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	<title>PSYCHOLOGIE Archives | SOLOMÜTTER</title>
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		<title>Wenn Papa Mama wird</title>
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		<dc:creator><![CDATA[AdminSolo]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Feb 2025 15:50:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[BÜCHER]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In seinem neuen Roman erzählt Tankred Lerch die berührend komische Geschichte eines alleinerziehenden Vaters, dem es schwer fällt zu erkennen, dass er, obwohl männlich, die klassische Mutterrolle einnimmt. Er bedient sich in seiner Geschichte aus seinem eigenen Erfahrungsschatz, ohne autobiografisch zu sein. In der folgenden Kolumne hat Tankred uns in seine Recherchewelt mitgenommen und gibt [&#8230;]</p>
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					<h1 class="elementor-heading-title elementor-size-default">Wenn Papa Mama wird</h1>				</div>
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									<div title="Page 1"><p class="p1"><strong>In seinem neuen Roman erzählt Tankred Lerch die berührend komische Geschichte eines alleinerziehenden Vaters, dem es schwer fällt zu erkennen, dass er, obwohl männlich, die klassische Mutterrolle einnimmt. </strong><strong>Er bedient sich in seiner Geschichte aus seinem eigenen Erfahrungsschatz, ohne autobiografisch zu sein. In der folgenden Kolumne hat Tankred uns in seine Recherchewelt mitgenommen und gibt einen ersten Einblick in seine Erfahrung als &#8222;Mama&#8220;.</strong></p><p class="p1">Zeit meines Arbeitslebens (hauptsächlich in den Medien) habe ich immer lieber mit Frauen zusammengearbeitet, als mit Männern. Weniger Testosteron. Dissense werden sachlicher geklärt, helfende Hände schneller gereicht, es geht um die Arbeit und weniger um das Ego. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, aber es sind dann eben auch Ausnahmen und nicht die Regel.<span class="Apple-converted-space"> </span></p><p class="p1">Wenn ich nicht irgendwas schreibe, arbeite ich gerne im Laden einer Freundin und verkaufe „ethical fashion for women &amp; men“. Letzte Woche kam vormittags ein junges Paar mit einem nicht ganz einjährigen Kind (Tony). Während die Mutter Tony davon abgehalten hat, den gesamten WINTERSALE vom Tisch abzuräumen, ihn bespielt und gefüttert hat, hat der junge Vater sich neu eingekleidet. „Er macht jetzt Elternzeit. Jetzt kann er endlich mal in Ruhe shoppen gehen“, hat sie mit einem die Überforderung überspielendem Lächeln gesagt. Ich habe dann doch fragen müssen, ob das denn der Sinn seiner Elternzeit wäre? Sich neu einzukleiden? „Ach, er arbeitet doch sonst so viel und es ist ja auch nur ein Monat.“</p><p class="p1">In Ermangelung an babygerechten Spielsachen, haben wir dann gemeinsam mit Tony die neu eingetroffenen T-Shirts sortiert, während der Herr des Hauses neben der Anprobe per Handy seine Kollegen fernmündlich an seiner Elternzeit teilhaben liess. „Nee, gar nicht. Man entwickelt eine ganz enge Bindung zum Kind, aber nächste Woche komme ich ja schon mal wieder für zwei Tage rein.“ Der Mutter war ganz deutlich anzusehen, dass diese Information auch für sie neu war.</p><p class="p1">Für die Recherche zu <a href="https://www.penguin.de/buecher/tankred-lerch-hope-oder-wenn-papa-mama-wird/taschenbuch/9783453442849">„Hope &#8211; oder wenn Papa Mama wird“</a> habe ich viel Zeit auf Spielplätzen verbracht und Gespräche geführt und belauscht. Hauptsächlich – und wir bewegen uns da in einem Rahmen von ca. 90 % – mit und von Müttern. Die Väter sind manchmal zum Abholen gekommen. Hauptsächlich – und hier bewegen wir uns in einem Rahmen von ca. 70 % – weil sie mehr verdienen als ihre Frauen oder Lebenspartner:innen. Mehr als die Hälfte der Frauen, die ich auf den Spielplätzen kennengelernt habe, lebt in Scheidung oder trennt sich gerade vom Erzeuger des Kindes. Aus unterschiedlichen Gründen, oft geht es um Gewalt. Nur in einem Fall (von mindestens einem Dutzend) funktionierte das bis dato ohne finanzielle Repressalien, die oft von nach Streitwert honorierten Rechtsanwält:innen befeuert wurden. Interessanterweise bestand bei der juristenden Spezies (zumindest bei meinen Recherchen) eine Parität der Geschlechter. Was aber letztendlich nichts daran ändert, dass die hauptsächliche Verantwortung für die Tagesabläufe der Kinder größtenteils in Frauenhänden liegt.<span class="Apple-converted-space"> </span></p><p class="p1">Sind Frauen erkältet, erledigen sie was zu erledigen ist und setzen sich dann danach mit einer Wärmflasche aufs Sofa. Bei meinem Geschlecht artet es im gleichen Fall schnell zur gefährlichen Männergrippe aus, einhergehend mit absoluter Handlungsunfähigkeit.<span class="Apple-converted-space"> </span></p><p class="p1"><a href="https://www.penguin.de/buecher/tankred-lerch-hope-oder-wenn-papa-mama-wird/taschenbuch/9783453442849">„Hope – oder wenn Papa Mama wird“</a> ist eine Komödie. Das Hauptziel ist es, Leser:innen zu unterhalten. Und ich hoffe, dass es gerade den Leserinnen (absichtlich nicht gegendert) Freude macht, dem Struggle eines alleinerziehenden Vaters zu folgen. Ein Struggle, der de facto genau dem der alleinerziehenden Mutter entspricht, aber eben auf „Männerebene“ gelöst wird.