class="p3">Nein. Außer vielleicht die Lebenserfahrung einer Umdiefünfzigjährigen, die beides nun ungefähr gleich lang ausprobiert hat, erst 18 Jahre Pärchen-Power, danach nun gut 15 Jahre Solo-Leben: Die Summe des Glücks und des Leids war beziehungsweise ist in beiden Varianten gleich. Wirklich! Eine Partnerschaft bietet gewisse Höhen – aber auch Tiefen. Das gleiche gilt fürs Alleinleben. Und: Menschen, die eine gute Beziehung zu und mit sich selbst haben, sind meist Menschen, die auch bessere Beziehungen zu ihrer Umwelt unterhalten. Und das ist, wie ich denke, sowieso eine Grundvoraussetzung dafür, dass überhaupt so etwas wie Liebe entstehen kann, nicht nur romantische oder erotische, sondern jede Art von Liebe überhaupt.</p>
<p class="p8"><b>Du hast DIE SINGULÄRE FRAU deiner Oma Irmgard gewidmet. Glaubst du, ihr hätte dein bisheriger Lebensweg gefallen?</b></p>
<p class="p9">Ja, das glaube ich nicht nur, das weiß ich sogar. Ich war 47, als sie starb, sie wusste genau, wie ich lebe, wie ich meine Tage fülle, welche Ziele oder Träume ich mir bereits erfüllt hatte, welche gescheitert waren, welche noch offen sind. Und sie gab mir immer zu verstehen, dass sie meinen Weg nicht nur versteht, sondern auch gut findet. &#8222;Die Dinge haben sich geändert für die Frauen&#8220;, sagte sie oft, <span class="s2">&#8222;Frauen brauchen heute nicht mehr unbedingt einen Mann&#8220;, und damit hat sie mich sehr gestärkt, meine geliebte Großmutter.</span></p>
<p><strong>Danke, Katja, für dieses ausführliche und offene Gespräch. Langsam wird mir der Gedanke, selbst eine singuläre Frau zu sein, immer sympathischer.</strong></p>
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Sie ist die Frau, der man nachsagt, dass sie kein Glück in der Liebe hat. Diejenige, die ihr Leben alleine regelt. Die Frau ohne Begleitung. Vom Bürofräulein der Weimarer Republik bis zur angeblich einsamen Akademikerin der Gegenwart – sie ist die wahre Heldin der Moderne: die Singuläre Frau.<br><br>
Kurz vor ihrem fünfzigsten Geburtstag stellt Katja Kullmann fest, dass auch sie so eine geworden ist: ein Langzeit-Single. Die Erkenntnis ist ein kleiner Schock. Dann eine Befreiung. Und ein Ansporn – nicht nur für die schonungslose Selbsterkundung, sondern auch für eine Spurensuche. Welche literarischen, sozialen und popkulturellen Zeugnisse hat die Frau ohne Begleitung hinterlassen? Und wie könnte ihre Zukunft aussehen? Leidenschaftlich und eigensinnig führt Katja Kullmann uns zu einer radikalen Neubewertung der alleinstehenden Frau.
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					<p class="elementor-heading-title elementor-size-default">Von Sara Buschmann</p>				</div>
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