<span class="Apple-converted-space"> </span></p><p class="p1">Als Autor hat man die Aufgabe, seine Figuren möglichst in die Hölle zu schicken und sie dann wieder rauszuholen. Bei diesem Roman ist mir das deutlich schwerer gefallen als bei anderen Büchern oder Drehbüchern, weil viele der geschilderten Erfahrungen autobiografisch sind. Streng genommen war ich kein richtig alleinerziehender Vater. Die Mutter meiner Tochter und ich waren aber schon kein Liebespaar mehr, als ihr klar wurde, dass sie schwanger war. Auch wenn wir beide recht jung waren (oder vielleicht gerade deswegen), hatten wir – im Gegensatz zu unseren Eltern – kaum Bedenken, den Versuch zu wagen, ein Kind in einer unkonventionellen Familiensituation, in zwei Wohnungen, in zwei Leben, großzuziehen. Die Mutter musste ausbildungsbedingt viel unterwegs sein und sich kinderunfreundlichen Arbeitszeiten beugen. Weil ich beruflich schon etwas solider war und einen ziemlich freundlichen Arbeitgeber hatte, der nichts dagegen hatte, wenn ich vormittags ein Kleinkind mit ins Büro brachte, fiel mir in den ersten zwei Jahren die Hauptbetreuung zu. Wenn ich mir Bilder aus der Säuglings- und Kleinkindzeit meiner Tochter anschaue, neige ich dazu zu glorifizieren und merke, wie ich die Momente der Überforderung verdrängt habe. Die Viertelstunden, die ich mich einfach mal kurz im Bad eingeschlossen habe, um alleine zu sein. Einfach mal in ein Handtuch zu schreien oder leise zu weinen. Um danach wieder rauszugehen und das Kind liebzuhaben wie sonst nichts auf der Welt. In den ersten zwei Jahren ihres Lebens hat sich für mich viel geändert. Eigentlich alles. Keine Partys, keine Clubs, keine Kneipen, kein Kino, keine Dates. Tinder gab es noch nicht. Wenn doch mal was ging, dann nur mit Babysitter. Die Großeltern konnte man nicht mal schnell einspannen, weil sie 500 km entfernt lebten. Dort, wo eigentlich auch mein Zuhause war. Ich habe meine Tochter überallhin mitgenommen, wo es ging. Und fast immer habe ich das sehr gerne getan und die Zeit genossen. Klar gab es Babysitter. Aber die kosten erstens Geld und: Will man sein kleines Kind jemandem anvertrauen, den man nicht wirklich gut kennt? Wenn ich nicht nette Kolleg:innen und Nachbar:innen gehabt hätte, von denen sich immer wieder mal jemand angeboten hat, auf das Kind aufzupassen, wäre ich nach Büroschluss schon ziemlich sozial verarmt. Und Netflix gab es auch noch nicht. Ich bin in dieser Zeit immer wieder darauf gestoßen, wie ungewöhnlich es für meine Mitmenschen gewesen ist, mich in einer Mutterrolle agieren zu sehen. Als ich begonnen habe, dieses Buch zu schreiben, habe ich gedacht, dass sich das längst geändert hätte. Doch egal, wo ich mich zu Recherchezwecken herumgetrieben habe, ob auf Spielplätzen, in Kitas oder Warteräumen von Arztpraxen – ich war fast überall von Müttern umgeben. Und wenn ich mich mit ihnen unterhalten habe, hatten alle vor der Geburt ihrer Kinder den Plan, dass beide Elternteile danach zu gleichen Teilen arbeiten gehen. Weil sich die Gesellschaft aber gedanklich schneller entwickelt hat, als Legislative und Verwaltungen mitgekommen sind, leben wir noch immer in einer Welt, in der ein Kitaplatz so schwer zu bekommen ist wie einst Bananen in der DDR. Eine Welt, in der Frauen viel öfter die Erziehungsaufgabe übernehmen, einfach weil die Männer mehr verdienen. Die Geschichte mit der Geburt können wir ihnen nicht abnehmen. Alles andere aber schon. Wir müssen nur dafür einstehen, dass Gerechtigkeit geschaffen wird. Wir müssen dafür einstehen, dass Frauen für gleichwertige Arbeit nicht schlechter bezahlt werden als Männer, dass die Gemeinschaft dafür sorgt, dass Arbeitgebern keine Nachteile daraus entstehen, wenn sie Frauen in gebärfähigem Alter einstellen, und wir müssen den Männern immer wieder erklären, dass Kindererziehung ihrer Männlichkeit keinen Abbruch tut. Denn das tut es nicht. Gar nicht.<span class="Apple-converted-space"> </span></p><p class="p1">Ich schwöre!</p></div><p><!-- /wp:list --></p>								</div>
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									<p><strong>Wer schreibt?</strong></p><p class="p1"><strong>Tankred Lerch</strong> wurde 1970 in Lübeck geboren, ist in Hamburg zur Schule gegangen, hat in Kiel Jura studiert und bei Radio Schleswig-Holstein volontiert. Seit 1997 lebt er in Köln, arbeitet als Autor, Headautor und Executive Producer oder als CEO und Head of Development für Film &amp; Fernsehen (u.a. „extra 3“, „Stromberg“, „tv total“, „Krömer Late Night Show“, „andere Eltern“ und „LOL“,<span class="Apple-converted-space">  </span>lehrt seit 2013 als freier Dozent, hauptsächlich im Fach Medientechnik, Formatentwicklung, creative writing und audiovisuelle Dramaturgie an der FH St.Pölten. Mit Kurt Krömer bereiste er zweimal Aghanistan und schrieb mit ihm das Buch „Ein Ausflug nach wohin eigentlich keiner will“, das 2013 zum Bestseller wurde. Seitdem schreibt er Lehrbücher, Sachbücher u.a. „Erstma´ machen“ die Ralf Moeller Biografie, Romane „Die Hochzeit meines besten Freundes (mit mir)“, „Hope, oder wenn Papa Mama wird“, Short Stories („Warum, Silke, warum“) und weiterhin jede Menge Drehbücher.</p><p><a href="http://www.tanked.com">www.tanked.com</a></p>								</div>
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<b>Roman</b><br><br>
Ausgabe: Taschenbuch<br>
Broschur, 480 Seiten<br>
Erscheinungsdatum: 12.03.2025 <br>
ISBN: 978-3-453-44284-9
<br><br>Eine kurze Affäre mit der Unternehmerin Leonie hat für Nick ungeahnte Folgen: Er wird Vater – oder eher Mutter, denn Leonie will auf gar keinen Fall in diese Rolle schlüpfen. Sie überlässt die kleine Hope seiner Obhut. Nick stürzt sich mit nie gekannter Leidenschaft und großer Liebe in seine neue Aufgabe. Doch er hat weder mit den Widerständen gerechnet, die einem Mann in der klassischen Mutterrolle begegnen, noch mit den anderen Eltern, die ihn trotz aller lautstarken Gleichberechtigungsbekenntnisse auf dem Spielplatz misstrauisch beäugen und derer geheimnisvollen Spielplatzhierarchie und hitzigen Diskussionen um Gemüsekisten er nur schwer folgen kann. Und schon gar nicht hat er mit den Schwierigkeiten gerechnet, einen Kitaplatz zu finden und nebenbei erwerbstätig sein zu müssen. Um seine Finanzen auszugleichen, legt Nick sich zwei Untermieter zu. Die schließen zwar sofort Hope ins Herz, haben ansonsten aber einen eher zweifelhaften Leumund. Was dazu führt, dass Nick eine panische Angst vor einer Kontrolle des Jugendamts entwickelt ... <br>
</p></div></div>				</div>
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					<p class="elementor-heading-title elementor-size-default">Von Tankred Lerch</p>				</div>
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		<title>Nun lass es doch mal gut sein! Warum Trauer und Wut in deinem Leben als Alleinerziehende ihren Platz haben dürfen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Gastautor_in]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 03 Dec 2024 11:49:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[GEFÜHLE & PSYCHE]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zwei Jahre nach deiner Trennung und du fühlst dich noch immer niedergeschlagen? Du begegnest dem Vater deines Kindes und die Wut steigt unvermittelt in dir hoch? Gleichzeitig erwartet dein Umfeld, dass du die Trennung „endlich hinter dir lässt“, dich „neu orientierst“, es mit der Trauer um deine Beziehung „gut sein lässt“? Gefühle einfach an- und [&#8230;]</p>
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<p class="p1"><strong>Zwei Jahre nach deiner Trennung und du fühlst dich noch immer niedergeschlagen? Du begegnest dem Vater deines Kindes und die Wut steigt unvermittelt in dir hoch? Gleichzeitig erwartet dein Umfeld, dass du die Trennung „endlich hinter dir lässt“, dich „neu orientierst“, es mit der Trauer um deine Beziehung „gut sein lässt“? Gefühle einfach an- und ausknipsen wie eine Lampe? Geht nicht. Was du stattdessen tun kannst, darüber sprechen Trennungscoach Christina Rinkl und Paarberaterin Vera Matt.<span class="Apple-converted-space"> </span></strong></p>
<p class="p1"><b>Trauer und Wut nach einer Trennung – Wie gehe ich sinnvoll damit um?</b></p>
<p class="p1">„Trauer und Wut nach einer Trennung sind normal. In welchen Verhaltensweisen können sie sich zeigen?“ Paarberaterin Vera Matt bringt es auf den Punkt: „Jeder Mensch verarbeitet eine Trennung anders: Während die einen eher ihrer Trauer Ausdruck verleihen, sich zurückziehen, soziale Kontakte meiden, zeigen andere ihre Wut, indem sie über den Expartner oder die Expartnerin schimpfen, ihn oder sie vielleicht sogar anderen gegenüber schlecht machen oder in Rachephantasien schwelgen. Auch Schlafstörungen sind ein typisches Symptom in Trennungsphasen, ebenso wie das berühmte „Kopfkino“, dazu häufig Reizbarkeit, ein fast unbezwingbares Bedürfnis, über die Beziehung zu sprechen und manchmal auch der übermäßige Konsum von Alkohol, Nikotin oder auch Schokolade oder anderen Genussmitteln.“ Ebenfalls ein Klassiker: Ablenkung, sich also in Arbeit oder ein Hobby zu stürzen, womöglich bald schon eine neue Beziehung einzugehen. All das entspreche dem Wunsch, die eigenen Gefühle nicht zu stark zu spüren und erfülle damit durchaus einen Sinn, so die Paarberaterin. Denn letztlich schützten wir uns damit vor unseren Gefühlen zu einem Zeitpunkt, an dem wir ihrer Intensität (noch) nicht gewachsen seien. Unsere Kraft brauchen wir zu diesem Zeitpunkt oft tatsächlich, um unser Leben neu zu organisieren und überhaupt wieder Boden unter den Füßen zu gewinnen.</p>
<p class="p1">Auf lange Sicht sei Ablenkung aber wenig sinnvoll und verzögere eher den Verarbeitungsprozess einer Trennung, so Coach Christina Rinkl. Natürlich könne es guttun, Freunde zu treffen oder Sport zu treiben. Letztlich gehe es aber darum, sich den eigenen Gefühlen zu stellen. Dabei spiele gerade die Wut eine wichtige Rolle. „Vielen Frauen fällt es schwer, einen Zugang zu ihrer Wut zu finden, da dieses Gefühl in ihrer Kindheit häufig unerwünscht war“, so Christina Rinkl. Dabei sei Wut eine starke Energie, die uns auch mit Kraft versorge und uns dabei helfen könne, uns überhaupt erst einmal abzugrenzen und neu zu orientieren. Auch Paarberaterin Vera Matt betont, dass ein langanhaltendes Gefühl der Hilflosigkeit und Lethargie nach einer Trennung eher beunruhigend sei, als die irgendwann aufbrechenden starken Gefühle. Fühlen wir uns hilf- und hoffnungslos, ist das ein Zeichen, dass wir nicht glauben, an unserer Situation etwas ändern zu können. Das aber sei eigentlich immer der Fall. Unsere Wut könne uns helfen, aus der inneren Erstarrung heraus und wieder ins Handeln zu kommen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p1"><b>Wie schaffe ich es, aus dem Trennungsschmerz herauszukommen?</b></p>
<p class="p1">Der Prozess, eine Trennung zu überwinden, sei so individuell wie die Menschen, die sie in ihrer Arbeit begleite, so Paarberaterin Vera Matt. Wichtig sei: „Fragst du dich, ob du Hilfe brauchst, ist das meist ein gutes Signal, dir tatsächlich professionelle Unterstützung zu suchen. Du musst deinen Weg nicht alleine gehen. Ein Coach oder ein/e Berater:in kann dich motivieren, dir Fortschritte aufzeigen und dich auf deine eigene Kraft verweisen. Denn nach einer Trennung bist du in einer Lebenssituation, in der du Kraft, Unterstützung und ein gutes Netzwerk brauchst.“ Daher sei es auch sinnvoll, Menschen gegenüber, die dir wenig empathisch begegneten, klare Grenzen zu setzen. „Das kannst du tun, indem du zum Beispiel sagst: „Ich brauche Unterstützung, keine Urteile!“ Oder „Kannst du mir praktisch im Alltag helfen?“, so die Paarberaterin. Manchmal könne das auch bedeuten, zu Menschen, die uns Kraft rauben, klar auf Distanz zu gehen. <span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p1">Was ebenfalls hilft, sind Rituale, darin sind sich sowohl Trennungscoach Christina Rinkl, als auch Paarberaterin Vera Matt einig. Im Fall des Todes des Partners oder der Partnerin bietet unsere Kultur diverse Rituale an, wie wir dem Verlust begegnen können. Bei einer Trennung ist das viel weniger der Fall. Aber auch hier sei es notwendig, den eigenen starken Gefühlen Raum zu geben. Hilfreich sei, sich bewusst Zeit für die Trauer, aber auch die Wertschätzung der Ex-Partnerschaft zu nehmen, so Trennungscoach Christina Rinkl. Dies könne zum Beispiel in Form eines Briefes geschehen – den du auch nicht abzuschicken brauchst. Darin formulierst du, wovon du Abschied nimmst, aber auch, was dir aus der Beziehung erhalten bleibt. Zugleich kannst du dich fragen: Was lerne ich daraus? Und was war mein Anteil am Scheitern dieser Beziehung? Trauer und Wut dabei intensiv zu durchleben, sei ein wirkungsvoller Schritt, die gemachten Erfahrungen zu verarbeiten und ermögliche oft erst, die Beziehung wirklich loszulassen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p1"><b>Was mache ich, wenn ich meinen Ex-Partner ständig sehe?<span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
<p class="p1">Durch gemeinsame Kinder wird ein echtes Abschiednehmen vom Expartner oder der Expartnerin erschwert. Zugleich sind die Begegnungen, die im Rahmen der Umgangsregelung stattfinden, häufig noch von großer (innerer) Spannung geprägt. Hier helfe es, so Trennungscoach Christina Rinkl, zu bedenken, dass die Übergabemomente oft die einzige Zeit seien, in der Kinder ihre getrenntlebenden Eltern gemeinsam erleben und damit wichtig für Eltern <i>und</i> Kinder. „Spürst du, dass deine Gefühle hoch zu kochen drohen, kann es helfen, innerlich einen Schritt zurückzutreten und zu versuchen, deinen Ex-Partner wie einen Kollegen zu sehen. So wirst du zumindest im Beisein deiner Kinder neutral bleiben können.“ Ebenfalls wichtig: Zeigen deine Kinder nach eurer Trennung starke Gefühle wie Wut, Trauer oder auch Abwehr, bestärke sie darin, dass sie diese Gefühle empfinden dürfen und bemühe dich möglichst darum, auch negative Gefühle nicht zu relativieren oder sofort von ihnen abzulenken. Es mag für dich selbst schmerzhaft sein, deine Kinder traurig oder wütend zu erleben. Aber letztlich hilfst du ihnen enorm, eure Trennung zu verarbeiten, indem du sie dabei begleitest. Wächst dir das alles über den Kopf, hole dir Unterstützung, zum Beispiel bei einer Familien- oder kinderpsychologischen Beratungsstelle. Und es könne für Kinder sogar tröstend sein, ihnen zu zeigen „Ja, ich bin selbst traurig!“, so Trennungscoach Christina Rinkl. Dabei solltest du ihnen aber vermitteln, dass du dich um dich selbst kümmerst und dass deine Kinder weder für die Trennung noch für dich Verantwortung tragen. Sich Hilfe zu suchen und das zu thematisieren, könne ein guter Weg sein, sowohl gut für sich, als auch für die eigenen Kinder zu sorgen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p1"><b>Und jetzt – Was kommt nach der Trennung?</b></p>
<p class="p1">Nicht umsonst gebe es nach einer Ehe das Trennungsjahr, so Coach Christina Rinkl. Eine Trennung zu verarbeiten brauche Zeit – erst recht, wenn sie von starken Gefühlen begleitet sei, zum Beispiel, weil einer der Partner den anderen hintergangen oder „aus heiterem Himmel“ vor vollendete Tatsachen gestellt habe. Vera Matt macht in diesem Zusammenhang auf vier typische Phasen aufmerksam, die Psychotherapeutin Elisabeth Kübler-Ross in Bezug auf Trauerprozesse formuliert hat: „Leugnung, Trauer und Wut, Verhandeln und schließlich Verzeihen und Loslassen sind nach einer Trennung normal“, so die Paarberaterin: „Manchmal durchleben wir diese Phasen sogar zeitgleich oder zumindest dicht nacheinander. Wir durchlaufen einen Anpassungsprozess an eine ganz neue Lebenssituation – die Seele braucht schlicht Zeit, um ihren Weg von A nach B zu gehen.“ Gerade als Alleinerziehende komme dazu oft noch die plötzlich drängende Frage der Kinderbetreuung, der beruflichen und finanziellen Einschränkungen oder auch des noch immer wahrnehmbaren gesellschaftlichen Stigmas, alleinerziehend zu sein. „Das alles musst du nach einer Trennung erst einmal verarbeiten. Helfen kann, sich bewusst zu machen, wofür du das alles auf dich nimmst, nämlich, um deinen Kindern ein authentisches Leben vorzuleben und gut für dich zu sorgen.“ Ebenso hilfreich könne sein, sich zu sagen: „Eine Trennung sagt nichts über dich aus, aber viel über eure Beziehung.“ Das Ende deiner Beziehung mag sich sehr schmerzhaft anfühlen, aber du hast doch die Möglichkeit, in Zukunft Dinge anders – und für dich besser – zu gestalten, dich zu fragen, was du selbst brauchst und wie du womöglich später eine neue Partnerschaft leben willst.</p>
<p class="p1"><b>Und die anderen? Was tun, wenn dich scheinbar keiner versteht?</b></p>
<p class="p1">Egal, wie du mit deiner Trennung umgehst – es ist letztlich dein Weg, den andere von außen nur bedingt nachvollziehen können. „Ich brauche gute Freunde, nicht Kritiker:innen“, kann eine Erinnerung an dich selbst sein, mit der du dich in gesunder Weise von wenig kraftspendenden Menschen in deinem Umfeld abgrenzt. Dazu kann auch gehören, dass du klar entscheidest, wem du in welcher Form von den Dingen, die dich beschäftigen, erzählst, so Trennungscoach Christina Rinkl: „Nicht jeder hat für alles Verständnis und du brauchst auch nicht von jedem verstanden zu werden.“ Deine innere Heilung braucht Zeit und du darfst dir die Erlaubnis geben, sie in deinem Tempo zu durchleben. Wenn andere dir raten „es doch mal gut sein zu lassen“, kannst du ihnen antworten, dass du selbst dein Tempo bestimmst – in deinem Leben und auch im Fall einer Trennung.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
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									<p><b style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Arial,sans-serif; font-size: var( --e-global-typography-text-font-size );">Wer ist die Expertinnen?</b></p>
<p class="p1"><b>Christina Rinkl</b> berät als Trennungscoach Frauen, Männer und Paare vor, während und nach der Trennung. Sie selbst ist getrennt erziehende Mutter zweier Söhne und hat als Kind die Trennung ihrer Eltern erlebt. In ihrer Arbeit ist ihr wichtig, Frauen in ihrer Selbstwirksamkeit zu bestärken und Chancen aufzuzeigen, die sich aus einer Trennung ergeben. <a href="http://www.trennungalschance.de"><span class="s1">www.trennungalschance.de</span></a></p>
<p class="p1"><b>Vera Matt</b> ist als Paartherapeutin tätig und berät Paare deutschlandweit in Beziehungsfragen. Ihre Arbeit ist durch Offenheit, Klarheit und Lösungsorientiertheit geprägt. Besonderen Fokus legt sie auf gelingende Kommunikation und macht diese oft zum Schwerpunkt ihrer Beratungen. <a href="http://www.paartherapeut-in.de"><span class="s1">www.paartherapeut-in.de</span></a></p>								</div>
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									<p><strong>Wer schreibt?</strong></p>
<p>Sarah Zöllner ist Journalistin, Bloggerin und Autorin für Familien- und Gesellschaftsthemen. Sie hat zwei Söhne im Kindergarten- und Grundschulalter. 2020 erschien ihr Buch „Alleinerziehend – und nun?“ Ihr zweites Buch <a href="https://www.magas-books.de/shop/mutter-werden-sein/muetter.-macht.-politik.---ein-aufruf/" target="_blank" rel="noopener">„Mütter. Macht. Politik: Ein Aufruf!“</a> ist am 1.9.2023 im Magas-Verlag erschienen. <a href="http://www.sarahzoellner.com" target="_blank" rel="noopener">www.sarahzoellner.com</a>.</p>								</div>
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					<p class="elementor-heading-title elementor-size-default">Von Sarah Zöllner</p>				</div>
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		<title>Alles 110%? Warum es sich lohnt, als Alleinerziehende Dinge unperfekt zu machen!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Gastautor_in]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Mar 2024 21:25:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[GEFÜHLE & PSYCHE]]></category>
		<category><![CDATA[PSYCHOLOGIE]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Fünf Minuten, bevor wir los zur Kita gehen: Ein dicker Marmeladenfleck ziert auf einmal das T-Shirt meines Sohnes. Ihn jetzt mit rotem Klecks in den Kindergarten schicken? Ich entscheide mich, ihm ein neues T-Shirt anzuziehen. Obwohl das bedeutet, dass wir danach auf dem Weg zur Kita rennen müssen und er protestiert, weil er nicht einsieht, [&#8230;]</p>
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									<p></p>
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<p class="p1 wp-block-paragraph"><strong>Fünf Minuten, bevor wir los zur Kita gehen: Ein dicker Marmeladenfleck ziert auf einmal das T-Shirt meines Sohnes. Ihn jetzt mit rotem Klecks in den Kindergarten schicken? Ich entscheide mich, ihm ein neues T-Shirt anzuziehen. Obwohl das bedeutet, dass wir danach auf dem Weg zur Kita rennen müssen und er protestiert, weil er nicht einsieht, warum er sich noch einmal umziehen soll. Warum bestehe ich dennoch darauf? Warum ist mir so wichtig, dass er „ordentlich gekleidet“ in die Kita geht?</strong></p>
<p class="p1">Perfektionismus – ein Thema, das uns als Alleinerziehenden immer wieder begegnet. Sei es, dass wir für unsere Kinder „nur das Beste“ wollen, nach außen einen möglichst unabhängigen und kompetenten Eindruck machen oder im Beruf glänzen wollen (obwohl wir auch privat massiv gefordert sind) – perfektionistisches Verhalten hat viele Facetten.</p>
<p class="p1">Spannend finde ich, dass Psychologin Caroline Uhl, die sich auf psychologische Beratung und Coaching für alleinerziehende Mütter spezialisiert hat, unterscheidet zwischen Gewissenhaftigkeit als Persönlichkeitsmerkmal und Perfektionismus im pathologischen Sinn. Und dass sie betont, dass Perfektionismus auch eine Art Schutz- oder Kompentationsstrategie sein kann, mit der wir tiefer liegenden Ängsten oder Bedenken begegnen. So zum Beispiel der Angst, als Alleinerziehende*r mit unseren Kindern als Familie nicht zu genügen oder alleine den Alltag nicht bewältigen zu können. Das mag erklären, warum es oft gar nicht so leicht ist, „einfach mal fünf gerade sein zu lassen“, den Alltag „locker“ zu sehen und „sich nicht so einen Kopf zu machen“.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p1">Dazu kommt, dass wir als Alleinerziehende tatsächlich häufig darauf angewiesen sind, alles selbst im Griff zu haben. Wer außer uns behält Termine unserer Kinder, berufliche und private Absprachen, die Organisation von Haushalt, Job und Kinderbetreuung im Blick? Was, wenn wir „schwächeln“, den Überblick verlieren oder –<span class="Apple-converted-space"> </span>krankheitsbedingt – ganz ausfallen? Ein nur zu verständliches Bedürfnis nach Schutz und Sicherheit sowie der Wunsch, für unsere Kinder ein gutes Leben zu gestalten, kann also hinter unserem Verhalten stehen: Indem wir Listen schreiben, uns gedanklich auf alle Eventualitäten vorbereiten und jede Aufgabe 110-prozentig zu erledigen versuchen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p1">Der Vorteil: Im besten Fall bekommen wir unser Leben dadurch tatsächlich gut organisiert. Trotz der zahlreichen Herausforderungen, die es als Alleinerziehende mit sich bringt. Wir sind beruflich erfolgreich, unsere Kinder entwickeln sich gut, bestenfalls finden wir verbindliche Regelungen, wie wir auch mit Ex-Partner*innen noch in konstruktiver Weise gemeinsam Eltern sein können.</p>
<p class="p1">Wenn es dumm läuft, kostet uns all diese Organisation und die stetige Anstrengung, es „richtig“ zu machen, aber buchstäblich den Schlaf. „Wenn du über längere Zeit nicht mehr gut ein- oder durchschlafen kannst, ist das ein Warnsignal“, so Caroline Uhl: „Ebenso, wenn du Dinge gedanklich nicht mehr loslassen kannst, dauerhaft darüber nachgrübelst, ob du Entscheidungen nicht „richtiger“ oder „besser“ hättest treffen können. Das sind Momente, in denen das an sich positive Persönlichkeitsmerkmal der Gewissenhaftigkeit umschlagen kann in ein Verhalten, das dir selbst nicht mehr gut tut, bis hin zur Zwanghaftigkeit. Alles 110-prozentig machen zu wollen, kann dich massiv überfordern – und meist merkst du das zuerst über körperliche Signale.“</p>
<p class="p1">Was aber tun, wenn du unter deinem Perfektionismus im Alltag zu leiden beginnst? Eine ganz praktische Übung kann sein, so Caroline Uhl, sich mehrmals am Tag, zum Beispiel auf dem Handy, den Wecker zu stellen und kurz innezuhalten. „Dabei kannst du dich fragen: Für wen mache ich das hier eigentlich gerade? Für mich, oder für andere? Und: Wer profitiert wirklich davon?“<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p1">Die Antwort darauf kann gerade für Menschen, die perfektionistisch veranlagt sind, verblüffend sein: Die aufwendige Geburtstagstorte, das sorgfältig organisierte Familienwochenende, die gebügelten Hemden &#8211; mache ich das tatsächlich für mich oder mein Kind? Oder weil ich denke, es „gehört“ sich so oder andere beurteilen mich dadurch positiver?<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p1">Die Angst vor dem Urteil anderer kennen tatsächlich viele Alleinerziehende – auch wenn wir sie manchmal durch (scheinbar) selbstsicheres Verhalten kompensieren. Zwar ist alleinerziehend zu sein als Familienstatus gesellschaftlich nicht mehr geächtet, wie vielleicht noch vor vierzig oder fünfzig Jahren, aber Glaubenssätze wie „Nur Mama, Papa, Kind sind eine richtige Familie“ oder „Sich zu trennen, bedeutet Scheitern“ sind doch oft tiefer in uns verankert, als wir es womöglich wahrhaben wollen. Und natürlich lässt sich nicht leugnen, dass Kinder von Alleinerziehenden tatsächlich von Armut bedroht sein können und gegebenenfalls über schlechtere soziale Ausgangsbedingungen verfügen. Dazu kommt, dass wir als Frauen ohnehin darauf sozialisiert sind, Dinge möglichst „gut“, ordentlich und gewissenhaft zu erfüllen.</p>
<p class="p1">Leicht führt diese Mischung aus (noch) verinnerlichten Stereotypen, realer Belastung und Sozialisation als Frau dazu, dass wir als Alleinerziehende unser Leben besonders gut meistern wollen &#8211; und uns dabei eben besonders viel Druck machen.</p>
<p class="p1">Das alles zu erkennen, kann ein erster Schritt sein, um alltäglichen Perfektionismus los zu werden und sich nicht dauerhaft zu überlasten. Wichtig ist dabei, nicht in die nächste Falle zu tappen: Gerade für perfektionistisch veranlagte Menschen sieht Psychologin Caroline Uhl in manch einem Coaching-Angebot, das eine noch effizientere Alltagsorganisation oder die Behebung persönlicher Schwächen verspricht, die Gefahr, das Muster der Selbstoptimierung eher zu verstärken und das eigentliche Problem aus den Augen zu verlieren: Dass nämlich übermäßig gewissenhaftes Verhalten oft eine Kompensationsstrategie darstellt. Sich die dahinter liegenden Motive anzusehen ist häufig ein schwieriger Prozess, für den Caroline Uhl klar psychologische Begleitung empfiehlt.</p>
<p class="p1">Mit dem Vorsatz „einfach lockerer zu werden“ ist es also meist nicht getan, wenn wir Perfektionismus im Alltag loswerden wollen. Viel sinnvoller kann es sein, dass wir nach dem „Nutzen“ fragen, den er aktuell (noch) für uns hat &#8211; und uns behutsam den dahinter liegenden Ängsten und Glaubenssätzen zuwenden.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p1">Und natürlich macht es Sinn, dass wir das dahinter liegende Bedürfnis nach Schutz oder auch Anerkennung ernst nehmen. Außer mit Perfektionismus können wir diesem entsprechen, indem wir uns nach und nach einen stabilen Freundeskreis aufbauen, uns unterstützende Netzwerke schaffen und immer wieder anhand der Realität – zum Beispiel im Gespräch mit guten Freund*innen – überprüfen, ob unsere Anstrengung wirklich nötig ist. Auch der Blick auf alles, was bereits gut läuft, beispielsweise in Form eines Bestärkungs- und Dankbarkeitstagebuchs, in das wir jeden Abend zwei bis drei Dinge notieren, die an diesem Tag gut gelaufen sind, kann hilfreich sein. Oft liegt, was wir als Erwartung oder auch Kritik von außen wahrnehmen, tatsächlich ja eher in uns selbst. Hier ein Gegengewicht in Form von Bestärkung, aber auch konkreter Alltagsentlastung, zu schaffen, kann helfen, die innere Antreiberin allmählich zum Verstummen zu bringen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p class="p1">Abgesehen davon kann es uns natürlich dennoch wichtig sein, dass unser Kind mit sauberen Kleidern in die Kita geht, oder wir haben vielleicht sogar Spaß daran, den perfekten Geburtstagskuchen backen. Alles gut, sagt Psychologin Caroline Uhl: Solange wir es für uns selbst und mit Freude machen! Ist das nicht mehr der Fall, lohnt es sich, genauer hinzusehen.</p>
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									<p><b style="color: var( --e-global-color-text ); font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Arial,sans-serif; font-size: var( --e-global-typography-text-font-size );">Wer ist die Expertin?</b></p>
<p class="p1"><b>Caroline Uhl </b>ist selbständige Psychologin und zertifizierte Coachin. Sie berät vor allem Alleinerziehende dabei, persönliche Bedürfnisse und Wünsche mit dem Muttersein in Einklang zu bringen. In ihrer Arbeit bedient sie sich eines systemischen sowie personenzentrierten Ansatzes. 2022 erschien ihr Buch <a href="https://solomuetter.de/2022/10/20/interview-mit-caroline-uhl/">„Wer bin ich, wenn ich nicht alleinerziehend bin?“</a> Caroline lebt mit ihrem Sohn in Köln.<a href="http://www.caroline-uhl.com" target="_blank" rel="noopener"> www.caroline-uhl.com</a>, Instagram <a href="http://www.instagram.com/@psychologin_caro" target="_blank" rel="noopener">@psychologin_caro</a>.</p>								</div>
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									<p><strong>Wer schreibt?</strong></p>
<p>Sarah Zöllner ist Journalistin, Bloggerin und Autorin für Familien- und Gesellschaftsthemen. Sie hat zwei Söhne im Kindergarten- und Grundschulalter. 2020 erschien ihr Buch „Alleinerziehend – und nun?“ Ihr zweites Buch <a href="https://www.magas-books.de/shop/mutter-werden-sein/muetter.-macht.-politik.---ein-aufruf/" target="_blank" rel="noopener">„Mütter. Macht. Politik: Ein Aufruf!“</a> ist am 1.9.2023 im Magas-Verlag erschienen. <a href="http://www.sarahzoellner.com" target="_blank" rel="noopener">www.sarahzoellner.com</a>.</p>								</div>
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					<p class="elementor-heading-title elementor-size-default">Von Sarah Zöllner</p>				</div>
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		<title>„Non, je ne regrette rien!“ Warum Stolz und Scham als Alleinerziehende oft nah beeinanderliegen</title>
		<link>https://solomuetter.de/2023/10/31/non-je-ne-regrette-rien-warum-stolz-und-scham-als-alleinerziehende-oft-nah-beeinanderliegen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Gastautor_in]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Oct 2023 11:44:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[GEFÜHLE & PSYCHE]]></category>
		<category><![CDATA[PSYCHOLOGIE]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es war sicher nicht der Griesbrei, den ich an diesem Abend kochte. Eher schon die Tatsache, dass sein Papa den Brei so oft zubereitet hatte. Sein Papa, der seit einem halben Jahr nicht mehr bei uns wohnte. Monatelang war mein Sohn klaglos von einer Wohnung in die andere, von einer Welt zur anderen gewechselt – [&#8230;]</p>
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					<h1 class="elementor-heading-title elementor-size-default">„Non, je ne regrette rien!“ Warum Stolz und Scham als Alleinerziehende oft nah beeinanderliegen</h1>				</div>
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									<p></p>
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<p class="p1 wp-block-paragraph"><strong>Es war sicher nicht der Griesbrei, den ich an diesem Abend kochte. Eher schon die Tatsache, dass sein Papa den Brei so oft zubereitet hatte. Sein Papa, der seit einem halben Jahr nicht mehr bei uns wohnte. Monatelang war mein Sohn klaglos von einer Wohnung in die andere, von einer Welt zur anderen gewechselt – aber jetzt liefen ihm die Tränen über die Wangen, in meine Arme vergraben schüttelte es ihn: Er vermisste seinen Papa, den Griesbrei, die Welt, die für ihn, wenn nicht heil, so doch vertraut gewesen war. Das fühlte sich – auch für mich – verdammt traurig an.</strong></p>
<p>Minutenlang strich ich meinem Sohn über den Rücken und versuchte dabei, nicht selbst in Tränen auszubrechen. In mein Mitgefühl mischte sich eine gehässige Stimme: „Du bist schuld! Schau, was du deinem Kind antust. Das hast du gründlich falsch gemacht!“</p>
<p>Als Mütter – und erst recht als Alleinerziehende &#8211; kennen wir diese, manchmal allzu laut gedachten, Gedanken ganz selbstverständlich: Auch, wenn wir unser Kind morgens um sieben noch müde und weinend in der Kita abgeben, um unserer Erwerbsarbeit nachzugehen. Wenn wir den Kindergeburtstag im Spieleland mit gekauftem Kuchen veranstalten und nicht zuhause mit Mottoparty und selbstgestalteter Piratentorte &#8211; einfach, weil uns Zeit und Nerven dafür fehlen. Wenn sich unsere Kinder streiten und wir denken: diesen aggressiven Ton kennen wir von uns selbst, wenn wir abends irgendwann nur noch wollen, dass der Tag zu Ende geht. Wenn wir als allein verantwortliche, alleinerziehende Mutter zwischen all den To-Dos jonglieren, die unseren Alltag täglich bestimmen. „Du hast versagt! Das kannst du besser! Du wirst deiner Verantwortung nicht gerecht!“ All die hässlichen kleinen Sätze. Aber warum fühlen wir uns schuldig? Was können wir dagegen tun? Und was ist Schuld überhaupt?</p>
<p>Ich fragte Psychologin Lea Beck-Hiestermann, wie ich als Mutter mit der Wahrnehmung, mich schuldig zu machen, umgehen kann. Ihre Antwort ist erst einmal verblüffend: „Schuld ist psychologisch ein sinnvolles Gefühl“, erklärt sie mir: „Es bedeutet, ich erlebe eine Situation als kontrollierbar. Wenn ich schuld bin, hätte ich auch anders handeln können. Für Menschen ist es oft noch schwerer, sich einzugestehen, dass sie gar keinen Einfluss auf eine Situation haben.“</p>
<p>Wie kann ich dann aber mit dem nagenden Gefühl der Schuld umgehen? „Wichtig ist, das Gefühl erst einmal anzunehmen“, so die Psychologin. „Es ist okay, dass ich mich schuldig fühle. Ich darf mir auf jeden Fall auch Unterstützung suchen, sei es durch gute Freunde oder eine professionelle Begleitung wie eine Familienberatung. Ich darf meine Gefühle von Schuld und Trauer auch meinem Kind gegenüber – natürlich in kindgerechter Weise – kommunizieren. Und es ist sicher hilfreich, zu hinterfragen, warum empfinde ich mich als schuldig oder gescheitert? Sind es meine eigenen Wünsche, die sich nicht erfüllt haben, oder sind es gesellschaftliche Erwartungen, zum Beispiel die meiner Eltern oder meines Freundeskreises, wie eine „richtige“ Familie auszusehen habe? Oft ist es einfacher, sich von äußeren Erwartungen frei zu machen als von eigenen Glaubenssätzen. Das überhaupt zu unterscheiden, kann schon helfen.“</p>
<p>Was kann ich also tun, um mein Selbstwertgefühl als Alleinerziehende wieder aufzubauen? „Ist mein Selbstwertgefühl grundsätzlich stabil, werde ich mich nach einer Trennung ziemlich sicher auch verunsichert fühlen, aber letztlich werde ich mich relativ rasch wieder erholen“, so Psychologine Beck-Hiestermann. Anders sieht es aus, wenn ich meinen Wert stark davon abhängig mache, eine Partnerschaft zu führen oder nur Vater, Mutter und Kind als vollständige Familie sehe. „In jedem Fall kann es hilfreich sein, wenn ich all die anderen Anteile, die neben meiner Rolle als Partnerin auch noch da sind, wie zum Beispiel die der kompetenten Mutter, der guten Freundin oder der verlässlichen Arbeitnehmerin, stärke, also die Bereiche, in denen ich mich nicht als defizitär erlebe“, so die Psychologin: „Ich darf nicht vergessen: Partnerin zu sein ist nur ein Mosaikstein meiner Persönlichkeit. Lebe ich all die anderen Anteile, verliert auch die Verletzung in diesem Bereich allmählich an Bedeutung.“</p>
<p>Ich möchte wissen: Was sind konstruktive Rituale, um mit Altem abzuschließen und Neuem in meinem Leben Raum zu schaffen? Hier gibt Lea Beck-Hiestermann keine pauschale Antwort. Letztlich gebe es schlicht kein Ritual, das Trennungsschmerz wegzaubere und jedem und jeder helfe. Wie sie betont, sind Trennungen, aber zum Beispiel auch eine Geburt, sogenannte Life- Events oder auch Schwellensituationen, in denen etwas Altes nicht mehr trägt, wir aber auch noch nicht im Neuen angekommen sind. Verständlich, dass das Angst und Stress erzeugen und auch psychische Erkrankungen begünstigen kann. Wichtig sei, sich einzugestehen, dass die Umstellung vom Alten zum Neuen einfach Zeit brauche, so die Psychologin. Oft entstehe ja erst einmal – ganz praktisch – eine Leere, zum Beispiel eine Lücke in der Kinderbetreuung oder fehlender Austausch auf der partnerschaftlichen Ebene. Genau diese Leere könne aber auch die Chance sein, Neues für sich zu entdecken, sich Unterstützung zu suchen und an Dinge anzuknüpfen, die man aus der Zeit vor der Partnerschaft als wohltuend in Erinnerung habe.</p>
<p>Aber was tun, wenn die Kinder sichtlich unter der Trennung leiden? Wie gehe ich damit um, dass meine Entscheidungen anderen, und insbesondere meinen Kindern, Schmerz zufügt? Psychologin Beck-Hiestermann betont, dass an dieser Stelle das Wohl der Kinder eng mit meinem verknüpft ist. Als Elternteil habe ich also das Recht, auch meine Bedürfnisse ernst zu nehmen. Wenn die Beziehung wirklich nicht mehr funktioniere, sei der Schmerz der Trennung für Kinder oft leichter zu ertragen als dauerhaft streitende oder einander feindselig anschweigende Elternteile, so die Psychologin. Dass wir uns als Paar trennen, bedeutet mit Kindern ohnehin, dass wir als Eltern verbunden bleiben werden.</p>
<p>Genau das, eine funktionierende oder zumindest sich nicht behindernde, Elternebene zu finden, ist nach einer Trennung oft schwer. Es gehe darum, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, so Lea Beck-Hiestermann, auch für das eigene Verhalten. Ich kann meinen Ex-Partner oder meine Ex- Partnerin nicht ändern, habe aber die Wahl, wie ich auf sein oder ihr Verhalten reagiere. Erlaube ich ihm oder ihr, mein ganzes weiteres Leben – und das meiner Kinder – zu bestimmen? Oder arbeite ich daran, eigene Anteile an bestehenden Konflikten zu erkennen, gut für mich zu sorgen und mir gemeinsam mit meinen Kindern ein möglichst eigenständiges Leben aufzubauen?</p>
<p>Was, wenn ich dazu aus meinem Umfeld zusätzlich Kritik erhalte? Im Grund könne mich diese nur treffen, solange ich im Innersten nicht von der Richtigkeit meiner Entscheidungen überzeugt sei, so Frau Beck-Hiestermann. Andernfalls kann ich zum Beispiel klar sagen, dass mir für die gemeinsamen Kinder eine neutrale Beziehung wichtig ist – auf der Eltern- oder Großelternebene – und zugleich den persönlichen Kontakt auf ein Minimum reduzieren. Schuldgefühle und Selbstvorwürfe geben mir auf verdrehte Weise das Gefühl, die Kontrolle über mein Verhalten zu haben. Wirklich zurück ins Leben komme ich aber, indem ich zwar meinen Anteil am Scheitern einer Beziehung oder einer aktuell schwierigen Situation erkenne, mir aber auch erlaube, weiterzugehen. Hin zu einem Leben ohne Schuldgefühle, dafür mit der Verantwortung für mich selbst.</p>
<p>Mein Sohn hat sich damals schließlich wieder beruhigt. Es war gut, dass ich in diesem Moment bei ihm war. Und ich habe mir Unterstützung geholt. Weil ich es mir wert war. Für mich und für unser gemeinsames Leben. Ich habe Verantwortung übernommen, bin aktiv geworden, statt mich weiter schuldig zu fühlen. Es hat gewirkt. Und bis heute bin ich darauf ziemlich stolz.</p>
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									<p><strong>Wer schreibt?</strong></p>
<p>Sarah Zöllner ist Journalistin, Bloggerin und Autorin für Familien- und Gesellschaftsthemen. Sie hat zwei Söhne im Kindergarten- und Grundschulalter. 2020 erschien ihr Buch „Alleinerziehend – und nun?“ Ihr zweites Buch <a href="https://www.magas-books.de/shop/mutter-werden-sein/muetter.-macht.-politik.---ein-aufruf/" target="_blank" rel="noopener">„Mütter. Macht. Politik: Ein Aufruf!“</a> ist am 1.9.2023 im Magas-Verlag erschienen. <a href="http://www.sarahzoellner.com" target="_blank" rel="noopener">www.sarahzoellner.com</a>.</p>
<p>Lea Beck-Hiestermann berät als Psychotherapeutin gemeinsam mit ihrem Mann Menschen in Krisen- und Umbruchsituationen, insbesondere auch Mütter rund um die Geburt. Als Dozentin an der Psychologischen Hochschule Berlin ist sie auch wissenschaftlich tätig. Sie lebt und arbeitet mit ihrer Familie in der Nähe von Berlin. <a href="http://www.praxis-hiestermann.de" target="_blank" rel="noopener">www.praxis-hiestermann.de</a>, Instagram <a href="https://www.instagram.com/psyche.und.geburt/" target="_blank" rel="noopener">@psyche.und.geburt</a></p>								</div>
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					<p class="elementor-heading-title elementor-size-default">Von Sarah Zöllner</p>				</div>
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